Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Ursachen psychiatrischer Erkrankungen

31.03.2014

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn koordinieren ein neues Verbundprojekt zur Erforschung der molekularen Ursachen von verbreiteten psychiatrischen Erkrankungen: Schizophrenie, bipolare Störung und schwere Depression.

Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt fünf Millionen Euro. Bei der Auftaktveranstaltung heute am Montag, 31. März, in Bonn diskutieren die beteiligten Forscher über das Vorhaben. Es handelt sich bei dem Projekt um das bislang umfangreichste seiner Art in Deutschland.

Zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen zählen Schizophrenie, bipolare Störung und schwere Depression. Während die Schizophrenie zu Beeinträchtigungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Gefühle führt, ist die bipolare Störung durch manische Phasen mit Größenwahn sowie depressiven Episoden mit stark gedrückter Stimmung gekennzeichnet.

Bei der schweren Depression kommt es zur psychischen Niedergeschlagenheit bis hin zu Suizidgedanken. „Forschungsergebnisse zeigen, dass diese psychiatrischen Erkrankungen zu 50 bis 80 Prozent auf einer genetischen Komponente beruhen“, sagt Prof. Dr. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn.

Im neuen Verbundprojekt IntegraMent (Integrated Understanding of Causes and Mechanisms in Mental Disorders) sollen basierend auf den Fortschritten der genetischen Forschung die molekularen Ursachen der psychiatrischen Erkrankungen erforscht werden. „Dabei geht es auch darum zu untersuchen, ob es bei Schizophrenie, bipolarer Störung und schwerer Depression gemeinsame biologische Wurzeln gibt“, sagt Prof. Nöthen, der das Verbundprojekt koordiniert.

Die Forscher suchen zunächst nach Genen, die an der Ausbildung der drei psychiatrischen Erkrankungen beteiligt sind, indem sie das Erbgut von Patienten mit einer Kontrollgruppe vergleichen, die die Bevölkerung in Deutschland repräsentiert. Taucht bei dem Vergleich ein verändertes Gen in der Patientengruppe auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es mit einer Krankheit zusammenhängt.

Fokus auf Familien, bei denen sich psychiatrische Erkrankungen häufen

Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf rund 250 Familien, bei denen sich die psychiatrischen Erkrankungen stark häufen. „Wir erwarten bei diesen mehrfach belasteten Familien besonders starke genetische Effekte, weshalb Verdachtsgene bei dieser Gruppe absehbar am ehesten festzustellen sind“, sagt Prof. Nöthen. Außerdem sollen im Rahmen eines internationalen Forscherkonsortiums die Analysen von rund 80.000 weiteren Patienten Hinweise auf verdächtige Regionen im Erbgut von Patienten geben. Die Forscher untersuchen so viele Patienten, weil viele verschiedene Gene an der Ausbildung der Erkrankungen beteiligt sind. Um den Beitrag von einzelnen Genen statistisch abgesichert nachweisen zu können, erfordert es sehr viel Proben.

Ausgehend von den genetischen Befunden untersuchen die Wissenschaftler mit Kernspintomographen die Gehirnaktivität von Patienten und gesunden Probanden, um den Zusammenhang zwischen Genen und Erkrankungsursachen besser zu verstehen. „Wir wollen untersuchen, ob bestimmte Erbgutveränderungen bei Patienten zum Beispiel die Signalübertragung im Gehirn beeinträchtigen“, nennt Prof. Nöthen vom Universitätsklinikum Bonn ein Beispiel. Wie sich Verdachtsgene für psychiatrische Erkrankungen auf biologische Prozesse auswirken, wollen die Forscher auch in entsprechenden Tiermodellen untersuchen.

Weitere Tests möchten die Wissenschaftler durchführen, indem sie aus Hautzellen von Patienten Stammzellen gewinnen, die sie in Nervenzellen umprogrammieren. „An diesen so genannten iPS-Zellen lassen sich auch Wirkstoffe mit Blick auf neue Therapien testen“ sagt Prof. Dr. Oliver Brüstle, Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie am Universitätsklinikum Bonn und Leiter des Teilprojekts zu den Stammzellen.

Zwölf Forschungsinstitutionen sind beteiligt

Bei IntegraMent handelt es sich um das bislang umfangreichste Verbundprojekt dieser Art in Deutschland. Daran beteiligt sind neben der Universität Bonn das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, die Charité Universitätsmedizin Berlin, das Helmholtz Zentrum München, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin, das Max-Planck-Institut für Psychiatrie München, die Universitäten Halle, Göttingen, Basel und Greifswald sowie das Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Heidelberg-Mannheim.

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Markus M. Nöthen
Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum Bonn
Tel. +49 (0)228/28751101
E-Mail: markus.noethen@ukb.uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nano-Ampel zeigt Risiko an

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Resteverwerter im Meeresboden

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Biophysik - Blitzlicht aus der Nanowelt

24.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics