Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mistel, Johanniskraut & Co. – sinnvoll bei Krebs?

02.08.2012
Verbundprojekt „KOKON“ klärt über alternative Heilmethoden auf

Welche ergänzenden oder komplementären Heilverfahren gibt es? Wie kann ich selbst meine Behandlung sinnvoll unterstützen? Wo finde ich verlässliche Informationen dazu?

Diese Fragen stellen sich an Krebs erkrankte Menschen immer häufiger: Mehr als die Hälfte aller Betroffenen greifen im Verlauf der Therapie auf Komplementärverfahren zurück.

Das jetzt gestartete „KOKON“-Projekt, ein Zusammenschluss mehrerer Kliniken und Forschungsinstitutionen, hat das Ziel, verlässliche und wissenschaftlich ausgewertete Informationen für Patienten und alle in der Onkologie beschäftigten Berufsgruppen bereitzustellen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2,5 Millionen Euro.

In der häufig lebensbedrohlichen Situation einer Krebserkrankung wollen viele Betroffene nichts unversucht lassen. Neben der schulmedizinischen Behandlung suchen viele Krebspatienten nach alternativen und komplementären Therapieformen.

„Dabei stoßen sie auf ein schier endloses Angebot an Methoden und Heilmitteln, Philosophien und Ratschlägen“, erklärt Dr. Markus Horneber vom Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Klinikum Nürnberg. Neben einer Vielzahl an pflanzlichen Präparaten werden auch Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Entspannungstechniken und körperliches Training sowie Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin angeboten.

„Es ist schwer, sich in dieser Informationsvielfalt zurechtzufinden. Nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte und Pflegekräfte“, so Horneber weiter. Der Mediziner ist Sprecher des wissenschaftlichen Verbundprojektes „ Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe, kurz „KOKON“. Auch qualitativ decken Komplementärverfahren eine große Bandbreite ab: „Von seriösen Methoden bis hin zu gefährlichem Pfusch ist alles möglich“, so Horneber weiter. Auch das am harmlosesten erscheinende Präparat könne beispielsweise die Wirkung einer Chemotherapie stören.

Ziel des Projektes ist es, das Wissen über alternative Methoden in der Krebstherapie zu sammeln und wissenschaftlich zu bewerten. Dazu werden zunächst Krebspatienten und im Gesundheitswesen Tätige zu ihren Informationsbedürfnissen befragt. Diese Erkenntnisse sollen zukünftig in Form einer allgemein zugänglichen Informationsplattform verfügbar sein. Zudem wollen die Experten ein Netzwerk von Beratungsstellen einrichten, an die sich Interessierte wenden können. Fort- und Weiterbildungsangebote für Ärzte und Pflegekräfte runden das Programm ab.

„Uns geht es vor allem darum, dieses Feld der Patientenversorgung zu professionalisieren“, erläutert Horneber. „Bei vielen Betroffenen ist es zudem nicht notwendig, zu fragen, welche Therapie in Frage kommt, sondern ob es überhaupt sinnvoll ist, auf komplementäre Verfahren zurückzugreifen.“ Generell gilt: Komplementärmedizinische Methoden sollten immer nur ergänzend zu einer professionellen onkologischen Behandlung durch Fachärzte angewendet werden. Sie können aber die Nebenwirkungen der belastenden Therapie lindern und Hilfen für die Auseinandersetzung mit der Krankheit bieten.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe betont: „Mit diesem Kompetenznetzwerk kommt die Deutsche Krebshilfe dem Wunsch vieler Patienten nach, verlässliche und wissenschaftlich gesicherte Informationen über komplementäre Therapieverfahren bereitzustellen. Eines unserer Hauptanliegen ist es, eine qualitätsgesicherte Informationsplattform zu schaffen, auf die alle Krebspatienten zugreifen können.“

Neben dem Klinikum Nürnberg ist eine Reihe weiterer Forschungsinstitutionen an „KOKON“ beteiligt: die Charité Universitätsmedizin Berlin, die Universität Frankfurt am Main, das Klinikum Fürth, die Universität Greifswald, die Klinik für Tumorbiologie Freiburg, die Universitätsklinik Fürth, die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, das Hans-Bredow-Institut in Hamburg sowie die Universitätsmedizin Rostock.

Interviewpartner auf Anfrage!

Hintergrund-Information: Krebsforschung

Die Fortschritte in der Krebsforschung haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, neue und wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Diese Erfolge sind im Wesentlichen auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe etwa 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

Projektnr.: 109863

Christiana Tschoepe | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie