Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über den zellulären Ursprung und die Entstehung der Chronischen Lymphatischen Leukämie

06.11.2012
Forscher am Universitätsklinikum Essen sind dem Ursprung einer besonders weit verbreiteten Krebserkrankung auf der Spur: der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL). Von den Ergebnissen der Forschung erhoffen sich die Wissenschaftler auch neue Ansatzpunkte für die Entwicklung einer zielgerichteten Therapie dieser momentan noch unheilbaren Krebserkrankung.

Für das Verständnis der Mechanismen und Wege, die zur Entstehung einer Krebserkrankung führen, ist es entscheidend, den zellulären Ursprung der Tumorzellen aufzuklären. Denn nur der Vergleich der Krebszellen mit ihren gesunden Ursprungszellen erlaubt ein präzises und umfassendes Bild von den Veränderungen in den Tumorzellen und ihren malignen Eigenschaften.

In Bezug auf die Chronische Lymphatische Leukämie (CLL), einer der häufigsten Krebserkrankungen des Immunsystems, war die zelluläre Herkunft bislang ungeklärt. Hier standen verschiedene Untergruppen von B-Lymphozyten als möglicher Ursprung der CLL im Verdacht.

In der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Ralf Küppers am Institut für Zellbiologie (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen konnte in enger Kooperation mit der Klinik für Hämatologie mit Hilfe von sogenannten Transkriptom-Analysen normaler menschlicher B-Zell-Sub-Populationen und CLL-Zellen eine hohe Ähnlichkeit der Leukämie zu besonderen und seltenen B-Zellen aus dem Blut nachgewiesen werden (Abbildung 1). Diese B-Zellen zeichnen sich durch die Expression des Oberflächenmoleküls CD5 aus, weisen einen ruhenden, immunologisch inaktiven Phänotyp auf und unterscheiden sich von „konventionellen“ B-Zellen durch spezielle Gen-Ausprägungsmuster.
Im Rahmen der Untersuchungen wurde eine neue Subpopulation der CD5-positiven B-Zellen identifiziert, die vermutlich der spezifische Ursprung von einer klinisch relativ gut verlaufenden Untergruppe der CLL (der „mutierten“ CLL) ist. Die Herkunft der CLL von CD5-positiven B-Zellen wurde dadurch untermauert, dass unter CD5-positiven B-Zellen bevorzugt best. Antikörper-Genumlagerungen gefunden wurden, wie sie typisch für CLL sind, sogenannte stereotype B-Zell-Rezeptoren.

Der Vergleich der Genexpression der reifen CD5-positiven B-Zellen zu CLL-Zellen gewährt spannende neue Einblicke in die Entstehung der CLL, da zahlreiche Gene als unterschiedlich reguliert identifiziert wurden, die in bisherigen Analysen übersehen wurden. Durch das so verbesserte Verständnis der gestörten Gen-Ausprägung und veränderter Aktivitäten von Signalwegen und Prozessen des Zelltodes und der Zellproliferation in der CLL erhoffen sich die Wissenschaftler auch neue Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Therapie dieser momentan noch unheilbaren Krebserkrankung.

Die Untersuchungsergebnisse der Arbeitsgruppe wurden nun erstmals im renommierten Journal of Experimental Medcine veröffentlicht.

Seifert M, Sellmann L, Bloehdorn J, Wein F, Stilgenbauer S, Dürig J, Küppers R. Cellular origin and pathophysiology of chronic lymphocytic leukemia. Jour-nal of Experimental Medcine [Epub ahead of print]

Gerne stellen wir Ihnen eine Abbildung folgenden Inhalts zum Abdruck zur Verfügung:

Anhand der Gen-Ausprägungsmuster (rote und grüne Felder) kann in diesem Abstammungsbaum die Ähnlichkeit oder Verwandtschaft von verschiedenen Zelltypen bestimmt werden. Im Bild erkennt man eine Ähnlichkeit der CLL (mCLL und uCLL) zu CD5+ B-Zellen im Vergleich zu anderen B-Zell-Subtypen wie: naive, klassengewechselte (class switched), aber auch IgM-ausprägende und Marginalzonen- (sMGZ) B-Zellen.

Pressekontakt: Universitätsklinikum Essen, Hufelandstraße 55, 45147 Essen Burkhard Büscher, Pressesprecher Tel. 02 01 / 723-2115, burkhard.buescher@uk-essen.de und Kristina Gronwald, stellv. Pressesprecherin Tel. 02 01 / 723-3683, kristina.gronwald@uk-essen.de.

Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist das Universitätsklinikum Essen heute das Klinikum der Metropole Ruhr. Im vergangenen Jahr wurden 48.679 Patienten in den rund 1.300 Betten stationär und 163.149 Patienten ambulant behandelt – Tendenz weiter steigend. 5.590 Experten der unterschiedlichsten Disziplinen in 26 Kliniken und 20 Instituten sind der Garant für eine exzellente und interdisziplinär angelegte Diagnostik und Therapie auf dem neuestem Stand der Forschung. Der Dreiklang aus Forschen, Lehren und Krankenversorgung bildet die übergreifende Klammer sämtlichen Wirkens am Universitätsklinikum Essen – im Mittelpunkt steht dabei stets der Mensch. Neben den Forschungsgebieten Genetische Medizin, Immunologie und Infektiologie konzentriert sich das Universitätsklinikum Essen seit Jahren erfolgreich auf die drei Schwerpunkte Onkologie, Herz-Kreislauf und Transplantation.

Mit dem Westdeutsche Tumorzentrum Essen, Deutschlands größtem Tumorzentrum, dem Westdeutschen Herzzentrum Essen, in dem jährlich mehr als 2.000 Operationen durchgeführt werden, und dem international führenden Zentrum für Transplantation, in welchem mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe transplantiert werden, verfügt das Universitätsklinikum Essen über eine herausragende Aufstellung.

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie