Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ansätze zur Behandlung bösartiger Hirntumore

25.09.2013
Glioblastome sind die bösartigsten Hirntumore bei Erwachsenen. Trotz verbesserter Chirurgie und einer Kombination von Medikamenten und Bestrahlung sind die Heilungschancen sehr gering.

Ein Grund ist das starke und in seinen Grenzen klinisch nicht zu bestimmende Wandern der Glioblastomzellen in das gesunde Hirngewebe. Ein Forscherteam um Professor Nils Cordes an der Technischen Universität Dresden möchte neue Schlüsselregulatoren der Wanderung von Glioblastomzellen identifizieren und diese gezielt ausschalten.

Glioblastomzellen sind nicht nur äußerst widerstandsfähig gegen herkömmliche Krebstherapien, sie besitzen auch eine ausgeprägte Tendenz zu wandern. Alleine oder in Gruppen dringen die Glioblastomzellen in das normale Hirngewebe um den bösartigen Tumor herum ein, wodurch massiv das gesunde Gehirn geschädigt wird. Durch das Wandern entkommen die Glioblastomzellen dem Messer des Chirurgen und es bleiben Tumorreste im Hirn zurück. Eine Therapie bestehend aus ionisierenden Strahlen und Zytostatika, die das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung hemmen, muss in diesen Fällen angeschlossen werden.

Zurzeit weiß man wenig über das Wanderungsverhalten und dessen Mechanismen bei Krebszellen, ein Umstand, den die Dresdner Wissenschaftler insbesondere bei diesen sehr böswilligen Hirntumoren ändern wollen. Professor Nils Cordes und sein Team konnten in Vorarbeiten demonstrieren, dass Strahlentherapie Glioblastomzellen abtötet und gleichzeitig ihr Wanderungspotenzial unverändert blieb.

In einer großen Testreihe an wandernden Glioblastomzellen entdeckten die Forscher mehrere Eiweiße, deren Hemmung die Zellbewegung stoppte und parallel den Erfolg der Strahlentherapie erhöhte. In dreidimensionalen Zellkulturexperimenten, welche durch die Forscher extra hierfür entwickelt wurden, da sie den Wachstumsbedingungen im Gehirn sehr nahe kommen, wurden neben „c-Jun N-terminale Kinase 1“ noch weitere Regler der Zellwanderung entdeckt. In den genannten 3D-Zellkulturmodellen sowie im Mausmodell sollen nun weitere Untersuchungen folgen, die grundlegende Einblicke in die Zellwanderung von Glioblastomen liefern und den Nutzen einer therapeutischen Blockade der „c-Jun N-terminale Kinase 1“ und möglicher Partnerproteine aufzeigen.

Sollten die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine therapeutische Hemmung eines dieser wichtigen Proteine die zerstörende Einwanderung von Glioblastomzellen verhindert und gleichzeitig die Wirksamkeit der Strahlen- und Chemotherapie verbessert, bietet dies die Grundlage für eine neue Behandlungsmethode.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 120.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. habil. Nils Cordes, TU Dresden, Medizinische Fakultät CGC
Telefon: +49(0)351 458-7401, E-Mail: Nils.Cordes@OncoRay.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie