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Multiple Sklerose besser verstehen - BMBF-gefördertes Kompetenznetz Multiple Sklerose startet

21.07.2009
Etwa 2.500 Bundesbürger erhalten jedes Jahr in Deutschland die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Insgesamt sind nach der jüngsten Hochrechnung etwa 122.000 Menschen betroffen.

Ursachen und Verlaufsformen der MS sind bis heute noch nicht ganz genau verstanden. Um dies zu ändern und die Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose zu verbessern, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Kompetenznetz Multiple Sklerose, das jetzt seine Arbeit offiziell aufnimmt.

"Für die deutsche MS-Forschung ist das Kompetenznetz eine außerordentlich gute Entwicklungschance. Die gemeinsame Arbeit wird die Versorgungssituation der MS-Patienten verbessern und unsere Forschung international besser sichtbar machen" ist Prof. Dr. Heinz Wiendl, der derzeitige Sprecher des Kompetenznetzes, überzeugt.

Dass sie auch die "Krankheit mit den 1.000 Gesichtern" genannt wird, verweist auf eine Besonderheit der MS: ihre beträchtliche Heterogenität. Das klinische Erscheinungsbild ist sehr vielfältig und reicht - um nur einige Symptome zu nennen - von Sehstörungen, Schmerzen und Schwindel bis zu Lähmungserscheinungen. Die Krankheit ist darüber hinaus von einem schubweisen Verlauf geprägt. Die pathologischen, immunologischen und genetischen Eigenschaften der MS sind sehr unterschiedlich, und Patienten sprechen ganz unterschiedlich auf Therapien an.

Drei Verbünde als Kristallisationspunkt

Das Kompetenznetz Multiple Sklerose ist eines von mittlerweile 21 Kompetenznetzen in der Medizin (http://www.kompetenznetze-medizin.de), zu deren Kernaufgaben gehört, Forscher zu spezifischen Krankheitsbildern bundesweit und interdisziplinär zusammenzubringen und den Austausch zwischen Forschung und Versorgung zu verbessern. In einer internationalen Begutachtung wurden 2008 zunächst drei Verbünde ausgewählt, die den Kristallisationspunkt des neuen Kompetenznetzes bilden: UNDERSTANDMS, CONTROLMS und CHILDRENMS. Gemeinsam bauen sie eine gemeinsame Infrastruktur auf und können in späteren Förderphasen um weitere Verbünde und Partner ergänzt werden.

Der Verbund UNDERSTANDMS (Koordinatoren Prof. Dr. Heinz Wiendl, Universität Würzburg und Prof. Dr. Wolfgang Brück, Universitätsmedizin Göttingen) untersucht in einem integrierten Ansatz Tiermodelle, humane Bioproben und ZNS-Material hinsichtlich pathogenetischer Faktoren und bestimmter Erkrankungsformen sowie Ausprägungen der Multiplen Sklerose. Eine starke Vernetzung soll die Übertragung von sehr experimentellen, grundlagennahen Erkenntnissen in ihre klinische Anwendbarkeit gewährleisten und dazu beitragen, die Heterogenität der Erkrankung und bestimmter Krankheitsverläufe zu verstehen.

Im Mittelpunkt des Verbundes CONTROLMS (Koordinatoren Prof. Dr. Bernhard Hemmer, TU München und Prof. Dr. Ralf Gold, Ruhr-Universität Bochum) steht eine prospektive, multizentrische Kohortenstudie, in die 1.000 Patienten mit früher Multipler Sklerose eingebracht werde sollen. Ziel ist es, Biomarker für die Diagnostik, Prognose und Therapie der Multiplen Sklerose zu etablieren. Die Forscher suchen gezielt nach Markern für besondere MS-Verlaufsformen oder bestimmtes Therapieansprechen.

Der Verbund CHILDRENMS (Koordinatoren Prof. Dr. Jutta Gärtner und Prof. Dr. Wolfgang Brück, Universitätsmedizin Göttingen) baut ein Patientenregister für Kinder mit Multipler Sklerose auf. Ziel dieses Projektes ist es, die Häufigkeit der Erkrankung in Deutschland und das Spektrum der Krankheitsverläufe bei MS in jungen Jahren zu bestimmen.

Ansprechpartner für Rückfragen und weitere Informationen:
Prof. Dr. Heinz Wiendl
Leitender Oberarzt und Leiter der Klinischen Forschungsgruppe
für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie
Neurologische Klinik der Universität Würzburg
Josef-Schneider-Straße 11, 97080 Würzburg
Tel.: + 49-931-201-23755 / Fax.: + 49-931-201-23488
E-Mail: heinz.wiendl@klinik.uni-wuerzburg.de
Das Kompetenznetz Multiple Sklerose wird in Kürze Mitglied der TMF.
Info TMF:
Wer patientenorientierte Forschung an verteilten Standorten betreibt, Daten und Materialien sammelt und diese IT-gestützt dokumentiert, auswertet oder weitergibt, steht vor Herausforderungen, die in der biomedizinischen Forschung relativ neu sind. Vielfach liegen für diese Fragen bisher noch keine Lösungen, teilweise nicht einmal gesetzliche Regelungen vor. Um gemeinsam diese organisatorischen, rechtlich-ethischen und technologischen Probleme zu identifizieren und zu lösen, haben sich zahlreiche Forschungsverbünde in der TMF (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e.V.) zusammengeschlossen.

Als Dachorganisation leistet die TMF einen wesentlichen Beitrag dazu, die Organisation und Infrastruktur der medizinischen Forschung in vernetzten Strukturen zu verbessern. Bei den Mitgliedern der TMF handelt es sich um überregionale Netzwerke und vernetzt arbeitende Einrichtungen der medizinischen Forschung. Hierzu gehören unter anderem die Kompetenznetze in der Medizin, Netzwerke für Seltene Erkrankungen, Psychotherapie-Netzwerke, Zoonose-Verbünde, Koordinierungszentren für Klinische Studien, das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN), Institute der Fraunhofer-Gesellschaft sowie mit dem Mukoviszidose-Institut auch eine Patientenorganisation.

Antje Schütt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tmf-ev.de

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