Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit multitalentierten Stammzellen gegen Blutkrebs

24.04.2013
Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt eine Max-Eder-Nachwuchsgruppe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mit rund 630.000 Euro:

Dr. Dimitrios Mougiakakos (33) und seine Arbeitsgruppe an der Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie – des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) wollen damit in den nächsten Jahren die Funktionsweise mesenchymaler Stammzellen erforschen. Ziel ist es, Entzündungs- und Abstoßungsreaktionen bei Patienten nach einer Knochenmarktransplantation durch eine neue Stammzelltherapie zu verhindern.

Hoffnungsträger der neuen Therapie sind sogenannte multipotente mesenchymale Stammzellen (MSCs). Sie weisen eine Vielzahl herausragender Fähigkeiten im Bereich der Gewebeheilung und der Kontrolle überschießender Immunantworten auf. MSCs lassen sich mit relativ geringem technischem Aufwand aus dem Knochenmark gewinnen und anschließend vermehren.

Eines ihrer besonderen Merkmale ist ihre immunologische „Tarnkappe“, d.h. sie werden vom Immunsystem nicht erkannt und abgestoßen. So können sie ohne Rücksicht auf die Blutgruppen- oder Gewebemerkmale gefahrlos übertragen werden. Damit stellen sie eine besonders attraktive Form der modernen Zelltherapie dar, die bereits bei schweren Komplikationen nach Knochenmarks- oder Stammzelltransplantationen innerhalb von klinischen Studien vielversprechend angewendet wird.

Für viele Krebserkrankungen vor allem aus dem Bereich der Leukämien ist die Zerstörung der Krebszellen durch Chemo- und Strahlentherapie gefolgt von einer Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation mit den Zellen eines Familien- oder Fremdspenders die einzige Behandlungsform mit Aussicht auf Heilung.

Der Schlüssel zum Erfolg einer solchen Transplantation ist es, dass die verbliebenen Krebszellen durch die Zellen des gespendeten Immunsystems erkannt und zerstört werden. Der Hauptvermittler dieses Prozesses sind die T-Lymphozyten, die zu den weißen Blutzellen gehören. In vielen Fällen reagieren die aktivierten T-Lymphozyten des Spender-Immunsystems aber auch gegen die gesunden Zellen des Empfängers, so dass es zur „Graft-versus-Host“-Erkrankung (GvHD) kommt. „Davon können nahezu alle Organe des Empfängers betroffen sein. Es kommt häufig zu schmerzhaften Hautveränderungen, Durchfällen und Störungen der Leberfunktion“, weiß Dr. Mougiakakos. Trotz der großen Fortschritte im Bereich der Transplantationsmedizin ist eine GvHD, die auf Kortison nicht anspricht, nur sehr schwer zu kontrollieren. MSCs gewinnen in der Therapie der GvHD zunehmend an Bedeutung.

Erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse
In ersten klinischen Studien sind bei der schweren GvHD mit dem MSC-Transfer vielversprechende Ergebnisse erzielt worden. Die bisherigen experimentellen Daten legen nahe, dass der positive Effekt der MSCs durch die Kontrolle der T-Lymphozyten vermittelt wird. MSCs stoppen nicht einfach die Aktivierung von T-Lymphozyten, sie justieren vielmehr ihre Antworten: Sie stellen das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Untergruppen von T-Lymphozyten, die Entzündungsprozesse hemmen (z.B. TReg-Zellen) oder fördern (z.B. TH-17 Zellen) her.

Im Zentrum des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projektes soll nun untersucht werden, wie MSCs die T-Lymphozyten über Eingriffe in ihrem Energiehaushalt steuern. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass der Stoffwechsel in den T-Lymphozyten zentral für die Kontrolle von Immunantworten ist. „Da der Stoffwechsel von aktivierten T-Lymphozyten Ähnlichkeiten zum Stoffwechsel von Leukämiezellen aufweist, wollen wir diesen Umstand nutzen, um unsere Erkenntnisse auch auf die Interaktion von MSCs und Leukämiezellen zu übertragen“, sagt Dr. Dimitrios Mougiakakos „Das ist wichtig, da sich ein großer Teil der GvHD Patienten einer Transplantation bei zugrundeliegender Leukämie unterzogen hat. Verbliebene Leukämiezellen könnten potentiell mit den transferierten MSCs interagieren.“ Resultierende Veränderungen im Bereich der Energiegewinnung von Leukämiezellen könnten dann erheblichen Einfluss auf ihre Aggressivität und damit den Krankheitsverlauf nehmen.

„Das geförderte Projekt soll dazu beitragen, die Biologie der MSCs besser zu verstehen, um dadurch MSC-basierte Therapien weiter zu optimieren“, sagt Dr. Mougiakakos. Zugleich könnte es zur besseren Risikoabschätzung einer MSC-Therapie beitragen und dabei helfen, neue therapeutische Ziele im Bereich der Energiegewinnung von Leukämiezellen zu identifizieren. Dieses Wissen soll in der Zukunft ermöglichen, GvHD Patienten effizient und gleichzeitig risikoarm mit MSCs zu behandeln.

Dr. Dimitrios Mougiakakos forschte als Postdoktorand mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft für dreieinhalb Jahre am Karolinska Institut in Stockholm (Schweden). Hier arbeitete er insbesondere an der Verknüpfung von Stoffwechsel und Immunantworten und etablierte eine enge Kollaboration mit Frau Prof. Katarina Leblanc, einem der Pioniere im Bereich der klinischen Anwendung von MSCs. Seit seiner Rückkehr leitet Dr. Mougiakakos die Arbeitsgruppe für „Translationale Tumor- und Transplantationsimmunologie“ an der Medizinischen Klinik 5.

Weitere Informationen für die Medien:
Dr. Dimitrios Mougiakakos
Tel.: 09131/85-43172
dimitrios.mougiakakos@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften