Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie nah ist die Zukunft – Tiefe Hirnstimulation auch bei Depression oder Demenz?

29.05.2013
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) gilt nach 25 Jahren ihrer Entwicklung inzwischen als Standardtherapie bei der Behandlung von Bewegungsstörungen im fortgeschritten Stadium der Parkinson’schen Krankheit.

Seit wenigen Monaten ist auch klar, dass ein früherer Einsatz der THS im Verlauf der Parkinsonkrankheit sinnvoll ist. Ist dieses erfolgreiche Prinzip, bei dem durch schwache elektrische Impulse über hauchdünne Elektroden gezielte Bereiche des Gehirns beeinflusst werden, auch auf andere neurologische oder sogar psychiatrische Störungen zu übertragen?

Wie nah die Zukunft dieser Anwendungen heute schon ist, welche therapeutischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten noch in der THS stecken, und welche ethischen Ansprüche zu beachten sind, das sind Kernthemen einer international hochrangig besetzten Konferenz, zu der am 30. und 31. Mai das Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Prof. Dr. Alfons Schnitzler, Neurologe, und Prof. Dr. Jan Vesper, Neurochirurg, nach Düsseldorf eingeladen haben.

Trotz vielfältiger Therapieansätze ist es nicht immer möglich, Patienten mit neuropsychiatrischen Störungen, wie schweren Depressionen, der Zwangskrankheit oder dem sogenannten Tourette-Syndrom ausreichend zu helfen. Solche Patienten sind erheblich in ihrem täglichen Leben eingeschränkt, oft bis hin zu Arbeitsunfähigkeit, und sie leiden massiv unter ihren Erkrankungen. Es gibt aber bereits erste Erkenntnisse, dass Betroffene bei einigern dieser Krankheiten von den Möglichkeiten der Tiefen Hirnstimulation profitieren könnten. Allerdings bedarf es noch weiterer klinischer Forschung bevor ein routinemäßiger Einsatz erfolgen kann.
Auch das Thema Demenz, das von zunehmender Bedeutung für das Gesundheitssystem sein wird, steht als Forschungsgegenstand im Blickpunkt der Mediziner. Bei der Alzheimer-Demenz werden im Hinblick auf die Behandlung mit der Tiefen Hirnstimulation zurzeit zwei Forschungsansätze verfolgt, die sich durch die unterschiedlichen Hirnregionen unterscheiden, die angesteuert werden. Für den Erfolg dieser Therapie müssen Mediziner also genau wissen, welche Region des Gehirns bei welcher Erkrankung die Zielregion ist, d.h. wo die Elektroden plaziert werden müssen. Das ist heute nicht bei allen genannten Erkrankungen abgesichert und daher Gegenstand intensiver Forschung.

Ein gewisses „Unbehagen“ im Zusammenhang mit neuropsychiatrischen Erkrankungen resultiert aus einer vergangenen Zeit, in der Eingriffe in das menschliche Gehirn zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen missbraucht oder zu unkritisch eingesetzt wurden. Auch deshalb kommt ethischen Fragestellungen hier eine besondere Bedeutung zu. Zumindest ein Teil der Patienten ist aufgrund ihrer Erkrankung nicht im Vollbesitz ihrer Urteilsfähigkeit. Es ist also unabdingbar, dass ethische Fragestellungen bei Design und Durchführung einer klinischen Prüfung entsprechend Berücksichtigung finden müssen.

Kontakt: Prof. Dr. Alfons Schnitzler, Ärztlicher Leiter Bewegungsstörungen und Neuromodulation der Neurologischen Klinik und Direktor des Instituts für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie, Tel.: 0211 / 81-13014 oder – 17893, Prof. Dr. Jan Vesper, Leiter der Bereiche Funktionelle Neurochirurgie und Neuromodulation, Neurochirurgische Klinik, Tel.: 0211 / 81-18408

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-duesseldorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften