Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Fettleibigkeit

10.11.2008
Fettsucht entwickelt sich zu einer weltweiten Epidemie mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen wie Diabetes, Bluthochdruck und Krebs. Forscher vom Biozentrum der Universität Basel haben einen Proteinkomplex entdeckt, der die Anhäufung von Fett kontrolliert.

Damit könnten neue Strategien zur Behandlung von Fettleibigkeit entwickelt werden. Die Forschungsresultate sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Cell Metabolism" veröffentlicht.

Adipositas oder Fettleibigkeit betrifft eine wachsende Anzahl von Menschen weltweit. Die Gründe in den Industrieländern sind bekannt: ein Überangebot an kalorienreicher Nahrung, mangelnde körperliche Bewegung und fehlende Zeit, um sich gesund zu ernähren. Für die Entwicklungsländer werden Zeit- und Geldmangel und damit verbunden schlechte Essgewohnheiten als Gründe für die steigende Anzahl Fettsüchtiger genannt.

Fettleibigkeit lässt sich allerdings nicht einfach auf ein Missverhältnis von Nahrungsaufnahme und körperliche Bewegung reduzieren. So kann die Gewichtszunahme trotz eines ähnlichen Lebensstils von Mensch zu Mensch enorm variieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der unser Stoffwechsel Energie verbraucht. Entscheidend für die Geschwindigkeit des Energieverbrauches sind genetische Faktoren, die bis jetzt weitgehend unbekannt waren.

Fehlendes Protein bewirkt erhöhte Energieverbrennung

In einer neuen Studie hat die Forschungsgruppe um Professor Michael Hall und Pazit Polak, Doktorandin am Biozentrum, die Funktion eines Proteins namens "raptor" untersucht. Dieses Protein ist ein grundlegender Bestandteil des Multiproteinkomplexes TORC1, dem schon früher eine Rolle in der Regulation des Stoffwechsels zugeschrieben wurde. Die Wissenschaftler konnten anhand von Mausmodellen, denen das "raptor"-Gen fehlte, zeigen, dass diese Tiere weniger Fettgewebe hatten. Im Gegensatz zu normalen Mäusen blieben sie auch dann noch schlank, wenn sie auf eine speziell fetthaltige Diät gesetzt wurden. Darüber hinaus waren ihre Insulin- und Cholesterinwerte besser, und die Tiere gesünder. Obwohl sie vergleichbare Mengen an fetthaltiger Nahrung zu sich nahmen und sich weniger bewegten, waren die Mäuse ohne das "raptor"- Gen schlanker. Hall und Polak fanden heraus, dass das Fehlen von "raptor" die Grundenergieverbrennung erhöht und die Fettzellen dadurch das Fett verbrannten, anstatt es zu speichern.

Neue Perspektiven in der Behandlung von Fettleibigkeit

Für die Energieproduktion in den Zellen sind normalerweise die Mitochondrien zuständig. Diese winzig kleinen Energiekraftwerke der Zelle wandeln Zucker und Fette in ATP, dem Grundenergiestoff einer Zelle, um. Die Basler Forscher konnten nachweisen, dass TORC1 an der Regulierung der mitochondrialen Funktion beteiligt ist. Diese verändert sich, wenn der TORC1 Komplex aufgrund eines fehlenden "raptor"-Proteins defekt ist: Die Mitochondrien können nicht mehr so effizient Energie produzieren, sie müssen deshalb härter arbeiten und verbrauchen mehr "Kraftstoff", um genügend Energie für die Zelle zu produzieren. Konkret bedeutet das, dass die Mäuse ohne ein "raptor"-Gen normal essen können, weniger Bewegung brauchen und trotzdem schlanker und gesünder sind als normale Mäuse. Die aktuellen Forschungsresultate aus dem Biozentrum der Universität Basel eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von Adipositas. Die Studie lässt den Rückschluss zu, dass TORC1 im Fettgewebe ein sehr effizienter Angriffspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Fettleibigkeit sein könnte.

Originalbeitrag
Polak et al.: Adipose-Specific Knockout of raptor Results in Lean Mice with Enhanced Mitochondrial Respiration, Cell Metabolism (2008), DOI: 10.1016/j.cmet.2008.09.003
Weitere Auskünfte
Prof. Michael N. Hall, Abteilung Biochemie, Departement Biozentrum, Universität Basel, Klingelbergstrasse 50/70, CH-4056 Basel, Tel. +41 61 267 21 50, E-Mail: m.hall@unibas.ch

Hans Syfrig | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise