Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der RUB: Neuronale Grundlagen der Handlungskontrolle

16.01.2012
Wie das Gehirn gleichzeitig Eis isst und Fahrrad fährt
Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der RUB
Biopsychologen untersuchen neuronale Grundlagen der Handlungskontrolle

Eis essen beim Fahrradfahren oder das Auto lenken und gleichzeitig den Radiosender wechseln: Menschen sind Experten darin, mehrere Handlungen auf einmal zu koordinieren. Wie das Gehirn dieses „Multitasking“ bewerkstelligt, untersuchen Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität um Dr. Christian Beste in der Arbeitseinheit Biopsychologie.

Ab März 2012 richten sie die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Neuronale Mechanismen der Handlungskontrolle“ ein, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 1 Mio. Euro für zunächst vier Jahre fördert. Die Wissenschaftler erforschen, wie sich Krankheiten, z.B. Morbus Parkinson, auf die Kontrolle von Handlungen auswirken und welche genetischen Unterschiede es zwischen Personen mit verschiedenen „Multitasking“-Fähigkeiten gibt.

Rolle der Hirnstrukturen ermitteln

„In jedem Augenblick stehen uns Hunderte von alternativen Handlungen zur Verfügung“, erklärt Beste. „Wir können nahezu anstrengungslos zwischen ihnen auswählen – nur wie wir das schaffen, ist nicht klar.“ Die vorherrschende Meinung ist, dass hauptsächlich die Großhirnrinde für die Koordination verschiedener Handlungen verantwortlich ist. Aber auch die tief im Gehirn liegenden Basalganglien sind wichtig für die Auswahl von Reaktionen. „Unser Ziel ist es, die Relevanz der Basalganglien-Prozesse für das ‚Multitasking‘ zu bestimmen und mögliche Interaktionen mit anderen Gehirnstrukturen aufzuklären“, sagt Beste.

„Multitasking“ bei Parkinson-Patienten

Die Basalganglien sind die Hirnregion, die am stärksten von der Parkinsonschen Krankheit betroffen ist. Beste Team untersucht, wie sich Handlungskontrolle und „Multitasking“ im Verlauf der Krankheit verändern. Die Wissenschaftler analysieren auch die Effekte verschiedener Behandlungsmethoden, zum Beispiel tiefe Hirnstimulation oder Medikamentengabe.

Genetik, EEG, Kernspin und Computersimulationen

Menschen sind unterschiedlich gut im „Multitasking“. Mit Elektroenzephalographie (EEG) und Kernspintomographie wollen die Bochumer Forscher herausfinden, ob sich diese interindividuellen Unterschiede in der Hirnaktivität wiederfinden lassen. Auf genetischer Ebene führen sie eine ähnliche Analyse durch. In Kooperation mit Kollegen aus Sheffield, Paris und Chemnitz plant das Forscherteam im letzten Schritt, die Daten von gesunden und erkrankten Probanden mit Computersimulationen zu testen. Die Computermodelle enthalten Parameter wie die Menge bestimmter Rezeptoren und Botenstoffe oder die Anzahl von Nervenzellen eines speziellen Typs. Mit ihnen können die Forscher berechnen, welche Veränderungen auf Zellebene den gemessenen EEG- und Kernspin-Daten höchstwahrscheinlich zu Grunde liegen. „Daraus werden sich dann wieder neue Hypothesen für weitere Studien ergeben“, sagt Beste.

Weitere Informationen

Dr. Christian Beste, Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-24630

christian.beste@rub.de

Angeklickt

Biopsychologie an der RUB
http://www.bio.psy.ruhr-uni-bochum.de/
Emmy Noether-Programm der DFG
http://www.dfg.de/foerderung/programme/einzelfoerderung/emmy_noether/
Redaktion
Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bio.psy.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gentherapie für seltene Bluterkrankung
18.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Carmenes“ findet ersten Planeten

18.12.2017 | Physik Astronomie

Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

18.12.2017 | Physik Astronomie

Konsortium erhält 2 Millionen Euro Förderung für neue MR-kompatible elektrophysiologis

18.12.2017 | Medizintechnik