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Neuartiger Biochip soll Darmkrebs früher erkennen

09.10.2008
Forschungskonsortium aus Lübeck, Jena, Heidelberg und der Industrie

Die Universität zu Lübeck, das Universitätsklinikum Jena und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg arbeiten gemeinsam mit Randox Laboratories GmbH an einer neuen Methode zur Früherkennung des Darmkrebses.

Ein Biochip soll auf der Basis von zwölf Tumormarkern im Blut eine effiziente Ergänzung zu anderen Früherkennungsmaßnahmen wie beispielsweise der Darmspiegelung sein. Der Einsatz einer solch wirksamen Screening-Methode kann sowohl die Mortalität durch Darmkrebs als auch die Häufigkeit des Darmkarzinoms in der Bevölkerung senken und ist daher ein wichtiges Instrument im Kampf gegen das kolorektale Karzinom.

Der Dickdarmkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich werden 70.000 neue Fälle diagnostiziert. Trotz der zur Verfügung stehenden Screening-Verfahren wie der Untersuchung von okkultem Blut im Stuhl (FOB Test) oder der Spiegelung des Darms haben rund 70 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium erreicht.

Wichtig ist die Erkennung von Darmkrebs im Frühstadium deshalb, weil die Heilungschancen trotz der Anwendung von Operationen (Chirurgie), Strahlentherapie, Chemotherapie und humanen Antikörpern mit fortgeschrittenem Krankheitsstadium stark sinken. Für die Früherkennung eignet sich die Koloskopie in besonderem Maße, weil sie gleichzeitig die Möglichkeit bietet, Gewebeproben zu entnehmen oder Polypen direkt während des Eingriffs zu entfernen. Die Koloskopie erfordert allerdings eine Darmvorreinigung und ist als invasives Verfahren mit Risiken behaftet. Der FOB-Test als nicht-invasiver Test auf verdecktes Blut im Stuhl hingegen gilt als relativ unspezifisch.

Ideal wäre daher ein weniger aufwändiges, nicht-invasives, aber sehr zuverlässiges alternatives Screening-Verfahren. Die Wissenschaftler der vier Forschungs-institutionen entwickeln daher ein Screening-Verfahren, welches auf der Messung von zwölf spezifischen Tumormarkern im Blut mittels eines Biochips basiert. In einer Studie soll der neuartige Biochip entwickelt, erprobt und validiert werden, um eine weitere und sichere Alternative zu den bereits eingesetzten Verfahren in der Diagnostik und Vorsorge des Darmkrebses zu bieten. Das gemeinschaftliche Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,47 Millionen Euro über drei Jahre gefördert.

Mit diesem Projekt rundet die Lübecker Klinik für Chirurgie (Direktor: Prof. Dr. Hans-Peter Bruch) als Kompetenz- und Referenzzentrum für Koloproktologie ihre Forschungsausrichtung zum kolorektalen Karzinom ab. Die Projektkoordination liegt bei Dr. Dr. Jens K. Habermann, Leiter des Chirurgischen Forschungslabors an der Klinik für Chirurgie. Die Mitarbeiter des Projektes am Campus Lübeck sind Dr. Dr. Uwe J. Roblick, Dr. Britta Fritzsche, Dr. Elisabeth Oevermann, Dipl.-Biol. Stefanie Bünger, M.Sc. Timo Gemoll und Katja Klempt-Gießing.

Über die Universität zu Lübeck: Die Universität mit ihrem Labor für Chirurgische Forschung (Leitung: Dr. Dr. Jens K. Habermann) ist verantwortlich für die Koordinierung der Studie, die klinische Validierung der Früherkennungsmethode und für den Transfer der Biochip-Untersuchung in die klinische Praxis. Die Universität zu Lübeck wurde als Medizinische Akademie im Jahre 1964 gegründet und zeichnet sich durch hervorragende translationale Krebsforschung und akademische Lehre aus.

Über das Universitätsklinikum Jena in der Friedrich Schiller Universität (FSU): Das Universitätsklinikum Jena mit der Abteilung Core Unit Chip Application (CUCA, Leitung: Priv. Doz. Dr. Ferdinand von Eggeling) ist für die klinische Validierung der Früherkennungsmethode und für den Transfer der Biochip-Untersuchung in die klinische Praxis zuständig. Die Friedrich Schiller Universität befindet sich in der Universitätsstadt Jena in Thüringen. Jena ist "Stadt der Wissenschaft 2008" und die FSU Jena feiert in diesem Jahr ihren 450. Geburtstag.

Über das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg: Das Zentrum mit seiner Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung (Leitung: Prof. Dr. Hermann Brenner) ist verantwortlich für die Bereitstellung von klinischen Proben und Daten aus einer großen Anzahl an erfassten Personen, sowie für die statistische Bewertung und Validierung der Biochip-Untersuchung. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg beschäftigt sich mit der systematischen Untersuchung der Mechanismen der Krebsentstehung und der Identifizierung von Risikofaktoren im Hinblick auf die Entwicklung neuer Ansätze zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krebs.

Über Randox Laboratories GmbH: Randox ist ein internationales Unternehmen, das Diagnostik entwickelt, produziert und die klinischen Diagnose-Produkte weltweit vertreibt. Randox ist der Industriepartner im Konsortium und ist verantwortlich für die Entwicklung des Biochips. Randox entwickelt und fertigt den Biochip zur Früherkennung von Darmkrebs, der auf der Messung spezifischer Tumormarker im Blut basiert.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de
http://www.uni-luebeck.de/aktuelles/pressemitteilungen/2008/1008darm.php

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