Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH erforscht in der Zelle das Prinzip Bewegung

23.01.2009
DFG fördert Forschergruppe "Molekulare Mechanismen zellulärer Motilität" erneut für drei Jahre mit 2,3 Millionen Euro

Ohne Myosine würde kein Herz schlagen, kein Auge sehen, sich keine Zelle teilen. Denn diese Proteine sind die Motoren des Körpers. Selbst innerhalb der Zellen sind sie unentbehrlich für den Transport der Zellbestandteile, etwa der Vesikel und Organellen.

Myosin schafft dies, indem es mit Hilfe anderer Proteine - vor allem mit Aktin - chemische Energie in Kraft und Bewegung verwandelt. Um die Prinzipien zu entschlüsseln, die diesen so genannten motilen Prozessen zu Grunde liegen, untersuchen Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter der Leitung von Professor Dietmar J. Manstein, Leiter des Institutes für Biophysikalische Chemie, einzelne dieser Myosin-Proteine, aber auch aus wenigen Proteinen bestehende Modellsysteme.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschergruppe seit Beginn des Jahres 2009 erneut mit 2,3 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Damit können die Wissenschaftler um Professor Manstein und Professor Dr. Bernhard Brenner, Leiter des MHH-Instituts für Molekular- und Zellphysiologie, sowie Forscher um Professor Dr. Jürgen Wehland vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Professor Dr. Eckhard Mandelkow, Max-Planck-Arbeitsgruppe für Strukturbiologie in Hamburg, ihre Arbeiten auf jeden Fall bis 2012 fortsetzen.

Die Wissenschaftler messen beispielsweise die Kraft einzelner Motormoleküle. Als Modell nutzen sie dafür den einfachen Modellorganismus der Amöbe Dictyostelium discoideum. Er eignet sich besonders, weil sein Zellskelett und seine Motorproteine denen des Menschen sehr ähneln. "Menschliches Aktin könnte mit dem Myosin aus Dictyostelium zusammen funktionieren", erläutert Professor Manstein. Dictyostelium-Zellen sind darüber hinaus molekulargenetisch und biochemisch leicht zugänglich, zeigen verschiedene Formen der Zellbewegung und durchlaufen ein einfaches Entwicklungs- und Differenzierungsprogramm.

Dazu ergänzend untersuchen die Wissenschaftler menschliche Zellen und führen genetische Experimente an Mäusen durch. "Unser Ziel ist es, die Funktion der Proteine zu verstehen sowie die Veränderungen, die mit Mutationen einhergehen. Damit können wir die biochemischen Prozesse im Menschen verstehen und Substanzen entwickeln, die Krankheiten entgegenwirken", sagt Professor Manstein.

Neue Therapiemöglichkeiten erhoffen sich die Forscher beispielsweise bei der Myosinart, die für die Zellteilung wichtig ist und deren gezielte Hemmung somit das Wachstum von Tumoren verhindern könnte. "Aber auch das Gegenteil wäre möglich - beispielsweise könnte man bei eingeschränkter Herzmuskelfunktion die Muskelkontraktion mit Hilfe kleiner Wirkstoffsubstanzen fördern", sagt Professor Manstein.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Projektleiter Professor Dr. Dietmar Manstein, Telefon (0511) 532-3700, manstein.dietmar@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie