Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose - Schutz vor dem eigenen Immunsystem

28.11.2008
Impfung verhindert Multiple Sklerose im Tiermodell / Heidelberger Forscher veröffentlichen in "Proceedings of the National Academy of Sciences USA"

Rund 80.000 Menschen in Deutschland leiden an Multipler Sklerose: Ihr Immunsystem attackiert und zerstört das gesunde Nervengewebe.

Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg ist es gelungen, Mäuse mit speziell präparierten, körpereigenen Immunzellen zu impfen und die Erkrankung an einer der Multiplen Sklerose ähnlichen Nervenentzündung zu verhindern. Dafür wurde auf der Zelloberfläche ein Eiweiß des Nervensystems platziert, das bei Multipler Sklerose Angriffspunkt der schädlichen Immunreaktion ist; die Zellen wurden zusätzlich mit einem Wirkstoff behandelt, der die Immunabwehr unterdrückt.

Die Heidelberger Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences USA" - zunächst online - veröffentlicht.

Das Forscherteam um Professor Dr. Peter Terness arbeitet in der Abteilung für Transplantationsimmunologie (Direktor: Professor Dr. Gerhard Opelz) des Instituts für Immunologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Professor Terness und sein Team entwickeln vorrangig Methoden, die die Abstoßung des Spenderorgans nach einer Transplantation verhindern, ohne dabei das Immunsystem zu beeinträchtigen.

Transplantationsforschung führte zu Impfung

"Die Impfung gegen die Multiple Sklerose folgt dem selben Prinzip", erklärt Professor Terness. "Wir müssen dem Immunsystem beibringen, das Spenderorgan, oder in diesem Fall die eigenen Nervenzellen, nicht als Fremdkörper zu bekämpfen."

Im Rahmen ihrer Forschung zur Organabstoßung hatten die Wissenschaftler im Tierversuch Immunzellen (die sogenannten Dendritischen Zellen ) eines Spendertieres mit dem Chemotherapeutikum Mitomycin behandelt und diese vor der Transplantation dem Organempfänger injiziert - mit Erfolg: Die veränderten Zellen wurden nicht angegriffen. Später akzeptierte das Immunsystem des Transplantatempfängers auch das Gewebe des Spendertiers. Die Ergebnisse sind 2007 in "Transplantation" veröffentlicht worden.

Behandelte Zellen unterdrücken die Immunantwort

Nun setzte das Team um Professor Terness dieses Verfahren dazu ein, die schädliche Immunantwort bei Multipler Sklerose zu unterdrücken: In Zusammenarbeit mit Dr. Thilo Oelert aus der Abteilung Molekulare Immunologie des Deutschen Krebsforschungszentrums belud es Immunzellen von Mäusen mit einem markanten Eiweiß aus dem Nervensystem, behandelte sie mit Mitomycin und injizierte sie wieder den Spendertieren. Daraufhin ließ sich bei diesen Mäusen die Experimentelle Autoimmune Enzephalitis - dem Pendant der Multiplen Sklerose beim Menschen - nicht mehr auslösen, sie waren resistent. "Die behandelten Zellen präsentieren das Zieleiweiß und unterdrücken gleichzeitig die Immunantwort. Dadurch gewöhnen sich die Immunzellen an das Protein und attackieren es später auch ohne Hemmstoff nicht mehr", erklärt Professor Terness.

Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob diese Methode auch bei bereits bestehender Multipler Sklerose greift. Im Tierversuch soll getestet werden, ob die Impfung mit behandelten, körpereigenen Zellen nicht nur eine vorbeugende, sondern auch eine therapeutische Wirkung besitzt.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Peter Terness
Tel.: 06221 / 56 35 544
E-Mail: Peter.Terness@med.uni-heidelberg.de
Literatur:
Peter Terness,Thilo Oelert,Sandra Ehser, Jing Jing Chuang,Imad Lahdou, Christian Kleist,Florian Velten, Günter J. Hämmerling, Bernd Arnold and Gerhard Opelz: Mitomycin C-treated dendritic cells inactivate autoreactive T cells: Toward the development of a tolerogenic vaccine in autoimmune diseases. Proc Natl Acad Sci U S A. pnas.0807185105. doi: 10.1073/pnas.0807185105

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des UniversitätsklinikumsHeidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE