Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobilfunk: Keine Gesundheitsgefahr feststellbar

23.04.2009
Analyse von 85 Studien zur Strahlenbelastung widerspricht Skeptikern

"Werden Grenzwerte für Strahlungen eingehalten, ist nach heutigem Stand der Wissenschaft mit keiner gesundheitlichen Gefährdung durch den Mobilfunk zu rechnen." Zu diesem Schluss kommt heute der Wissenschaftliche Beirat Funk (WBF), ein Beratergremium des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT).

22 Experten aus verschiedenen Disziplinen analysierten dazu 85 europäische Studien zum Thema Mobilfunk und Gesundheit, die im Vorjahr durchgeführt wurden. "Der wissenschaftliche Wert der herangezogenen Studien sowie das interdisziplinäre Gesamtbild waren Hauptkriterien für diese Aussage", betont der Strahlenphysiker und WBF-Vorsitzende Norbert Vana.

Ganz entgegen diesen Ergebnissen haben immer mehr Menschen Angst vor gesundheitlichen Schäden durch Strahlung, die Mobiltelefone oder Sendeanlagen produzieren. Die SAR-Strahlenwerte eines Telefons sind in Deutschland mittlerweile wichtigster Parameter für die Wahl des Geräts, obwohl laut WBF die Einhaltung der Strahlenwerte bei allen Modellen gegeben sei. In den Augen des Wiener Arbeitsmediziners Christian Wolf sei dies ein primär psychologisches Phänomen. "Laborversuche haben gezeigt, dass besorgte Personen auch dann sensibel reagierten, wenn sie nur scheinbar mit einer Strahlung befeldet wurden." Der Anteil dieser Menschen habe je nach Studie zwischen wenigen Prozent und der Hälfte der Untersuchten variiert. Auch Schlafstörungen in Sendemastnähe hätten ihren Ursprung in den Köpfen. "Vielfach stellt sich die Beeinträchtigung des Schlafs schon vor der Inbetriebnahme des Senders ein", so Wolf.

Wolfs Kollege Alfred Barth betont, dass auch Beeinträchtigungen der Konzentration oder anderer kognitiver Fähigkeiten durch elektromagnetische Felder auszuschließen seien. Während laut WBF auch auf Augen, Ohren und Haut bislang keine negativen Effekte durch Funkstrahlung feststellbar sind, hält Vana eine stärkere Belastung bei Trägern von Piercings für möglich. "Je größer die Metallteile sind, desto stärker können sie elektromagnetische Felder auf sich ziehen. Sie wirken dann wie eine Empfangsantenne." Eine Gesundheitsgefährdung bestehe jedoch auch für Piercing-Träger bei derzeitigen Sendeanlagen nicht.

Das Forschungsinteresse im Zusammenhang mit Mobilfunk habe sich im letzten Jahr verändert, so eines der Ergebnisse der Expertenrunde. "Untersuchungen zu zellbiologischen Fragestellungen nehmen zu und betreffen bereits jede fünfte Studie, selbes gilt auch für Überprüfungen zu technischen Fragen der Exposition und Messverfahren", berichtet Christian Wolf. Knapp jede dritte Untersuchung konzentriere sich auf Aspekte der Befindlichkeit wie Kopfschmerz, Schlaf und Konzentration, während der Zusammenhang mit Tumorbildung mit sieben Prozent aller Studien deutlich seltener geprüft wird als in Vorjahren.

"Untersuchungen zu Tumor- und Krebsentstehung haben das Problem, dass sie das Telefonverhalten nur rückwirkend über Befragungen erheben können. Im Nachhinein unterschätzen Menschen jedoch die Anzahl ihrer Telefongespräche, während sie deren Dauer überschätzen", erklärt Vana. Im Zeitraum von unter fünf Jahren sei kein Zusammenhang zwischen Funkstrahlung und Tumorbildung feststellbar, für längere Zeiträume sei bisher keine wissenschaftlich fundierte Aussage möglich, so der WBF-Vorsitzende.

Dass Plakate in den Arztpraxen vor dem Gebrauch von Mobiltelefonen besonders durch Kleinkinder warnen, wird von den WBF-Vertretern kritisch gesehen. "Diese Aussage hat keine wissenschaftliche Grundlage. Die Ärztekammer wurde mehrmals zur Teilnahme am Beirat eingeladen, doch sie entzieht sich bisher dem Dialog", so Vana auf pressetext-Anfrage. Andere Auswirkungen des Gebrauchs von Mobiltelefonen würden mit der behaupteten Schädigung durch Strahlenbelastung über einen Kamm geschoren, wozu unter anderem die Schädigung der Daumenmuskeln durch das SMS-Schreiben oder der Kauf eines Geräts als Ersatz elterlicher Zuwendung gehörten. "Es stimmt jedoch, dass kleine Menschen Strahlen anders aufnehmen als große. Bei Kindern wurden aber bisher zu wenig Studien durchgeführt, um fundierte Aussagen machen zu können", so der Strahlenexperte.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wbf.or.at
http://www.bmvit.gv.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Klein aber Fein: Das Designhaus "Frankel" aus England

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme

20.11.2017 | Maschinenbau

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie