Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitten durchs Herz

17.11.2011
Herzchirurgen der Universitätsmedizin Mainz implantieren künstliche Hauptschlagader erstmals erfolgreich über die Herzspitze – Verfahren wurde in Mainz entwickelt

Herzchirurgen der Universitätsmedizin Mainz haben ein neues minimal-invasives Verfahren entwickelt, um Erkrankungen der Hauptschlagader mittels einer speziell gefalteten Gefäßprothese zu versorgen. Dabei wählen sie nicht den bisher üblichen Zugang über die Leistenarterie, sondern erstmals über die Herzspitze des schlagenden Herzens.

So können sie auch schwerkranke Patienten, bei denen der Zugang über die Leistenarterie oder andere Gefäße nicht möglich ist, künftig minimal-invasiv therapieren – und ihnen so einen belastenderen offenen Eingriff ersparen. Jetzt kam das neue Verfahren erstmals zum Einsatz.

Bei verschiedenen Eingriffen an der Hauptschlagader stellen minimal-invasive Verfahren in der Regel die Methode der Wahl dar, da sie für den Patienten weniger belastend sind und ein vergleichsweise niedrigeres Risiko haben als ein offener operativer Eingriff. Deshalb wurde auch an der Universitätsmedizin Mainz intensiv daran gearbeitet, Patienten solche innovativen Operationsmethoden anzubieten, um die Hauptschlagader ohne große offene Operation zu behandeln. In diesen Fällen werden zusammengefaltete Stentgraftprothesen über die Leistenarterien in den Körper des Patienten eingebracht und in der endgültigen Zielposition entfaltet und fixiert. Wenn diese Zugänge nicht in Betracht kommen, blieb bei Patienten, die eigentlich für ein derartiges Verfahren geeignet wären, bisher nur die große und ausgedehnte offene Operation übrig.

In Mainz wurde jetzt erstmals ein neues Verfahren angewendet. Das von Prof. Dr. Ernst Weigang, Leiter der Sektion endovaskuläre Gefäßchirurgie an der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, entwickelte Konzept greift die Erfahrungen bei der so genannten „transapikalen Implantation von Aortenklappen“ – also dem Ersatz der Aortenklappe über die Herzspitze – auf. Über einem kleinen Hautschnitt unterhalb der Brustfalte wird ein Führungsdraht über die Herzspitze durch die Herzkammer und die Aortenklappe bis in die Hauptschlagader hineingeführt. Durch diesen schieben die Ärzte eine zusammengefaltete Hauptschlagaderprothese schrittweise über die Herzspitze in das Innere des Herzens und von da über die Aortenklappe hinweg bis in die aufsteigende Hauptschlagader. Dort wird die Prothese so lange vorangeschoben, bis sie in der Zielposition angekommen ist und dort entfaltet. Anschließend werden die Einführungsdrähte zurückgezogen und die Herzspitze mit einer Naht verschlossen.

Die neue Operationsstrategie wurde jetzt erstmals erfolgreich gemeinsam mit Kollegen der Radiologie und der Anästhesie durchgeführt. Der Patientin geht es gut. „Das Besondere dabei ist“, so Univ.-Prof. Dr. Christian Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, „ dass das Herz hier nicht das Zielorgan der chirurgischen Prozedur ist, sondern das Zugangsorgan. Man benötigt also das Herz als Weg, um an einer Stelle außerhalb des Herzens eine therapeutische Prozedur durchzuführen. Fortschritte in der Chirurgie waren in der Vergangenheit vielfach mit einer Weiterentwicklung der Zugangswege verbunden.“

„Natürlich ist es auch eine emotionale Schwelle, aus dem Herz ein Organ für einen Zugangsweg zu einem anderen Organ zu machen. Denn bisher wurde das Herz chirurgisch oder interventionell nur behandelt, wenn es um das Herz selbst ging“, kommentiert Prof. Dr. Ernst Weigang. Trotzdem kann der Gefäßchirurg sich gut vorstellen, dass dieses Verfahren bei solchen Patienten, die anders nicht behandelt werden können, eine wichtige Behandlungsoption werden könnte.

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Christian-Friedrich Vahl,
Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Telefon 06131 17-3208, E-Mail: christian.vahl@unimedizin-mainz.de
Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,

Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.

Caroline Bahnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie