Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Hilfe bei chronischen Kopfschmerzen - Botulinumtoxin zeigt Wirkung bei

20.08.2010
Nicht nur gegen Falten kommt es zum Einsatz, in höherer Dosierung kann das Bakteriengift „Botoliniumtoxin“ bei Patienten mit chronischer Migräne eine sehr effektive Vorbeugung darstellen.

Diese neue Hoffnung für Betroffene nähren zwei Veröffentlichungen aus dem renommierten Wissenschaftsjournal „Cephalalgia“. Beide Veröffentlichungen zeigen anhand gut kontrollierter Studien, dass sowohl die monatlichen Tage mit Migräne als auch der Medikamenten-Übergebrauch durch Gabe von Botulinumtoxin durch Injektion in die Kopf- und Nackenmuskulatur signifikant reduziert werden konnte.

„Chronische, täglich auftretende Migräne ist sehr selten, doch gerade für Patienten mit chronischer Migräne - denen häufig nicht gut geholfen werden kann - kann Botoliniumtoxin eine neue Chance auf Verbesserung eröffnen. Die Behandlung mit Botoliniumtoxin hilft nicht bei normaler Migräne und Spannungskopfschmerz, sondern nur bei den täglich oder fast täglich auftretenden chronischen Formen“, sagt Prof. Dr. Arne May. Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Warum Botuliniumtoxin gerade bei den chronischen Formen so effektiv ist, ist allerdings unbekannt.

Die Behandlung ist spezialisierten Praxen oder Zentren vorbehalten. Richtig angewandt sind die möglichen Nebenwirkungen erfreulicherweise sehr gering. In Großbritannien ist die Zulassung der Behandlung mit dem Bakteriengift bei chronischer Migräne im Juli 2010 erfolgt. Für Deutschland wird diese in Kürze erwartet.

Bei den Studien wurden rund 1.380 Erwachsene untersucht und behandelt. Sie erhielten jeweils 31 Injektionen mit Botuliniumtoxin oder mit einem Placebo in sieben verschiedene Muskeln. Innerhalb einer 24-wöchigen Doppelblindphase gab es zwei derartige Zyklen. Ergebnis: nach 24 Wochen gaben rund 47 Prozent der Patienten in der Botuliniumtoxin-Gruppe an mindestens 50 Prozent weniger Kopfschmerztage gehabt zu haben. In der Placebo-Gruppe waren es rund 35 Prozent.

Bei mehr als 200 Kopfschmerzarten sind es gerade die chronischen Kopfschmerzen, die Ärzten und Behandlern Kopfzerbrechen bereiten. Chronische Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen die täglich oder fast täglich auftreten, gehören zu den am schlechtesten behandelbaren Schmerzen überhaupt. Eine Sonderform, der medikamentöse Dauerkopfschmerz, ist zwar in der Bevölkerung mit knapp zwei Prozent nicht so häufig, macht aber in den Kopfschmerzspezialzentren bis zu zehn Prozent aller Patienten aus. Der Grund liegt darin, dass die Behandlung sehr schwer ist und die Patienten häufig von Arzt zu Arzt laufen. Zugrunde liegt meist eine Migräne oder ein Spannungskopfschmerz, gegen den die Betroffenen erst selten, dann häufiger und später regelmäßig Kopfschmerzmittel einnehmen. Alle drei Kopfschmerzarten: Chronische Migräne, chronischer Spannungskopfschmerz und medikamenteninduzierter Kopfschmerz sind traditionell extrem schwer behandelbar.

Quellen:
1. Aurora S, Dodick D, Turkel C, et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: Results from the double-blind, randomized, placebo-controlled phase of the PREEMPT 1 trial. Cephalalgia. Jul;30(7):793-803.
2. Diener H, Dodick D, Aurora S, et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: Results from the double-blind, randomized, placebo-controlled phase of the PREEMPT 2 trial. Cephalalgia. Jul;30(7):804-814.

3. Dodick DW, Turkel CC, DeGryse RE, et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: pooled results from the double-blind, randomized, placebo-controlled phases of the PREEMPT clinical program. Headache. Jun;50(6):921-936.

Ansprechpartner:
Präsident DMKG e.V.
Prof. Dr. med. Arne May
Institut für Systemische Neurowissenschaften
Universitätskrankenhaus Eppendorf
Martinistr. 52, D-20246 Hamburg
Telefon +49 40 74105 9899
Telefax +49 4074105 9955
E-Mail a.may@uke.uni-hamburg.de
Generalsekretärin und Pressesprecherin
PD Dr. med. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1, 80336 München
Tel. 089 5150 2307
E-Mail Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics