Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Herzklappen an schlagenden Herzen eingesetzt

27.03.2009
Erfolgreicher Einsatz neuer Aortenklappen per Kathetereingriff am Herz-zentrum der Universitätsmedizin Göttingen

Kalkablagerungen in der Aortenklappe (Stenosen) beeinträchtigen die Herzleistung. Das kann dazu führen, dass die Herzklappe ersetzt werden muss.

Bisher blieb den Patienten nur die Möglichkeit, diesen chirurgischen Eingriff am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchführen zu lassen. In enger Zusammenarbeit von Herzchirurgen, Kardiologen, Anästhesisten und Radiologen führt das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen diese Eingriffe seit einigen Monaten minimal-invasiv am schlagenden Herzen durch.

Besonders älteren Menschen mit Aortenklappenstenose kommt diese neue Methode zugute, da sie oft ein erhöhtes Operationsrisiko haben. Mit dieser Methode konnten im Herzzentrum Göttingen bislang bereits 15 Patienten erfolgreich behandelt werden. Das Verfahren hat sich damit als stabil erwiesen.

Das eigene Herz schlägt weiter

Erstmals wurde einem 86-jährigen Mann im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen im Sommer 2008 eine neue Aortenklappe per Katheter implantiert. „Vor der Implantation wird die verkalkte Aortenklappe zunächst mit einem Ballonkatheter geweitet. Anschließend wird die in einem Gitterröhrchen (Stent) aufgehängte und auf einem Ballonkatheter zusammengefaltete Bioprothese kathetergestützt im Herzen platziert“, sagt Priv. Doz. Dr. Ralf Seipelt, leitender Oberarzt der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen.

Mit nur einem fünf Zentimeter langen Hautschnitt im Rippenbereich des linken Brustkorbs wird das Implantat über die Herzspitze an die richtige Stelle im Herzen vorgeschoben, dort wieder aufgefaltet und verankert. Sein Team-Kollege Priv. Doz. Dr. Wolfgang Schillinger, Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Pneumologie ergänzt: „Der Eingriff des ersten Patienten wurde über die Brustwand vorgenommen. Alternativ nehmen wir die neue Methode ohne Schnitt auch über die Leistenarterie vor.“ Welche der beiden Eingriffsarten für den jeweiligen Patienten geeignet ist, klären die Experten in einer intensiven Voruntersuchung.

Für die Patienten hat diese interdisziplinäre Operationstechnik mehrere Vorteile. Sie ist wesentlich schonender und die Operationszeit ist erheblich verkürzt. Der Brustkorb muss nicht mehr eröffnet werden und auch der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist jetzt nicht mehr notwendig. Die neue Herzklappe kann am schlagenden Herzen implantiert werden.

Nach einer kurzen Beobachtungszeit auf der Intensivstation können die Patienten auf die Normalstation verlegt werden und bereits nach wenigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.

Option für Hochrisikopatienten

Die neue Methode ist mittlerweile an der Universitätsmedizin Göttingen erfolgreich in die Routine gegangen. Vorerst werden ausschließlich Patienten behandelt, für die der konventionelle Aortenklappenersatz aufgrund ihres Alters ein hohes Risiko darstellt.

Bleiben die Langzeitresultate dieser neuen Behandlungsmethode auch in den nächsten Jahren positiv, könnte das Verfahren künftig ebenfalls bei Nicht-Risiko-Patienten angewendet werden.

WEITERE INFORMATIONEN

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum Göttingen
Priv. Doz. Dr. Wolfgang Schillinger, Telefon 0551 / 39-8892
wolfgang.schillinger@medizin.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie - Herzzentrum Göttingen
Priv. Doz. Dr. Ralf Seipelt, Telefon 0551 / 39-6005
rseipelt@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise