Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zur Entstehung der Graft-versus-Host-Erkrankung nach Stammzelltransplantation

20.05.2014

Freiburger Forscher veröffentlichen in Nature Medicine

Einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Robert Zeiser, Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg und Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies, ist es erstmals gelungen, die zellulären Mechanismen zu entschlüsseln, die nach einer allogenen Stammzelltransplantation (Spender und Empfänger sind nicht identisch) zum Ausbruch einer unerwünschten Reaktion des Empfänger-Immunsystems, der sogenannten Graft-versus-Host-Erkrankung, führen können.

Die Ergebnisse der Freiburger Arbeitsgruppe von Prof. Zeiser in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Georg Häcker, Ärztlicher Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Freiburg, und Prof. Gerhard C. Hildebrandt, von der University of Utah, USA, wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine publiziert.

Die Forscher konnten zeigen, dass neutrophile Granulozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen wesentlich zur Entstehung der Graft-versus-Host-Reaktion beitragen. Diese Zellen sind verantwortlich für die lokale unspezifische Immunantwort auf Bakterien, Pilze und Parasiten. Die Abwehr von Bakterien, die durch eine undichte Darmbarriere einwandern, verursacht über die Freisetzung von reaktiven Sauerstoffverbindungen eine lokale Gewebeschädigung. Dadurch werden verstärkt T-Zellen des Spenders aktiviert, welche die eigentliche Graft-versus-Host-Erkrankung auslösen.

„Diese neuen Erkenntnisse über die Rolle der neutrophilen Granulozyten bei der Graft-versus-Host-Erkrankung geben uns wertvolle Hinweise, wo wir in der Therapie ansetzen können“, so Prof. Dr. Justus Duyster, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg.

Bei einer allogenen Stammzelltransplantation werden Patienten mit Leukämie- oder Lymphomer-krankungen blutbildende Stammzellen eines Familien- oder Fremd-Spenders transplantiert. Im Gegensatz zur Transplantation von Organen, bei der die körpereigene Immunabwehr des Trans-plantat-Empfängers das fremde Gewebe angreift, wendet sich bei der Graft-versus-Host-Erkrankung das Transplantat gegen den Empfängers. Die transplantierten Knochenmarkzellen des Spenders bilden nach der Stammzelltransplantation T-Zellen, eine Untergruppe von weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die verschiedene Gewebe des Empfängers, insbesondere Haut-, Leber- und Darmgewebe, angreifen. Dies schränkt die Behandlungsmöglichkeiten gerade bei geschwächten oder älteren Patienten mit akuten Leukämien ein. Die Graft-versus-Host-Erkrankung ist bisher schwierig zu behandeln. Prophylaktisch werden den Patienten nach der Transplantation immunsuppressive Medikamente verabreicht.

Titel der Originalveröffentlichung: Neutrophil granulocytes recruited upon translocation of intestinal bacteria enhance graft-versus-host disease via tissue damage

doi: 10.1038/nm.3517

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Zeiser
Oberarzt
Klinik für Innere Medizin I
Telefon: 0761 270-36250
robert.zeiser@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.3517.html

Benjamin Waschow | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie