Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachweismethoden für Allergie auslösende Stoffe verbessern

09.12.2010
BfR und LGL entwickeln Testsysteme

Mit der Entwicklung von Analysemethoden zum Nachweis Allergien auslösender Stoffe in Lebensmitteln befassen sich Expertinnen und Experten auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Berlin, die heute zu Ende geht.

Die Kennzeichnung von Allergenen auf Lebensmittelverpackungen ist gesetzlich vorgeschrieben. Ihre Überprüfung ist nur mit Hilfe geeigneter Nachweismethoden möglich. „Allergien nehmen in der Bevölkerung zu; deswegen kommt dem Nachweis von bekanntermaßen Allergie auslösenden Stoffen eine bedeutende Rolle im gesundheitlichen Verbraucherschutz zu“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Auf dem zweitägigen Workshop „Allergene in Lebensmitteln – Aktuelle Entwicklungen in der Analytik“ in Berlin wurden Möglichkeiten für erste Testsysteme vorgestellt.

Bei hoch allergischen Personen reichen Spuren eines Lebensmittels aus, um einen lebensbedrohlichen allergischen Schock auszulösen. Ein Ziel des Nationalen Aktionsplans gegen Allergien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ist es daher, die Kennzeichnung allergener Stoffe auf Lebensmitteln zu verbessern, damit sich Betroffene besser vor solchen Stoffen schützen können. Die bisher gültige Regelung sieht vor, dass Spuren allergener Stoffe gekennzeichnet werden müssen, wenn das Risiko besteht, dass diese bei der Lebensmittelherstellung unbeabsichtigt in das Produkt gelangen. Dies ist etwa der Fall, wenn auf demselben Produktionsband nacheinander zwei verschiedene Schokoladensorten hergestellt werden, von denen die erste Nüsse enthält. Spuren der Nüsse können dann in die zweite Schokolade gelangen. Ob diese Spuren tatsächlich vorhanden sind, lässt sich derzeit mit amtlichen Methoden für Haselnüsse zwar nachweisen, ebenso wie für Erdnüsse und Sellerie. Für viele andere allergene Bestandteile gibt es solche Nachweismethoden aber noch nicht. Hersteller kennzeichnen deswegen vorsichtshalber ihre Produkte mit pauschalen Angaben wie „Kann Spuren von Haselnüssen enthalten“. Für Allergiker bedeutet eine pauschale Kennzeichnung eine unnötige Einschränkung bei der Lebensmittelwahl.

Zwei Forschungsprojekte sollen nun Abhilfe schaffen. So entwickelt das Bayerische LGL derzeit zusammen mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen einen Schnellnachweis zur Mengenbestimmung allergener Stoffe in Lebensmitteln in der gesamten Produktionskette auf Basis der PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion). Gegenwärtig werden die entwickelten Methoden, in der Praxis erprobt. Das BfR arbeitet mit zwei Projektpartnern an der Entwicklung und Standardisierung von besonders einfach anzuwendenden Schnelltests („screening“) zum Nachweis von Allergenen. Dabei werden Extrakte des zu untersuchenden Lebensmittels auf einen Teststreifen aufgebracht, der innerhalb von zehn Minuten anzeigt, ob ein Allergen enthalten ist und wenn ja, welches. Ein speziell ausgestattetes Labor für ein erstes schnelles Ergebnis ist nicht notwendig, der Test kann vor Ort erfolgen. Daneben werden neue, moderne Analyseverfahren erarbeitet, die das Erbgut der Allergie auslösenden Stoffe mit großer Sicherheit auch in stark verarbeiteten Lebensmitteln erkennen. Dazu wird in der PCR spezifisch das Erbgut millionenfach kopiert. Vorteil: Alle dazu benötigten Reagenzien sind überall erhältlich, die Methoden können somit von Herstellern und Kontrolleuren weltweit eingesetzt werden. Die Methoden sollen darüber hinaus so empfindlich messen, dass Allergene auch im Spurenbereich von ppm (parts per million) nachgewiesen werden. Außerdem können verschiedene Allergene parallel analysiert werden, darunter auch solche, die bisher nur schwer festzustellen waren. Bisher ist am BfR ein System entwickelt worden, das die am häufigsten vorkommenden Allergene in Schokoladen parallel in nur einer Analyse nachweisen kann.

In den kommenden beiden Jahren steht vor allem die Standardisierung der entwickelten „Screening“-Verfahren im Fokus. Denn nur robuste und standardisierte Methoden können von möglichst vielen Herstellern in der Produktion und von den Behörden in der amtlichen Kontrolle eingesetzt werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Über das LGL

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/Produktsicherheit. Es beobachtet die gesundheitliche Situation der Bevölkerung und fördert Präventionsmaßnahmen. Zudem untersucht es die Qualität und Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln sowie von Produkten. Auch in der Tiergesundheit leistet das LGL mit den Bereichen Tierseuchenbekämpfung, Tierschutz und Tierarzneimittelüberwachung wichtige Beiträge.

BfR - Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 030-18412-4300, Telefax: 030-18412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Suzan Fiack

Dr. Suzan Fiack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics