Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikrochips helfen Blinden, wieder zu sehen

04.09.2008
Winzige elektronische Chips können erblindeten Menschen helfen, einen Teil ihres Sehvermögens wiederzuerlangen.

Weltweit arbeiten etwa 20 Forschergruppen an der Entwicklung solcher Netzhautimplantate. Im Rahmen klinischer Studien kommen mittlerweile erste Prototypen zum Einsatz.

Deutsche Wissenschaftler nehmen hierbei eine Spitzenposition ein. Einblick in den Stand der Forschung gibt der 106. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), der im September in Berlin stattfindet.

Netzhautchips können bei einigen Blinden die Funktion der zerstörten Sehzellen übernehmen. "Eine Implantation ist möglich, wenn zwar die lichtempfindlichen Sinneszellen der Netzhaut zerstört, der Sehnerv und die dazugehörigen Hirnregionen jedoch noch intakt sind", erläutert Professor Dr. med. Eberhart Zrenner, ärztlicher Direktor, Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen. Dies ist zum Beispiel bei Patienten mit der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa der Fall. Menschen, die an der Krankheit leiden, erblinden meist im mittleren Erwachsenenalter.

Die Arbeitsgruppe um Zrenner hat bislang neun Patienten mit einem Netzhautchip ausgestattet. Dieser ist mit etwa 1 500 Elektroden bestückt und wird direkt unter der Netzhaut eingepflanzt. Ein dünnes, unter der Haut verlaufendes Kabel versorgt ihn mit Strom. "Der Chip ist das einzige Implantat in klinischer Erprobung, bei dem die Bildaufnahme im Auge selbst erfolgt", berichtet Zrenner. In das Auge einfallendes Licht wandelt der Chip in elektrische Impulse um.

Diese stimulieren die noch gesunden Nervenzellen der Netzhaut. Über den Sehnerv gelangen die Signale schließlich zum Gehirn und führen so zu Seheindrücken bei den Betroffenen. "Nach Einsetzen des Chips waren die Patienten in der Lage, alltägliche Objekte wie Teller oder Tassen zu lokalisieren. Zudem konnten sie sich anhand der Lichtquellen im Raum orientieren", erläutert Professor Zrenner die Erfolge der bisher durchgeführten Implantationen.

Neben der Tübinger Arbeitsgruppe um Zrenner arbeiten in Deutschland noch Wissenschaftler der RWTH Aachen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf an Netzhautimplantaten. "Im internationalen Vergleich nehmen deutsche Wissenschaftler auf diesem Gebiet eine führende Position ein", berichtet Professor Dr. med. Frank G. Holz, Präsident der DOG. Diesen Vorsprung gelte es beizubehalten und auszubauen, so Holz weiter. Denkanstöße für mögliche Weiter¬entwicklungen soll auch der 106. DOG-Kongress liefern, der im September in Berlin stattfindet. Netzhautchips und deren Anwendung sind ein zentraler Schwerpunkt des Kongresses.

Terminhinweise:

Kongresssitzung: Wiederherstellung von Sehleistungen bei Blinden -
Stand der Forschung
Freitag, 19. September 2008, 14.30 bis 16.30 Uhr,
Estrel Hotel Berlin, ECC Raum 4, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Rückfragen:

Pressestelle 106. DOG-Kongress
Silke Stark
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931 572, Telefax: 0711 8931 167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog2008.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie