Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nächtliche Atemaussetzer - Gefahr für Herzpatienten

29.03.2011
Herzpatienten sollten auf ihren Schlaf achten. Das raten die Kardiologen des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Ruhr-Universität Bochum), das auch das größte kardiologisch geführte Schlaflabor Deutschlands beherbergt.

Denn der mit Atemaussetzern im Schlaf, der so genannten Schlafapnoe, einhergehende Sauerstoffmangel löst die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das kranke Herz angreifen. Gleichzeitig kann die Herzerkrankung auch Ursache für nächtliche Atempausen sein, was die Wahrscheinlichkeit für Schlafapnoe bei Herzpatienten deutlich erhöht.

Atemaussetzer im Schlaf können zu Bluthochdruck und langfristig zur Schädigung des Herz-Kreislaufsystems führen – dieser Zusammenhang ist inzwischen vielen Menschen bewusst. Weniger bekannt jedoch ist: Die Herzerkrankung selbst ist oft auch Auslöser für die gefährlichen nächtlichen Atempausen.

Eine besondere Form der nächtlichen Atmungsstörung (zentrale Schlafapnoe) beobachtet man besonders häufig bei Menschen mit schwachem Herz oder nach einem Schlaganfall. Für die betroffenen ohnehin schon kranken Menschen beginnt somit ein Teufelskreis. Denn die Atempausen im Schlaf führen zu einem Sauerstoffmangel, der den Körper des Patienten unter massiven Stress setzt. Die freigesetzten Stresshormone wiederum sind schädlich für das bereits kranke Herz.

„Die Gefahr, die von nächtlichen Atemaussetzern für Herzpatienten ausgeht, ist den Betroffenen oft nicht bewusst“, erklärt Professor Dr. Dieter Horstkotte, Direktor der Klinik für Kardiologie am HDZ NRW. „Erschwerend kommt hinzu, dass die Schlafapnoe gerade von schwer Herzkranken oft nicht bemerkt wird, da diese Patienten ihre große Müdigkeit auf ihre Krankheit schieben. Wir raten daher jedem Herzkranken dringend, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen, um zu wissen, ob durch eine Schlafapnoe eine zusätzliche Gefahr für sein Herz droht“.

1,8 Millionen Deutsche leben mit großem Risiko

Neuere Untersuchungen zeigen, dass ca. 75 Prozent der Patienten mit einer schweren Herzschwäche unter einer zentralen schlafbezogenen Atmungsstörung leiden. Unbehandelt verringert diese nächtliche Atemstörung die Überlebenschance der Patienten erheblich. In Deutschland leiden ca. 1,8 Mio. Menschen unter einem schwachen Herzen. Jährlich kommen ca. 300.000 neue Patienten dazu.

Untersuchung im Schlaflabor kann Leben retten

Um eine Schlafapnoe sicher zu diagnostizieren, sollten sich Patienten im Verdachtsfall in einem Schlaflabor untersuchen lassen. Vorab erhalten die Patienten von ihrem Arzt meist ein Gerät zur Überwachung des Schlafs zu Hause. Das Messgerät misst sechs zentrale Körperfunktionen im Schlaf, darunter den Sauerstoffgehalt im Blut, die Atembewegung und Schnarchgeräusche. Zeigen die Messergebnisse Auffälligkeiten, stellt der Arzt eine Überweisung ins Schlaflabor aus.

Im Schlaflabor des HDZ NRW selbst wird der Patient an eine Vielzahl von Messgeräten angeschlossen und geht dann zu Bett. Danach steht er die ganze Nacht unter Beobachtung der Ärzte, die sämtliche für einen gesunden Schlaf entscheidende Körperfunktionen überwachen und entsprechende Daten erheben.

Besonders Patienten, die bereits herzkrank sind, sollten darauf achten, in ein kardiologisch geführtes Herzlabor zu gehen. „Diese Schlaflabore sind speziell auf die Bedürfnisse von Herzpatienten eingestellt und in der Regel einer kardiologischen Klinik angegliedert“, erklärt Prof. Horstkotte.

Bestätigen die im Schlaflabor erstellten Analysen den Verdacht auf eine zentrale Schlafapnoe, kann dem Patienten mit einer speziellen Maskentherapie, die er in Zukunft nachts anwenden sollte, geholfen werden. Dadurch lässt sich verhindern, dass Atempausen in der Nacht das Herz weiter schädigen.

Unterschiedliche Ursachen, ähnliche Wirkungen: Die zwei Formen der Schlafapnoe

Die Medizin unterscheidet zwei Formen von schlafbezogenen Atmungsstörungen. Bei der obstruktiven Schlafapnoe (lat. obstructio: Sperrung), unter der ca. vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen leiden, werden die charakteristischen Atemstörungen durch eine Verengung oder Erschlaffung der Atemwege hervorgerufen.

Die weniger bekannte zentrale Schlafapnoe tritt dagegen nur bei Menschen auf, die bereits eine andere Krankheit haben, meistens eine Herzschwäche oder einen bereits erlittenen Schlaganfall. Hier werden die nächtlichen Atempausen durch ein falsches Signal im Gehirn ausgelöst. Das Gehirn „vergisst“ für Sekunden oder gar Minuten zu atmen. Eine Unterform der zentralen Schlafapnoe, die bei Herzpatienten besonders häufig auftritt, ist die Cheyne-Stokes-Atmung. Diese nächtliche Atmungsstörung zeichnet sich durch einen ständigen Wechsel von Zunahme und anschließender Abnahme der Atemzugtiefe und das Auftreten von sich wiederholenden Atempausen aus.

„Beide Formen der schlafbezogenen Atmungsstörung können das Herz schwer schädigen. Besonders bei Patienten mit einer Vorerkrankung des Herzens ist daher eine schnelle Diagnose und anschließende Behandlung der gefährlichen Atemaussetzer unbedingt notwendig“, ruft Prof. Horstkotte Herzpatienten zur erhöhten Wachsamkeit auf.

Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten