Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Flüssigwaschmittel können Vergiftungsunfälle bei Kindern verursachen

31.03.2014

Hochkonzentrierte „Liquid Caps“ sind mit Süßigkeiten verwechselbar

Neue attraktiv portionierte Flüssigwaschmittel in Form von sogenannten „Liquid Caps“ können für Kinder ein relevantes Gesundheitsrisiko bergen. Zu diesem Schluss kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach Auswertung von Vergiftungsunfällen im In- und Ausland und Beratung durch seine Kommission „Bewertung von Vergiftungen“.

„Gerade für Kinder sind die bunten, glänzenden, wie große Bonbons aussehende „Liquid Caps“ sehr attraktiv“, sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel. „Um Vergiftungsunfälle zu vermeiden, sollten Eltern immer darauf achten, dass diese Produkte nicht in die Hände von Kindern gelangen können.“ Besonders geöffnete Packungen sind für Kinder anziehend. Das BfR hat den Herstellern empfohlen, die Produkte künftig sicherer zu gestalten. Die Hersteller haben bereits einige Maßnahmen ergriffen.

Liquid Caps sind eine Produktinnovation im Bereich der Waschmittel, auch bekannt als Gel Caps oder Waschmittelkissen. Es handelt sich dabei um hochkonzentrierte Flüssigwaschmittel in einer dünnen Folienummantelung, die sich beim Waschen im Wasser auflöst. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Waschmittel-Caps ein erhöhtes Vergiftungsrisiko bergen.

In Großbritannien, Frankreich und Italien, in denen die Caps schon länger auf dem Markt sind, werden jährlich ca. 400-500 Anfragen zu Vergiftungsunfällen mit „Liquid Caps“ gemeldet. Seit 2012 haben zwei deutsche Giftinformationszentren rund 150 Fälle mit ca. 10 % mittelschweren Gesundheitsbeeinträchtigungen dokumentiert. Damit unterscheiden sich die „Liquid Caps“ in ihrem gesundheitlichen Risiko deutlich von anderen marktüblichen Wasch- und Reinigungsmitteln.

Wenn die „Liquid Caps“ sich in der Reichweite von Kindern befinden, besteht die Gefahr, dass Kinder sie als „Süßigkeiten“ in den Mund nehmen und zerbeißen. Aufgrund der handlichen Größe, der bunten Farbe, der glänzenden Verpackung und der weichen, glatten Oberfläche der „Liquid Caps“ kann eine Verwechselung auch für Erwachsene im hohen Alter, bei bestimmten Erkrankungen oder beginnender Demenz nicht ausgeschlossen werden.

Da die Caps im Vergleich zu anderen Waschmitteln deutlich höhere Konzentrationen an Tensiden enthalten, ist es wahrscheinlich, dass schon von kleinen Mengen gesundheitliche Risiken ausgehen. Wie auch bei anderen Tensiden sind Husten, Übelkeit und Erbrechen deutliche Anzeichen auf gesundheitliche Beeinträchtigungen. Ein Verschlucken von waschaktiven Stoffen in die Lunge (Aspiration) muss dann in jedem Falle ärztlich ausgeschlossen werden.

Auf der Basis der deutschen Fälle und nach den Erfahrungen aus anderen Ländern sieht das BfR bei den „Liquid Caps“ Handlungsbedarf, um gesundheitliche Risiken für den Verbraucher zu vermindern. Das BfR hat die Hersteller aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Produkte in Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für Kinder weniger attraktiv zu gestalten. Inzwischen haben die meisten Produktlinien auf Farben, die auf Kinder besonders anziehend wirken, verzichtet, die Verpackungsverschlüsse verstärkt und Warnhinweise auf den Verpackungen angebracht.

Außerdem prüfen die Hersteller, ob das Folienmaterial mit Bitterstoffen und einer anderen Oberfläche versehen werden kann. Das BfR empfiehlt, diese Planungen zügig umzusetzen und mit weiteren Maßnahmen, wie dunklen, matten Folienoberflächen, zu ergänzen.

Eltern sollten die Packungen nach Gebrauch sofort wieder verschließen, keine Einzelportionen griffbereit auf der Waschmaschine liegen lassen und Nachfüllbehälter nicht in der Reichweite von Kindern aufbewahren. Auch erklärende Gespräche mit Kindern und Betreuungspersonen können helfen, das Vergiftungsrisiko zu vermindern.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Dr. Suzan Fiack | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics