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MHH-Forscher ebnet Weg für neue Blutkrebs-Therapie

19.08.2010
Leukämieentstehung bei Kindern mit Down-Syndrom klarer / Alternative zur Chemotherapie aufgezeigt

Chemotherapie. Das ist der gängige Weg, mit dem Ärzte Leukämie bei Kindern behandeln. Da diese Therapie nicht nur die Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen angreift, suchen Wissenschaftler nach Alternativen.

Für eine bestimmte Form der Leukämie hat das Team um Dr. Jan-Henning Klusmann und Professor Dr. Dirk Reinhardt, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), nun neue Therapiemöglichkeiten aufgezeigt. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journals für Entwicklungsbiologie „Genes and Development“.

Die Wissenschaftler erforschen die Rolle des Chromosoms 21 bei der Blutbildung. Sie wählten es aus, weil es bei vielen Kindern mit Leukämie Veränderungen aufweist. Darüber hinaus erkranken Kinder mit Down-Syndrom, bei denen das Chromosom 21 dreifach vorliegt (Trisomie 21), wesentlich häufiger an Leukämie als gesunde Kinder: das Risiko ist bis zu 500-mal so hoch.

In einer bereits im März 2010 in der Fachzeitschrift „Genes and Development“ publizierten Arbeit beschreibt die Arbeitsgruppe um Dr. Klusmann und Professor Reinhardt erstmals ein Gen auf Chromosom 21, das für das gesteigerte Auftreten einer speziellen Form von Leukämie – der so genannten akuten megakaryoblastären Leukämie (ML-DS) – bei Kindern mit Down-Syndrom verantwortlich ist.

Es handelt sich um das Gen miR-125b-2. Er beobachtete zudem, dass es bei der Leukämieentstehung mit dem Regulator der Blutbildung namens GATA1 kooperiert, der bei den kranken Kindern mutiert ist.

Darauf aufbauend beschreibt Dr. Klusmann in seiner aktuellen Veröffentlichung erstmals einen bis dahin unbekannten Signalweg bei der Blutbildung im Fötus: In der Leber des Fötus wird ein Faktor gebildet, der Insulin-like growth factor 2, der zur Vermehrung so genannter Blutvorläuferzellen führt. GATA1 kann dieses Wachstum stoppen, so dass sich anschließend aus den Vorläuferzellen Blutplättchen entwickeln können. Ist GATA1 mutiert, so wie es bei dieser Leukämieform der Fall ist, stoppt das Wachstum nicht. Die Zellen vermehren sich unkontrolliert weiter – Krebs entsteht.

„Da wir den Weg der Krebsentstehung nun kennen, können wir zukünftig therapeutisch in die Leukämieentstehung eingreifen. In einem nächsten Schritt führen wir klinische Studien mit einem Medikament durch, dass das Zellwachstum spezifisch stoppt. Wir gehen davon aus, dass es in zwei bis drei Jahren für Patienten verfügbar ist“, sagt Dr. Klusmann. „Die Ergebnisse sind für alle Leukämie-Formen wichtig, da häufig Veränderungen des Chromosoms 21 vorzufinden sind.“

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Klusmann, MHH-Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Telefon (0511) 532-3252,

klusmann.jan-henning@mh-hannover.de.

Die Originalarbeiten finden Sie unter
http://genesdev.cshlp.org/content/24/5/478.full?sid=84731d5c-9ca0-420b-9772-5bebff5c7565 und http://genesdev.cshlp.org/content/24/15/1659.full

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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