Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Klinische Forschergruppe aus Dresden untersucht Rolle der Nebenniere bei Stress-Erkrankungen

20.07.2011
Stress bekommt in der modernen Gesellschaft eine immer größere Bedeutung. Denn der menschliche Körper reagiert auf Stress mit Stoffwechselerkrankungen, Herzkreislaufstörungen, Neuro- und Immunerkrankungen.

Eine Klinische Forschergruppe unter Leitung von Prof. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, geht nun der Bedeutung der Nebenniere als zentralem Stressorgan auf den Grund. Die Nebennieren produzieren die Stoffe, die grundlegend an den Reaktionen von Stoffwechsel, Herzkreislauf-, Nerven- und Immunsystem beteiligt sind.

„Wenn der Mensch unter Stress steht, schüttet der Organismus die von der Nebenniere produzierten Hormone und Nervenbotenstoffe Adrenalin, Noradrenalin sowie Cortisol aus, um beispielsweise Gefahrensituationen oder besondere geistige oder emotionale Situationen zu meistern“, so der Dresdner Endokrinologe und Stressforscher Prof. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Carl Gustav Carus.

Doch dieser situationsbedingte Abwehrmechanismus kann dauerhafte Folgen für den Organismus haben. Denn die stressregulierenden Hormone und Nervenbotenstoffe sind von entscheidender Bedeutung für Kohlenhydrathaushalt, Fettstoffwechsel und Proteinumsatz. Geraten die verschiedenen Stoffe durch Stress aus dem Gleichgewicht, sind oft chronische und Volkskrankheiten die Folge. „Auch ein Nebennierentumor kann Ursache für eine Dysregulation des Stresssystems sein“, so Professor Bornstein.

Welche Bedeutung der Stressforschung zukommt, zeigt die Bewilligung einer Klinischen Forschergruppe mit dem Titel „Microenvironment of the Adrenal in Health and Disease“, die gerade – unter der Leitung von Prof. Bornstein – in Dresden gestartet ist. Gefördert wird sie mit rund 3,2 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Denn Stresserkrankungen drohen sich heute zu einer neuen Epidemie zu entwickeln: Diabetes, Übergewicht, Herzkreislauferkrankungen, Neuro- und Immunreaktionen können die Antworten des Körpers auf Druck und Anspannung des heutigen Alltags sein.

Die Klinische Forschergruppe von Prof. Bornstein gliedert sich in insgesamt neun Projekte. Ziel des Gesamtprojekts ist, ein grundlegendes Verständnis für die Funktion der Nebenniere zu entwickeln. Dazu gehört die Erforschung bislang noch nicht bekannter molekularer Mechanismen zwischen dem Gewebe der Nebennieren und den umgebenden Zellen. Prof. Bornstein: „Wir erwarten hier neue Erkenntnisse und damit neue Therapieansätze bei der Bekämpfung von Stresserkrankungen.“ Der Begriff Stress wurde übrigens erstmals 1936 vom österreichisch-kanadischen Mediziner Hans Selye (1907–1982) geprägt, um die verschiedenen Reaktionen des Körpers zur Bewältigung von Anforderungen und Belastungen zu benennen.

Mit den Klinischen Forschergruppen fördert die DFG Forschungsverbünde in der krankheits- und patientenorientierten klinischen Forschung sowie die dauerhafte Einrichtung wissenschaftlicher Arbeitsgruppen in klinischen Einrichtungen. Herausragende Wissenschaftler werden hierdurch in ihrer Zusammenarbeit an einer besonderen Forschungsaufgabe unterstützt, wenn zu erwarten ist, dass die Zusammenarbeit zu Ergebnissen führt, die mit Einzelförderungen nicht erreicht werden können. Die Förderung von Klinischen Forschergruppen soll unter anderem auch dazu beitragen, die klinische Forschung durch die Schaffung und Stärkung forschungsorientierter Strukturen in den Universitätskliniken zu verbessern und die leistungsorientierte Verteilung der Ressourcen zu unterstützen.

Mit der Bewilligung dieser Klinischen Forschergruppe sowie einer weiteren an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III angesiedelten DFG-Forschergruppe verdoppelt sich die Zahl der von Wissenschaftlern der TU Dresden sowie des Universitätsklinikums koordinierten DFG-Forschergruppen beziehungsweise Klinischen Forschergruppen. Prof. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der Technischen Universität Dresden: „Drittmittel sind einerseits eine wichtige Voraussetzung für hochwertige Forschung und zugleich Anerkennung der Forschungskompetenz. Die nun von der DFG bewilligten Mittel für die Universitätsmedizin setzen auch ein Signal vor dem Hintergrund der Exzellenzbewerbung der TU Dresden.“

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Direktor: Prof. Dr. med. Stefan R. Bornstein
Tel.: 0351 458 5955
E-Mail: stefan.bornstein@uniklinkum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinkum-dresden.de
http://www.mk3.uniklinikum-dresden.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise