Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachsorge für Hodenkrebspatienten soll deutlich erleichtert werden: Bluttest statt CT-Untersuchung

18.07.2013
Diagnose „Hodenkrebs“: Es trifft zumeist Männer zwischen 20 und 40 Jahren. In Deutschland sind es jährlich rund 4.500.

Rechtzeitig entdeckt, ist diese Erkrankung zu 96 Prozent heilbar, sagen die Statistiken. Die Operation ist undramatisch. Deutlich problematischer ist heute noch die Nachsorge: Über Jahre müssen die Patienten zahlreiche Computertomographieuntersuchungen über sich ergehen lassen.

Das soll sich bald ändern. Statt der physisch und psychisch belastenden sowie teuren Prozeduren soll schon in zwei Jahren ein einfacher Bluttest Aufschlüsse über den Erfolg der Krebsbehandlung bringen. Entwickelt wird er von Bremer Uni-Forscherinnen im Rahmen eines EXIST-Forschungstransferprojektes.

Das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit den Förderlinien „Gründerstipendium“ und „Forschungstransfer“ wird vom Europäischen Sozialfonds kofinanziert. Den Forschungstransferprojekten kommt dabei ein besonderer Exzellenzcharakter zu. Sie werden seltener vergeben und die Anforderungen sind sehr hoch.

Mithilfe der Bremer Patent- und Vermarktungsagentur InnoWi sowie der Bremer Hochschulinitiative BRIDGE haben die Wissenschaftlerinnen Inga Flor, Dr. Nina Winter und Kerstin Lucht-Hübner vom Zentrum für Humangenetik (ZHG) der Universität Bremen den EXIST-Förderantrag für ihr Projekt „miRdetect“ gestellt. Grundlage des Antrages sind mehrere Patente, die über die InnoWi international angemeldet wurden. Die Forscherinnen erhalten nun über zwei Jahre 600.000 Euro, um den Bluttest zu entwickeln und eine Unternehmensgründung vorzubereiten. Ihr Mentor ist ZHG-Leiter Professor Jörn Bullerdiek. Sowohl die Fördersumme als auch die Laufzeit sind ungewöhnlich hoch.

„Besonders überzeugt hat die Expertenjury, dass der neue Tumormarker eine einfache Detektion aus Blutproben möglich macht und die hohe Anzahl an Computertomographieuntersuchungen für Patienten und die damit verbundene hohe Strahlungsbelastung vermindert werden kann“, sagt Dietrich Hoffmann vom Forschungszentrum Jülich. Als Projektträger fungiert es als Schnittstelle zwischen dem BMWi und den Wissenschaftlerinnen.

Nach mehrjährigen Forschungen gelingt Identifizierung des Tumormarkers „miR-371a-3p“

Tumormarker sind Substanzen im Körper, über die sich Tumore nachweisen lassen. Nach mehrjährigen Forschungen konnten Wissenschaftler des ZHG unter Leitung des Humangenetikers Dr. Gazanfer Belge und in Zusammenarbeit mit Urologen und Pathologen des Hamburger Albertinen-Krankenhauses einen solchen Marker für Hodenkrebs identifizieren. „miR-371a-3p“ heißt er, und er findet sich im Blut von Männern, die einen Hodenkrebstumor haben. Nun fehlt es noch an einem sicheren, einfachen Bluttest, mit dem sich bei der Nachsorge dieser Marker nachweisen lässt. Genau einen solchen Test entwickelt das ZHG-Team derzeit und bereitet parallel dazu die Gründung eines Unternehmens vor, über das dieser Test künftig zu erhalten sein soll.

„Den Schritt in die praktische Verwertung unserer Forschungsarbeit vollziehen“

Mit konkreten Details zu ihren Arbeiten halten sich die Wissenschaftlerinnen derzeit noch zurück. „Wegen des laufenden Patentverfahrens“, sagt Lucht-Hübner, die den organisatorischen Part im Gründerinnentrio innehat. Sie folgt damit den Empfehlungen der Innovationsmanager von der InnoWi. Sie unterstützten die Wissenschaftlerinnen seit Langem, erstellen unter anderem Marktrecherchen, kümmern sich um Patentanmeldungen und beraten die Gründerinnen. „Nach vielen Jahren Forschung wollen wir nun den Schritt in die praktische Verwertung der Forschungsarbeiten vollziehen“, sagt Lucht-Hübner. „Dabei ist die Existenzgründung eine zusätzliche Herausforderung. In kurzer Zeit müssen wir neben der Entwicklung des Produktes und dem Erledigen aufwendiger Formalitäten auch noch viel im Bereich Wirtschaft dazulernen und das Unternehmen aufbauen. Hier setzen wir auf das Bremer Existenzgründerprogamm BRUT mit seinen Coachings und Beratungen. Es ist spezialisiert auf Gründungen besonders aus dem Hochschulbereich heraus. Da stehen uns also etliche erfahrene Spezialisten zur Seite.“ Dr. Jens Hoheisel, Geschäftsführer der InnoWi, sieht beste Chancen für das neue Produkt und ist beeindruckt vom Unternehmergeist der Forscherinnen. “Das Projekt ‘miRdetect‘ ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie aus einer wissenschaftlichen Idee eine Unternehmensgründung werden kann – also ein volkswirtschaftlicher Nutzen entsteht.“

„Ein ‚einfacher Bluttest‘ – das wäre ein Traum!“

„Fast zu schön um wahr zu sein“, kommentieren Experten aus der Fachszene das Bremer Uniprojekt – auch ohne schon alle sensiblen Daten zu kennen. „Die Strahlenbelastung für die Patienten kann heute bereits durch den zunehmenden Einsatz von Kernspintomografie-Untersuchungen (Magnetresonanztomographie, MRT) erheblich reduziert werden. Nichts desto trotz würde die Tumornachsorge deutlich erleichtert, wenn wir einen ‚einfachen Bluttest‘ an der Hand hätten. Den Patienten die ganze aufwendige und belastende Diagnostik ersparen zu können, wäre ein Traum. Das ist absolut zu begrüßen“, sagt Professor Jesco Pfitzenmaier, Leiter der Klinik für Urologie im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld (EvKB). Er warte gespannt auf die Ergebnisse aus Bremen und wünsche den Forscherinnen von Herzen viel Erfolg.

Weitere Informationen und Ansprechpartner:

Dr. rer. nat. Nina Winter (miRdetect, Zentrum für Humangenetik, Universität Bremen)

Tel. 0421 218-61 574, Mobil: 0176 24 37 56 45, E-Mail: n.winter@uni-bremen.de

Prof. Dr. Jörn Bullerdiek (Mentor des Projektes, Leiter Zentrum für Humangenetik, Universität Bremen)

Tel.: 0421 218-61 501, E-Mail: bullerd@uni-bremen.de

Dr.-Ing. Jens Hoheisel (Geschäftsführer und Innovationsmanager InnoWi GmbH)
Tel.: 0421 96 007-15, E-Mail: jens.hoheisel@innowi.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.mirdetect.de
http://www.innowi.de
http://www.exist.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten