Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose Update: Neue Erkenntnisse zur Pathogenese und Therapien in der Pipeline

28.09.2012
Kompetenznetz MS informiert auf DGN-Kongress über aktuelle Entwicklungen

Mit großem Tempo eilen MS-Wissenschaftler weltweit voran, um der Krankheit mit den 1000 Gesichtern ihre letzten Geheimnisse zu entlocken. Autoantikörper und die Entschlüsselung einzelner genetischer Varianten, die für Multiple Sklerose (MS) spezifisch sein könnten, stehen derzeit im Fokus der Ursachenforschung.

Auch bei den Medikamenten sind Neuerungen in Sicht: Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres werden weitere Therapeutika die Zulassungshürde nehmen. Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Hamburg informiert der stellvertretende Vorstandssprecher des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes MS (KKNMS), Prof. Dr. Bernhard Hemmer, über die jüngsten Erkenntnisse aus der MS-Forschung.

Nach den sehr erfolgreichen Untersuchungen zu Autoantikörpern bei sel-tenen Autoimmunerkrankungen des Gehirns, rücken diese auch bei der Multiplen Sklerose zunehmend in den Mittelpunkt der Forschung. Aussichtsreichster Kandidat ist hierbei ein Autoantikörper, der sich gegen den Kaliumkanal KIR 4.1 richtet. „Wir konnten ihn im Blut bei knapp 50 Prozent der untersuchten MS-Patienten nachweisen“, erklärt Hemmer, der das Projekt auch geleitet hat. Der Autoantikörper könnte als Biomarker zukünftig die Diagnose der Erkrankung erleichtern und darüber hinaus weitere Anhaltspunkte zur Pathogenese liefern.
Auch die Entschlüsselung weiterer, MS-spezifischer genetischer Varianten trägt zu einem besseren Verständnis der Krankheit bei. Kürzlich haben MS-Forscher gezeigt, dass verändertes Erbgut des TNF-Rezeptor-1 chronische Entzündungsprozesse fördert. „Da die Rezeptorvariante als Schlüsselprotein im Krankheitsgeschehen infrage kommt, lassen sich neue Ansatzpunkte für Therapien ableiten“, erläutert DGN- und KKNMS-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ralf Gold, der an der Studie beteiligt war.

Hoffnungsträger: Teriflunomid und Fumarsäure

Bereits heute können Neurologen aus einer Reihe von MS-Therapeutika auswählen, mit denen sich Krankheitsaktivität und damit das Fortschreiten der Behinderung bremsen lassen. Bis Mitte nächsten Jahres werden voraussichtlich drei weitere Medikamente zur Behandlung der MS durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA zugelassen werden: Fumarsäure, Teriflunomid und Alemtuzumab.

Teriflunomid ist bereits seit 13. September 2012 unter dem Namen AubagioTM in den USA zur Behandlung der schubförmig verlaufenden MS erhältlich und damit zur Basistherapie zugelassen. Neben Fingolimod steht dort nun eine weitere orale Therapieoption zur Verfügung. Häufigste Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall und veränderte Leberwerte. Diese müssen daher vor und während der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.

Auch zur Fumarsäure (BG-12) sind erst vor einer Woche die Ergebnisse der abschließenden und zulassungsentscheidenden Phase-III-Studie im renommierten New England Journal of Medicine erschienen. Die Studienteilnehmer erhielten entweder 240mg BG-12 zweimal oder dreimal am Tag oder ein Scheinmedikament (Placebo). Es konnte gezeigt werden, dass Fumarsäure die jährliche Schubrate, das Fortschreiten der Behinderungsrate und auch die Anzahl der Läsionen im MRT signifikant reduzierte. „Darüber hinaus bietet das Medikament eine besondere Kombination – es ist bei hoher Wirksamkeit gleichzeitig auch besonders sicher“, betont Projektleiter Gold. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Magen-Darm-Beschwerden und Hautrötungen, die in der Regel innerhalb weniger Wochen nach Ersteinnahme abklingen. „Wir hoffen daher sehr, dass sich die Fumarsäure für die Basistherapie der MS qualifizieren wird“, so Gold weiter.

Ansprechpartner für die Medien:
Constanze Steinhauser (Pressereferentin)
Tel.: +49 89 4140-4628
Fax: +49 89 4140-4655
E-Mail: constanze.steinhauser@kkn-ms.de
Internet: http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Tel.: +49 (0)89 461486 22
Fax: +49 (0)89 461486 25
E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS)
ist eines von bundesweit 21 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Sie alle verfolgen das Ziel, Forscher zu spezifischen Krankheitsbildern bundesweit und interdisziplinär zusammenzubringen, um den Austausch zwischen Forschung und Patientenversorgung zu verbessern. Aktuell gehören dem KKNMS drei Forschungsverbünde an: CONTROLMS, UNDERSTANDMS und CHILDRENMS. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 7000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

http://www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930,
E-Mail: info@dgn.org

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen