Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zur Lungenembolie

12.06.2014

Internationale Multicenterstudie "PEITHO" unter Leitung des UMG-Herzzentrums: Blutgerinnsel-auflösendes Medikament hilft Lungenembolien zu behandeln. Veröffentlichung im New England Journal of Medicine.

In Deutschland sterben etwa 40.000 Patienten im Jahr an den Folgen einer Lungenembolie. Eine Lungenembolie tritt auf, wenn sich ein Teil eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einer Vene löst, in die Lunge wandert und dort Gefäße verstopft.


Priv.-Doz. Dr. Claudia Dellas, Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivme-dizin der UMG.

Foto: privat

Die häufigste Todesursache bei der Lungenembolie ist ein Versagen der rechten Herzkammer, die wegen einer verstopften Lungenarterie nicht richtig arbeitet. Die Vielzahl unterschiedlicher Symptome sind eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte bei der Diagnosestellung und Einleitung einer passenden Therapie.

Die Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat dazu europaweit die "PEITHO"-Studie (Pulmonary Embolism Thrombolysis Study) initiiert. Sie liefert jetzt neue Erkenntnisse für die Behandlung von Patienten mit einer Lungenembolie. Mit Hilfe des Medikaments Tenekteplase, das Blutgerinnsel auflöst, können Lungenembolien schneller behandelt werden. Die Ergebnisse wurden im April 2014 in der renommierten Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.   

Originalveröffentlichung: Guy Meyer, M.D., Eric Vicaut, M.D., Thierry Danays, M.D., Giancarlo Agnelli, M.D., Cecilia Becattini, M.D., Jan Beyer-Westendorf, M.D., Erich Bluhmki, M.D., Ph.D., Helene Bouvaist, M.D., Benjamin Brenner, M.D., Francis Couturaud, M.D., Ph.D., Claudia Dellas, M.D., Klaus Empen, M.D., Ana Franca, M.D., Nazzareno Galiè, M.D., Annette Geibel, M.D., Samuel Z. Goldhaber, M.D., David Jimenez, M.D., Ph.D., Matija Kozak, M.D., Christian Kupatt, M.D., Nils Kucher, M.D., Irene M. Lang, M.D., Mareike Lankeit, M.D., Nicolas Meneveau, M.D., Ph.D., Gerard Pacouret, M.D., Massimiliano Palazzini, M.D., Antoniu Petris, M.D., Ph.D., Piotr Pruszczyk, M.D., Matteo Rugolotto, M.D., Aldo Salvi, M.D., Sebastian Schellong, M.D., Mustapha Sebbane, M.D., Bozena Sobkowicz, M.D., Branislav S. Stefanovic, M.D., Ph.D., Holger Thiele, M.D., Adam Torbicki, M.D., Franck Verschuren, M.D., Ph.D., and Stavros V. Konstantinides, M.D. : Fibrinolysis for Patients with Intermediate-Risk Pulmonary Embolism. N Engl J Med 2014;370:1402-11. DOI: 10.1056/NEJMoa1302097.

Für die Studie wurden 1.006 Patienten aus 13 europäischen Ländern in 76 Studienzentren untersucht. Getestet wurde in zwei Gruppen. Die eine Gruppe bekam zusätzlich zur üblichen Behandlung mit Heparin das Medikament Tenekteplase. Tenekteplase hat eine Blutgerinnsel-auflösende Wirkung. Die andere Gruppe erhielt zum Heparin zusätzlich ein Placebopräparat. Mit Tenekteplase konnte nach sieben Tagen das Auftreten eines Kreislaufkollapses oder Tod um 56 Prozent gesenkt werden.

Die Ergebnisse der PEITHO-Studie zeigen, dass Patienten mit normalem Blutdruck bei jedoch klinischen Hinweisen für eine eingeschränkte Funktion der rechten Herzkammer von einer schnellen Thrombus-auflösenden Therapie profitieren. Die Wahl des Therapieverfahrens muss deshalb nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den behandelnden Arzt erfolgen.

Denn das schnelle Auflösen des Thrombus hatte seinen Preis: Es kam vermehrt zu Blutungen. Bei zwei Prozent der Patienten in der Tenekteplase-Gruppe traten Hirnblutungen auf. Deshalb ist es wichtig, vor einer thrombolytischen Therapie das Blutungsrisiko des Patienten abzuschätzen. Zukünftige Studien werden deshalb darauf ausgerichtet sein, Patienten mit geringem Blutungsrisiko besser erkennen zu können.

"Die Studienergebnisse tragen dazu bei, Patienten mit einer Lungenembolie gezielter behandeln zu können und die Behandlung an das Risiko des jeweiligen Patienten besser anzupassen", sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

Mit 39 untersuchten Patienten ist Göttingen eines von zehn Zentren, die die meisten Patienten untersucht haben. Verantwortlich für die Studiendurchführung in Göttingen waren Prof. Dr. Stavros Konstantinides (jetzt: Centrum für Thrombose und Hämostase, Universitätsmedizin Mainz) und Priv.-Doz. Dr. Claudia Dellas (Herzzentrum der UMG). Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Französischen Ministerium für Gesundheit gefördert. Die Firma Boehringer Ingelheim hat die Studie finanziell unterstützt und die Studienmedikation zur Verfügung gestellt.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin, Herzzentrum Göttingen
Priv.-Doz. Dr. Claudia Dellas, Telefon 0551 / 39-22550
dellas@med.uni-goettingen.de,
www.herzzentrum-goettingen.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_20617.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie