Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse in der Behandlung schwerer Herzinfarkte

01.11.2012
Bundesweite Studie überrascht selbst Herzspezialisten

Der Einsatz einer EKG-gesteuerten Ballonpumpe in der Hauptschlagader (intraaortal) bei Herzinfarkt ist nicht wirkungsvoller als die Standardtherapie.

Das hat eine Studie ergeben, an der Kardiologen der Greifswalder Universitätsmedizin und 36 weitere deutsche kardiologische Zentren mitgewirkt haben.

Die Ergebnisse, die in ihrer Eindeutigkeit selbst Kardiologen überrascht hat, wurden Anfang Oktober (online bereits ab August) in der international renommierten Fachschrift The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDICINE* veröffentlicht.

„Herzinfarkte können wie viele andere Erkrankungen unterschiedlich schwere Verlaufsformen haben.

Trotz wesentlicher Fortschritte in der Versorgung des akuten Herzinfarktes, wie zum Beispiel die akute Eröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels Kathetermethoden, ist bei der besonders schweren Verlaufsform des Herzinfarktes, dem Herz-Kreislaufschock, die Prognose der betroffenen Patienten auch heute noch sehr schlecht“, erläuterte Prof. Dr. Stephan Felix (Foto), Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B an der Universitätsmedizin Greifswald.

Seit über 40 Jahren steht mit dem Einsatz der so genannten intraaortalen Ballonpumpe ein Verfahren zur Verfügung, das die Blutversorgung von Herz und Gehirn im Herz-Kreislaufschock verbessern kann. Die Ballonpumpe wird über die Blutbahn in die Hauptschlagader eingesetzt und verbleibt dort. Millionenfach vertrauten Ärzte weltweit auf die lebensrettende Wirkung des Verfahrens. Ob jedoch dieses sehr invasive Verfahren mehr Nutzen als Schaden bringen würde, war bislang nicht ausreichend untersucht worden.

Intensivmedizinische Standardbehandlung genauso effektiv wie Ballonverfahren
Die Greifswalder Oberärzte in der interventionellen Kardiologie (Dr. Klaus Empen, Prof. Thorsten Reffelmann, Dr. Astrid Hummel und Dr. Mathias Busch) nahmen zusammen mit den Oberärzten der internistischen Intensivstation (Dr. Peter Abel, Dr. Sigrun Friesecke) deshalb an einer multizentrischen bundesweiten Untersuchung (IABP SHOCK) teil.

600 Patienten mit einem Herz-Kreislaufschock infolge eines Herzinfarktes, die entweder mit einer Ballonpumpe oder konventionell ohne Ballonpumpe behandelt wurden, kamen nach dem Zufallsprinzip in die beiden Bewertungsgruppen. Neben einer Vielzahl an intensivmedizinischen Maßnahmen beim Herzinfarkt ist die Öffnung der verschlossenen Herzkranzgefäße mittels Katheter, der wieder entfernt wird, Bestandteil der Standardbehandlung.

„Im Ergebnis wurde deutlich, dass der Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe im Vergleich zur intensivmedizinischen Standardbehandlung ohne Ballonpumpe keinen Überlebensvorteil für die Patienten bietet. Die Zahl der nach 30 Tagen verstorbenen Patienten war mit etwa 40 Prozent in beiden Behandlungsgruppen gleich hoch“, so Felix. Allerdings konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass die intraaortale Ballonpumpe zu relevanten Komplikationen führt.

„Somit hat die intraaortale Ballonpumpe bei der Behandlung des akuten Herzinfarktes mit Schocksymptomatik an Bedeutung verloren, obwohl sie bislang als Behandlungsstrategie international empfohlen worden ist“, sagte Felix. „Angesichts der hohen Sterblichkeit der Patienten besteht also auch künftig erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Behandlung der betroffenen Patienten“, kommentierte der Kardiologe die Studienergebnisse. „Wir müssen die Herzforschung fortsetzen und alternative Maßnahmen zur Kreislaufunterstützung bei Patienten mit Herz-Kreislaufschock im Rahmen klinischer Untersuchungen untersuchen.“

Der Klinikdirektor betonte, dass die Greifswalder Wissenschaftler mit der Teilnahme an dieser Studie wesentlich zum Nachweis der Wirksamkeit eines invasiven Behandlungsverfahrens in der Kardiologie beigetragen haben. „Greifswald hat im Bundesvergleich besonders viele Patienten mit Herz-Kreislaufschock für diese Untersuchung bewertet. Dermaßen aufwändige Studien können nur gemeinsam im Team erbracht werden.“ Die Klinik für Innere Medizin B gehört seit 2010 zum Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

*The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDICINE
Original Article Intraaortic Balloon Support for Myocardial Infarction with Cardiogenic Shock
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1208410
N Engl J Med 2012; 367:1287-1296 October 4, 2012
DOI: 10.1056/NEJMoa1208410
Universitätsmedizin Greifswald
Zentrum für Innere Medizin
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B
Neubau, Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
Direktor: Prof. Dr. Stephan Felix
T +49 3834 86-80 500
E InnereB@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten