Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mittagsschlaf stärkt das Kurzzeitgedächtnis und verbessert die Erinnerungsfunktion

29.09.2011
Schlafmediziner befürworten Arbeitszeitmodelle mit Ruhephasen / Schichtarbeit besonders kontraproduktiv

Vom 10. bis 12. November treffen sich im Congress Center Rosengarten in Mannheim über 1800 Mediziner zur 19. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) um die neuesten Erkenntnisse über Schlafstörungen und Schlaferkrankungen zu diskutieren. Die Schlafstörungen umfassen mehr als 80 verschiedene Krankheitsbilder.

Neben Störungen des Schlafes wie Ein- und Durchschlafstörungen, gibt es behandlungsbedürftige Schlafstörungen als Begleiterscheinungen von Krankheiten und Therapiemaßnahmen, aber auch solche, die durch Medikamente und Lebensgewohnheiten bedingt sind. Zu letzteren gehören die Schlafstörungen, die durch Schichtarbeit hervorgerufen werden.

Ohne äußere Einflüsse gäbe die innere Uhr des Menschen einen 25-Stundenrhythmus vor, jedoch bedingt vor allem durch den Einfluss des Lichtes als äußerem Zeitgeber passt sich jeder Mensch den sozialen Gegebenheiten des 24-Stunden-Tages an. Synchron laufen innere Rhythmen wie z.B. Körpertemperatur, Leistungsbereitschaft, Herzfrequenz, Blutdruck oder Hormonausschüttungen. Schon kleine Abweichungen in der Synchronisierung dieser Rhythmen, wie z.B. die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit können bei empfindlichen Personen kurzfristig zu Befindlichkeitsstörungen aber auch zu Leistungseinbußen führen.

Schichtarbeiter - insbesondere in Nachtschicht - arbeiten gegen die innere Uhr, ohne die Möglichkeit, sich diesem Rhythmus durch äußere Zeitgeber anzupassen. Dies führt zu Schlafstörungen, sozialen Problemen, vermehrtem Auftreten von Magen-Darm- und Kreislauferkrankungen, Depressionen. Zahlreiche Studien belegen eine erhöhte Unfallrate bei Schichtarbeitern, da Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigt sind. „Alle Unfallforschungen beschreiben schon im normalen Tagesablauf ein Mittagstief und nächtliche Tiefpunkte zwischen 2 und 4 Uhr, das verstärkt sich natürlich im Schichtdienst“, weiß Prof. Dr. Sylvia Kotterba, Chefärztin der Klinik für Neurologie der Ammerland-Klinik Westerstede und Spezialistin in der Erforschung der Auswirkungen von Schichtarbeit auf den menschlichen Organismus.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Folgen der Schichtarbeit haben zu arbeitsmedizinischen Schlussfolgerungen geführt. Möglichst wenige Tage hintereinander sollte in „dem Organismus entgegenlaufenden“ Schichten, also Früh-, Spät- und Nachtschicht gearbeitet werden - Dauernachtschichten sollten generell vermieden werden. „In unserer Gesellschaft ist Schichtarbeit sicher nicht vermeidbar, dennoch sollten chronobiologisch angepasste Arbeitszeitmodelle, also eine Rotation von Früh- über Spät- in Nachtdienst mit anschließender Freizeit mit ausreichenden Ruhephasen, z.B. im Mittagstief ermöglicht werden. Eine halbe Stunde Schlaf über Mittag, das sogenannte Powernapping, kann das Kurzzeitgedächtnis stärken und die Erinnerungsfunktion verbessern. In einem Experiment konnten Forscher der Berkeley-Universität diese These untermauern. Die Forscher um Matthew Walker konnten belegen, dass Schlaf das kognitive Leistungsvermögen nicht nur stärkt, sondern sogar helfen kann, zusätzliche Gedächtnisreserven zu mobilisieren“, erklärt Sylvia Kotterba. In anderen Ländern gehören Zeiten der Mittagsruhe zum normalen Tagesablauf. Ruhezonen in Unternehmen, die einen kurzen Schlaf ermöglichen, wären daher für die Schlafforscherin nicht nur aus diesem Grund durchaus wünschenswert, besonders wenn sich Arbeitszeiten weit in den Nachmittag oder Abend erstrecken. In großem Stil werden sie aber schwer realisierbar sein.

Dieses Thema wird u.a. zur 19. Jahrestagung der DGSM in Mannheim vertiefend diskutiert. Veranstalter dieses Kongresses, welcher zu einem der größten europäischen Fachtreffen, gehört, ist die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Prof. Dr. Maritta Orth, Chefärztin der Medizinischen Klinik III mit den Schwerpunkten Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin des Theresienkrankenhauses Mannheim, Prof. Dr. Karl Hörmann, Prodekan der Medizinischen Fakultät und Direktor der Mannheimer Universitäts-HNO-Klinik und Prof. Dr. Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors des Institutes für Seelische Gesundheit Mannheim, bilden in diesem Jahr die Kongressleitung.

Eingebettet in den Kongress der Schlafmediziner findet am 12. November um 10.30 Uhr ein öffentliches Patientenforum im Theresienkrankenhaus Mannheim statt, zu dem von Schlafstörungen und Schlaferkrankungen Betroffene, aber auch alle interessierten Bürger zu einer Diskussionsrunde mit Schlafexperten und Vertretern von Selbsthilfegruppen eingeladen sind.

Die Kongress-Pressekonferenz findet am 11. November um 14 Uhr im Congress Center Rosengarten Mannheim statt. Eine Einladung dazu mit Themen und Gesprächspartnern erfolgt noch gesondert. Mehr zum gesamten Programm des Kongresses finden Sie unter http://www.dgsm2011.de.

Pressekontakt/Akkreditierung:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Romy Held
Tel.: 03641/3116280
presse@conventus.de

Wolfgang Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgsm2011.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik