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Migräne: Bakteriengift hilft chronisch Kranken

28.09.2009
Das Bakteriengift Botulinumtoxin A - besser bekannt als "Botox" - kann Patienten helfen, die unter einer chronischen Migräne leiden.

Wie Experten heute auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Nürnberg berichteten, haben zwei große Studien gezeigt, dass die Injektion von kleinen Mengen Botulinumtoxin in Kopf-, Gesichts-, und Nackenmuskeln zu einer deutlichen Besserung des Leidens führt.

Bekannt und oft belächelt als Faltenstraffer für alternde Filmstars und dauergrinsende Manager steht dem Bakteriengift Botulinumtoxin A ("Botox") womöglich eine neue Karriere als Arzneimittel gegen die chronische Migräne bevor: So hat eine Studie mit fast 1400 europäischen und nordamerikanischen Patienten ergeben, dass Injektionen mit dem Toxin innerhalb von vier Wochen die Zahl der Kopfschmerztage deutlich stärker verringerte, als die Injektion einer wirkungslosen Scheinsubstanz (Placebo).

Zum Ende des 24-wöchigen Versuchszeitraums hatten die Patienten etwa neun schmerzfreie Tage im Monat gewonnen, berichtete Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Bei der chronischen Migräne leiden die Patienten über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten mehr als 15 Tage im Monat an ihren Schmerzen.

Botolinumtoxin war in den vergangenen Jahren auch zur Verhinderung von Krankheitsattacken bei der episodischen Migräne erprobt worden, die den Großteil der Patienten betrifft. Diese Versuche waren jedoch erfolglos verlaufen. Nach aktuelle Zahlen, die auf dem DGN-Kongress präsentiert wurden, leiden etwa 10 bis 12 Prozent der Bevölkerung unter einer Migräne; Frauen sind davon etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Etwa vier Prozent der Bevölkerung lebt mit chronischen Kopfschmerzen.

Botulinum-Präparate werden schon seit vielen Jahren bei Patienten mit schweren chronisch-neurologischen Erkrankungen eingesetzt, oder auch bei Kindern und Jugendlichen mit Bewegungsstörungen infolge früher Hirnschädigungen (Zerebralparesen). Bei bestimmten Verkrampfungen und Fehlhaltungen (Dystonien) gilt der Wirkstoff als Therapie der ersten Wahl, betont die DGN in ihren aktuellen Leitlinien.

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
ist Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen, Tel.: +49 201 723 2460, mobil: +49 171 73 888 00, Fax: +49 201 723 5901. E-Mail: hans.diener@uni-duisburg-essen.de

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

Ansprechpartner für die Medien: Frank A. Miltner, Tel: 089 46148622,
E-Mail: presse@dgn.org
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Geschäftsstelle, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930
Geschäftsführer: Prof. Dr. med. O. Busse
1. Vorsitzender Prof. Dr. med. Heinz Reichmann

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

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