Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Diagnose für Nervenschäden durch Diabetes: Augenhornhaut als Spiegel für Krankheitsverlauf

30.11.2010
Mehr als die Hälfte aller Diabetiker entwickelt eine Nervenschädigung – die diabetische Neuropathie. Sie beeinträchtigt die Sinneswahrnehmung und die Funktion von Organen.

Künftig könnte eine mikroskopische Analyse der Augenhornhaut die Früherkennung von krankhaften Veränderungen ermöglichen und Betroffene vor schweren Nervenschäden bewahren, so die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

DOG-Experten an der Universitätsaugenklinik Rostock entwickeln derzeit eine Methode, die mithilfe digitaler Bildverarbeitung der konfokalmikroskopischen Bilder erste Anzeichen einer Neuropathie erkennt. Damit ließe sich zukünftig die aktuelle Situation des Patienten zuverlässig und ohne operativen Eingriff ermitteln.

Die Arbeitsgruppe unter Professor Dr. med. Rudolf Guthoff fand in ihren Untersuchungen heraus, dass sich der Verlauf der diabetischen Neuropathie im Nervengeflecht der Augenhornhaut widerspiegelt. Auch die diabetische Retinopathie, eine Schädigung der Netzhaut, korreliert mit der diabetischen Neuropathie. „Anhand von Veränderungen der Nerven¬fasernlänge und -dichte, der Anzahl der Nervenverzweigungen und dem Grad der Nervenwindungen in der Hornhaut können wir strukturelle Veränderungen des peripheren Nervensystems – also außerhalb von Gehirn und Knochenmark – erkennen“, erläutert Professor Dr. med. Rudolf Guthoff, Leiter der Sektion „DOG-Ophthalmoplastische und rekonstruktive Chirurgie“ (SORC).

Die Experten arbeiten derzeit an einer nicht-operativen diagnostischen Methode, die bereits kleinste Veränderungen des peripheren Nervensystems über die Hornhaut des Auges wahrnimmt: Mittels digitaler Bildverarbeitung erkennen sie qualitative und quantitative Veränderungen neuropathiebedingter Verformungen der Hornhaut. „Künftig könnten wir mit diesen Erkenntnissen eine sehr zuverlässige Diagnose stellen“, sagt DOG-Gesamtpräsidiumsmitglied Guthoff. Krankheitsverlauf, bisherige Schäden und Stadium können identifiziert und ein Fortschreiten der Krankheit kann vorgebeugt werden. „Wir haben sozusagen das optische Fenster zum peripheren Nervensystem erblickt und werden eine weitaus bessere Datenlage als jemals zuvor haben“, hofft der Experte.

Hauptursache für eine diabetische Neuropathie sind langfristig erhöhte Blutzuckerwerte. Die Nervenschäden setzten bereits ein, bevor die ersten Beschwerden auftreten. Den schleichenden Prozess der Nervenerkrankung bemerken Betroffene häufig nicht. Bereits eingetretene Schäden lassen sich jedoch nicht mehr rückgängig machen. „An dieser Stelle ist es besonders wichtig, frühdiagnostische Maßnahmen zu ergreifen, um den Patienten eine lange Leidensgeschichte zu ersparen. Daher nimmt die aktuelle Studie einen besonderen Stellenwert in der Verbesserung der Lebensqualität betroffener Menschen ein,“ bilanziert Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG. Besonders von einer Neuropathie betroffen sind Tastsinn und die Bewegungsfähigkeit. Oft geraten ganze Körperpartien gleichzeitig in Mitleidenschaft, wie beispielsweise Beine, Rumpf oder auch innere Organe. Kribbeln, Missempfindungen bis hin zu Taubheit sind die Folgen.

Quelle:
Zhivov A, Blum M, Guthoff R, Stachs O. Real-time mapping of the subepithelial nerve plexus by in vivo confocal laser scanning microscopy. Br J Ophthalmol. 2010 Sep;94(9):1133-5.

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.900 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie