Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Empfehlung zur Begutachtung asbestbedingter Berufskrankheiten

03.05.2011
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben eine neue Empfehlung zur Begutachtung asbestbedingter Berufskrankheiten veröffentlicht. Die "Falkensteiner Empfehlung" fasst medizinische und rechtliche Grundlagen zusammen.

Aufgrund der "Falkensteiner Empfehlung" können medizinische Gutachter nun besser und einheitlicher als bisher beurteilen, ob eine Erkrankung durch den beruflichen Kontakt mit Asbest entstanden ist. An der Erarbeitung der Empfehlung waren neun medizinische Fachgesellschaften beteiligt. Die Empfehlung wird unter www.dguv.de veröffentlicht.

Asbest fordert auch noch knapp zwei Jahrzehnte nach dem endgültigen Verwendungsverbot jährlich hunderte Todesopfer. Über 3.000 Menschen erkranken jedes Jahr an einer der vier asbestbedingten Berufskrankheiten: Asbestose oder asbeststaubverursachte Erkrankungen der Pleura (BK-Nr. 4103), asbestbedingter Lungen- oder Kehlkopfkrebs (BK-Nr. 4104), Mesotheliom des Rippenfells, Bauchfells und Herzbeutels (BK-Nr. 4105) und Lungenkrebs nach Einwirkung von Asbest und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (BK-Nr. 4114). Auf die asbestbedingten Berufskrankheiten entfallen rund 14 Prozent aller Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit und rund ein Viertel der anerkannten Berufskrankheiten. Für die gesetzliche Unfallversicherung haben sie damit eine große Bedeutung.

"Mit der Falkensteiner Empfehlung schlagen wir ein neues Kapitel bei der Begutachtung und Anerkennung asbestbestbedingter Berufskrankheiten auf", sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). "Wir haben damit erstmals einheitliche Kriterien für die Frage, in welchen Fällen der berufliche Kontakt mit Asbest krank gemacht hat. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen können damit künftig besser und nachvollziehbarer Entscheidungen bei Asbest-Berufskrankheiten treffen." Für die Gleichbehandlung der Versicherten sei dies ein wichtiger Fortschritt.

Ein wesentlicher Aspekt, der sich aus der Empfehlung ergibt, sei die nunmehr einheitliche Definition der verschiedenen Grade der Asbestose. "Die Empfehlung stellt außerdem klar, dass ein Versicherter eine Asbestose Grad I hat, wenn das Lungengewebe unter dem Mikroskop entsprechende Veränderungen plus Asbest aufweist", so Breuer. Selbst wenn auf dem Röntgenbild also nichts zu sehen sei, könne dennoch eine Asbestose vorliegen.

Des Weiteren enthält die Empfehlung Hinweise zur Diagnostik der Erkrankungsfolgen, zu Untersuchungsumfang und -abständen, zur Beurteilung, ob eine gesundheitliche Beeinträchtigung Folge der Erkrankung ist, zur Prävention und Rehabilitation. Tabellen helfen dem Gutachter dabei, den Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit einzuschätzen. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit ist die Basis für die Zahlung und Berechnung der Berufskrankheiten-Rente.

Die Falkensteiner Empfehlung wird in den kommenden Monaten im Rahmen von Informationsveranstaltungen vorgestellt werden. Auch die jeweiligen medizinischen Fachgesellschaften sind in der Fortbildung der Ärzte und Gutachter aktiv.

Hintergrund: So entstehen Empfehlungen zur Begutachtung

Begutachtungsempfehlungen haben für die Begutachtung von Berufskrankheiten eine wichtige Funktion. Sie fassen für den Gutachter und die Verwaltung den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu Diagnose, Verursachung sowie Prävention, Rehabilitation und Entschädigung berufsbedingter Erkrankungen zusammen. Vertreter der medizinischen Fachgesellschaften und der gesetzlichen Unfallversicherung erarbeiten den Text der Empfehlung im Konsens. Arbeitgeber- und Versichertenvertreter in der Selbstverwaltung erhalten die Empfehlung zur Kenntnis. Die Veröffentlichung erfolgt, nachdem die Empfehlung mit Ärzten, Wissenschaftlern, Betroffenen, Richtern, Anwälten und Sozialpartnern diskutiert worden ist.

An der Erarbeitung der Falkensteiner Empfehlung waren folgende medizinische Fachgesellschaften beteiligt:
- Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM)
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP)
- Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO)
- Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)
- Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP)
- Bundesverband der Pneumologen (BdP)
- Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte (VDSG)
- Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO)
Die Falkensteiner Empfehlung entstand nahezu zeitgleich mit der S2-Leitlinie "Diagnostik und Begutachtung asbestbedingter Berufskrankheiten", die bereits veröffentlicht wurde. Die S2-Leitlinie wird von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften publiziert. Sie wendet sich primär an Ärzte und ist hinsichtlich der medizinischen Aussagen identisch.
Pressekontakt:
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Pressestelle
Stefan Boltz
Tel.: 030 288763768
Fax: 030 288763771
E-Mail: presse@dguv.de

Stefan Boltz | idw
Weitere Informationen:
http://www.dguv.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie