Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose: Welche Rolle spielen endogene Retroviren?

14.02.2012
An der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf wird ein neues internationales Verbundprojekt unter der Leitung des Schweizer Zellbiologen und Multiple Sklerose Forscher PD Dr. Patrick Küry etabliert.
Zusammen mit dem Immunologen Patrice Marche (Grenoble, F), dem Molekularbiologen Frank Kirchhoff (Homburg, D) und dem Virologen Hervé Perron (Genf, CH) wird der Frage nachgegangen, ob und wie so genannte endogene Retroviren den Krankheitsverlauf und Regenerationsmechanismen bei der Multiplen Sklerose (MS) beeinflussen.

Bei der MS handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fehlgeleitet wird und dadurch zelluläre Komponenten des Gehirns und Rückenmarks angreift und zerstört.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von HERV-W Partikeln beim Austritt aus infizierten Zellen.
Dr. H. Perron

Ziele dieses Angriffs sind vor allem die so genannten Markscheiden, dabei handelt es sich um diejenigen Strukturen, die die Nervenfortsätze elektrisch isolieren, demzufolge eine schnelle Reizweiterleitung ermöglichen und verantwortlich dafür sind, dass das menschliche Nervensystem effizient arbeiten kann. Bislang sind die Ursachen dieser Erkrankung nur unzureichend geklärt und man geht allgemein davon aus, dass eine Vielzahl von Faktoren an der Auslösung dieser Krankheit beteiligt ist sowie den Verlauf bestimmen kann.

Virale Komponenten stehen bereits seit einiger Zeit im Verdacht MS (mit)auszulösen, wobei noch keine schlüssigen Beweise dafür erbracht werden konnten. Bei den von dem Forscherkonsortium ins Auge gefassten endogenen Retroviren handelt es sich um im menschlichen Genom integrierte „schlafende“ oder inaktive virale Sequenzen mit dem Namen HERV-W (humanes endogenes Retrovirus-W). Interessanterweise besitzt ein Großteil der Bevölkerung diese Viren, und es konnte gezeigt werden, dass diese reaktiviert werden und als virale Bestandteile oder komplette Viren im Blut oder Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit u.a. von MS Patienten auftreten können.

Ziel des Forschungsverbundes wird es sein, pathologische Effekte viraler Hüllproteine auf Immun-, Gefäß- und Stamm/Vorläuferzellen zu beschreiben und einen neuen anti-Virus Antikörper auf seine Wirksamkeit hin zu untersuchen.

Gefördert wird dieses neue Verbundprojekt durch die französischen Organisationen ARSEP (Fondation pour l’Aide à la Recherche sur la Sclérose En Plaques) und AFM (Association Française contre les Myopathies), die zusammen eine internationale Ausschreibung zur Erforschung neuer krankheitsauslösenden Elemente sowie neuer Therapiekonzepte zur Behandlung der MS lanciert haben.

Diese Grundlagenstudien werden zudem von einer klinischen Studie begleitet, bei der anti-Virus Antikörper, die von der Firma Geneuro SA (Gründer Hervé Perron) entwickelt wurden, auf Ihre Verträglichkeit und therapeutische Wirksamkeit getestet werden. Da auch die Neurologische Klinik (Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Hartung) an dieser klinischen Studie beteiligt sein wird, besteht ein direkter translationaler Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Klinik.

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alternativer Entstehungsprozess für Blutkrebs entschlüsselt

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Beschichtung bei Industrieanlagen soll Emissionen senken

12.12.2017 | Materialwissenschaften

Zeigt her Eure Blätter - Gesundheitscheck für Stadtbäume

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie