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MHH bietet neues Diagnoseverfahren bei Brustkrebs

31.10.2011
Biomarker-Test gibt Auskunft darüber, ob Chemotherapie nach Operation sinnvoll ist / Vereinbarung mit zwei Krankenkassen

Mehr als 55.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich an Brustkrebs, allein in der Region Hannover gibt es jedes Jahr zwischen 1.000 und 1.400 Neuerkrankungen.

Normalerweise folgt für die Betroffenen nach der Entfernung des Tumors eine vorbeugende Chemotherapie, um das Risiko einer Metastasenbildung zu reduzieren. Doch nicht für alle Frauen ist die körperlich und seelisch belastende Chemotherapie wirklich sinnvoll.

An der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt es für die betroffenen Frauen jetzt einen Test, der Auskunft darüber gibt, ob nach einer Operation eine Chemotherapie medizinisch notwendig ist. Dabei erfolgt auch eine umfassende Beratung der Patientinnen. Einige Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten: Mit der Techniker Krankenkasse (TK) und der Betriebskrankenkasse (BKK) Mobil Oil hat die MHH bereits entsprechende Vereinbarungen getroffen.

„Es gibt ein gutes Vorsorgesystem und viele Frauen sind über das Thema Brustkrebs aufgeklärt. Deshalb werden die meisten Erkrankungen heute glücklicherweise in einem relativ frühen Stadium erkannt“, sagt Professorin Dr. Tjoung-Won Park-Simon, stellvertretende Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der MHH und Bereichsleiterin Gynäkologische Onkologie. „Bei der Mehrzahl der Patientinnen sind die Lymphknoten nicht befallen. Dennoch wird in Abhängigkeit von den biologischen Risikofaktoren auch im frühen Stadium eine vorbeugende Chemotherapie empfohlen – ob sie die erwünschte Wirkung hat, ist aber nicht klar. „Alles deutet darauf hin, dass viele Frauen, bei denen kein Lymphknotenbefall vorliegt, die Belastungen und Nebenwirkungen einer Chemotherapie ertragen müssen, ohne einen gesundheitlichen Nutzen daraus zu ziehen. Sie werden schlichtweg übertherapiert, die Entfernung des Tumors, gegebenenfalls mit Bestrahlung, hätte ausgereicht“, erklärt Professorin Park-Simon. Nur bei etwa einem Drittel der Frauen sei die Chemotherapie tatsächlich angezeigt, um der Entstehung von Metastasen vorzubeugen.

Bei dem Test, den die MHH ihren Patientinnen anbietet, handelt es sich um die Untersuchung sogenannter Biomarker, also charakteristischer biologischer Merkmale, die als Indikatoren für Krankheiten gelten. Zu diesen prognostischen Markern gehören das Eiweiß Urokinase Plasminogen Aktivator (uPA) und dessen Gegenspieler PAI-1. Ist der Anteil an uPA/PAI-1 im Tumorgewebe niedrig, haben Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium, bei denen keine Lymphknoten befallen sind, besonders gute Heilungschancen. Überschreitet der Anteil einen bestimmten Schwellenwert, ist eine Chemotherapie ratsam.

Für den Biomarker-Test ist eine Gewebeprobe aus dem Tumor erforderlich. Diese entnimmt der Chirurg während der Operation, anschließend wird sie von einem Pathologen untersucht. „Weil Frischgewebe benötigt wird, sollten die Patientinnen den behandelnden Arzt unbedingt vor der Operation auf den Test ansprechen“, rät Professorin Park-Simon. Zurzeit sind für Brustkrebs drei verschiedene Biomarker-Tests auf dem Markt. Die MHH bietet den Test „Femtelle“ an. Er wird von Fachgremien wie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. und der American Society of Clinical Oncology empfohlen.

Der Test gehört nicht zu den Regelleistungen der Krankenkassen. Die Frauenklinik der MHH hat darüber jedoch Vereinbarungen mit der Techniker Krankenkasse und der BKK Mobil Oil getroffen. Für Patientinnen aus der Region Hannover, die bei diesen Krankenkassen versichert sind, ist der Test kostenlos. Der behandelnde niedergelassene Arzt kann seine Patientin dafür an die MHH, aber auch an jedes andere Brustzentrum, das sich den Verträgen angeschlossen hat, überweisen.

Grundsätzlich steht der Test in der MHH allen betroffenen Frauen zur Verfügung, sie müssen ihn jedoch selbst bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Dr. Tjoung-Won Park-Simon, MHH-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Telefon (0511) 532-9546, E-Mail park-simon.tjoung-won@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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