Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Impfempfehlungen bei Rheuma

12.09.2013
Impfungen schützen rheumakranke Kinder vor Masern und Grippe

Die aktuell hohe Zahl der Masernerkrankungen hat es wieder gezeigt – viele Menschen sind nicht ausreichend geimpft. Das ist vor allem für Patienten mit entzündlichem Rheuma gefährlich. Denn sie sind häufig aufgrund eines geschwächten Abwehrsystems besonders anfällig für Infektionen.

Lebendimpfstoffe, wie etwa der gegen Masern, sind für sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Unsicherheiten in Bezug auf die Verträglichkeit von Impfungen sorgen jedoch auch bei Rheuma-Patienten für schlechte Impfquoten.

In welchen Fällen eine Impfung bei entzündlichem Rheuma sicher und effektiv ist, fassen jetzt neue Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zusammen. Diese stellen Experten auf einer Pressekonferenz am 19. September 2013 im Rahmen des 41. DGRh-Kongresses in Mannheim vor.

Jedes vierte rheumakranke Kind ist unzureichend geimpft. Dies gilt sogar für Standardimpfungen wie Tetanus oder Keuchhusten. Bei diesen Totimpfstoffen sei das Risiko von Nebenwirkungen gering, betont Professor Dr. med. Michael Borte, Kinderrheumatologe am Klinikum St. Georg in Leipzig. „Die meisten Standardimpfungen für Kinder und Erwachsene mit Rheuma sind laut aktueller Studien sicher und wirksam“, erklärt der Experte der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR). Dazu gehört auch die Immunisierung gegen Pneumokokken, Meningokokken oder Influenzaviren.

Andere Regeln gelten für Lebendimpfstoffe, wie etwa der Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Diese empfehlen DGRh-Experten für Patienten unter niedrig dosierter Steroidtherapie. Nehmen rheumakranke Menschen jedoch Medikamente, die die Immunabwehr deutlich unterdrücken, dürfen Ärzte Lebendimpfstoffe nicht anwenden. Die DGRh empfiehlt, erst drei bis sechs Monate nach dem Absetzen der immunsuppressiven Therapie zu impfen. Eine mögliche Änderung dieser Empfehlungen kündigt nun die GKJR für Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) an: „Erste Studien weisen darauf hin, dass die MMR-Impfung unter bestimmten Bedingungen trotz immunsuppressiver Therapie bei diesen Kindern effektiv sein kann“, so Borte. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnten zukünftig mehr Kinder mit JIA von Lebendimpfstoffen profitieren.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Impfeinschränkungen für Menschen mit entzündlichem Rheuma spricht sich Borte im Angesicht der aktuellen Diskussion für eine Pflichtimpfung bei Masern aus und verweist auf die USA, wo nur geimpfte Kinder in Schulen zugelassen werden. „Hohe Impfquoten gewährleisten eine Herdenimmunität“, betont er. „So werden auch diejenigen geschützt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, unter anderem Menschen mit Rheuma.“

Generell sollten Impfungen bei Rheuma-Patienten nicht während einer aktiven Krankheitsphase erfolgen. Zudem sollten Patienten mit unterdrücktem Immunsystem engen Kontakt mit Menschen meiden, die eine Polio-, Typhus- oder Rotavirenimpfung bekommen haben. Die Ansteckungsgefahr sei zu groß.

„Mit den neuen Impfempfehlungen hoffen wir, Ärzten und Patienten mehr Sicherheit zu geben und die Impfquoten bei Menschen mit Rheuma zu verbessern“, erklärt Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz vom Universitätsklinikum Heidelberg und Tagungspräsident des DGRh-Kongresses. Welche Auswirkungen schlechte Impfquoten in der Bevölkerung für Menschen mit Rheuma haben und welche Impfstrategie Experten empfehlen, ist Thema der Kongress-Pressekonferenz, die am 19. September 2013 in Mannheim stattfindet.

Quellen:
- Impfempfehlungen der DGRh:
S. Goldacker et al.: Impfungen bei erwachsenen Patienten mit chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013, DOI 10.1007/s00393-013-1155-4 (in Kürze auch unter: www.dgrh.de)

- Redemanuskript Professor Dr. med. Michael Borte, Leipzig und Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Heidelberg

Terminhinweise:

Kongress-Pressekonferenz
auf dem 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
Termin: Donnerstag, 19. September 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Raum 4.5 Richard-Wagner (Dorint Kongress-Hotel), Übergang Ebene 2 vom Congress Center Rosengarten, Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim
Themen und Referenten:
Entzündliches Rheuma betrifft nicht nur die Gelenke:
Wie Rheuma-Patienten Herzinfarkt und Arterienverkalkung vorbeugen
Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz
Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion Rheumatologie Universitätsklinikum Heidelberg, Medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des ACURA-Rheumazentrums Baden-Baden
Rheuma-Patienten sind zu wenig geimpft: Neue Impfstrategie der DGRh beugt Infektionen trotz geschwächtem Abwehrsystem vor
Professor Dr. med. Michael Borte
Chefarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Fachbereich Pädiatrische Rheumatologie, Immunologie und Infektiologie, Klinikum St. Georg, Leipzig
und
Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz
Neue Entwicklungen in der orthopädischen Rheumatologie:
Rheuma-Patienten müssen immer seltener unters Messer
Dr. med. Harald Dinges
Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), Leitender Arzt an der Orthopädischen Klinik, Westpfalz-Klinikum, Kusel
und
Professor Dr. med. Wolfgang Rüther
Vorsitzender der Kommission „Rheumaakademie“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Rheumatologie, Klinikum Bad Bramstedt und Orthopädische Universitätsklinik Hamburg Eppendorf
Kinderwunsch bei entzündlich rheumatischer Erkrankung:
Schwangerschafts-Verlauf verbessern und Komplikationen vermeiden
Dr. med. Rebecca Fischer-Betz
Sprecherin des DGRh-Arbeitskreises „Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen“, Oberärztin an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Vortrag auf dem DGRh-Kongress
Infektionsrisiken bei rheumatischen Erkrankungen – Infektionsprophylaxe und Impfungen unter Immunsuppression, Guidelines für Impfstrategien
Termin: Freitag, 20. September 2013, 15.00 bis 16.30 Uhr
Ort: Saal 2.1, Congress Center Rosengarten, Mannheim
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kongress-Pressestelle
Kathrin Gießelmann/Christina Seddig
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981/-442
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org
seddig@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizinkommunikation.org
http://www.dgrh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie