Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Ansätze verbessern Wirkung der Strahlentherapie bei Tumoren

20.03.2013
Zwei Forscherinnen der TU München wollen den Heilungserfolg von Tumorerkrankungen nach Strahlentherapie verbessern.

Dabei setzen sie auf neue molekulare Behandlungsansätze, welche die Strahlenempfindlichkeit speziell von Krebszellen erhöhen und die körpereigene Immunantwort gegen den Tumor stimulieren. Im Fokus der Untersuchung stehen sogenannte Hitzeschock- oder Stressproteine (HSPs).


Beim Kräftemessen zwischen Krebstherapie und Tumor spielen die sogenannten Hitzeschockproteine (HSPs) eine ambivalente Rolle: Im Inneren der Tumorzelle unterstützen sie das Überleben der Tumorzelle, indem sie diese gegen Bestrahlung unempfindlich machen. An der Zelloberfläche dagegen weisen die HSPs die Tumorzelle – quasi wie ein Etikett – als entartet aus. Sie spielen damit dem Immunsystem in die Karten, das die Krebszelle daraufhin mit NK-Zellen attackiert. Die schematische Abbildung zeigt eine ideale Therapieoption: die Abtötung der Tumorzellen durch die Interaktion von Strahlentherapie, Hemmstoffen gegen HSPs und NK-Zellen.
Quelle: Dr. Daniela Schilling

HSPs werden von Tumorzellen in großen Mengen gebildet. Im Zellinneren unterstützen HSPs die Faltung von Eiweißen, die für das Wachstum und Überleben von Tumorzellen essentiell und so mitverantwortlich für die Resistenz der Tumorzellen gegenüber Strahlentherapie sind.

In Vorarbeiten konnten Dr. Daniela Schilling und Prof. Gabriele Multhoff, Leiterin der Klinischen Kooperationsgruppe „Innate Immunity in Tumor Biology“ am Helmholtz Zentrum München und am Klinikum rechts der Isar (TU München) zeigen, dass die Hemmung des Hitzeschockproteins Hsp90 im Zellinneren die Wirkung der Strahlentherapie verbessert.

Ein Nachteil der Hsp90-Blockade besteht jedoch darin, dass im Gegenzug andere HSPs von der Tumorzelle verstärkt produziert werden. Die Wirksamkeit der Hsp90-Hemmung könnte dadurch eingeschränkt werden. Diesem Dilemma wollen die Forscherinnen entgehen, indem sie gleichzeitig verschiedene HSPs in Tumorzellen hemmen.

Die Rolle der HSPs für das Tumorwachstum scheint außerdem ambivalent zu sein: Während HSPs im Zellinneren eine Schutzfunktion als „Kindermädchen“ für Eiweiße übernehmen, die das Tumorwachstum fördern, fungieren sie auf der Oberfläche von Tumorzellen als Angriffspunkte für spezielle Immunzellen, die sogenannten Natürlichen Killer (NK)-Zellen. NK-Zellen stellen eine Unterklasse von Immunzellen dar, die Tumorzellen gezielt attackieren. Eine Strahlenbehandlung kann die Menge der HSPs auf der Oberfläche von Tumorzellen steigern. Sie werden dadurch für die NK-Zellen besser erkennbar und angreifbar.

Die Blockade der HSPs im Zellinneren könnte diesen gewünschten Effekt an der Zelloberfläche jedoch negativ beeinflussen. Auch die Wechselwirkung zwischen Tumorzellen und NK-Zellen könnte sich damit verändern. Inwieweit und in welcher Form dies geschieht, wollen Daniela Schilling und Gabriele Multhoff in ihrem Forschungsvorhaben klären.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 190.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Dr. Daniela Schilling und Prof. Gabriele Multhoff, Klinikum rechts der Isar, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie der TU München
Telefon: +49 (0)89 4140 4514
Email:
daniela.schilling@lrz.tu-muenchen.de
gabriele.multhoff@lrz.tu-muenchen.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://tumstrahlen.einzelportal.de
http://www.med.tum.de

Weitere Berichte zu: Eiweiß Immunzelle NK-Zelle Strahlentherapie Tumorwachstum Tumorzelle Zellinneren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie