Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MELK/ICM-Technologie sagt Behandlungsmethode für ALS-Patienten korrekt voraus

01.12.2014

Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) beruht auf einer unaufhaltsam und rasch fortschreitenden irreversiblen Lähmung der Muskulatur, da bestimmte Nervenzellen, die die Muskulatur steuern, degenerieren. Es wurden bisher über 50 klinische Behandlungsstudien durchgeführt, deren Therapiekonzepte sich allerdings als unwirksam erwiesen.

In den Jahren 1999 und 2001 erhielt der Arzt Walter Schubert, Hochschullehrer und Gründer der Arbeitsgruppe Molekulare Mustererkennung an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, im Rahmen zweier Forschungsprojekte (DFG-Innovationskolleg INK15 sowie BioChance des BMBF, 1994-2001) drei US- amerikanische und europäische Patente, die ein Zielmolekül sowie verschiedene darauf ausgerichtete Behandlungsverfahren der ALS beschrieben.

Durch die Anwendung eines exakten Messverfahrens MELK/ICM (Multi-Epitop-Ligand Kartographie/Imaging Cycler Mikroskopie)-, konnte hier ein sogenanntes Multi-Protein-Cluster (CD16+), welches in bestimmten Zellen des Blutes bei ALS-Patienten vorkommt, kartiert werden.

Dieses Protein-Cluster wird jetzt in einer klinischen Studie (Phase II) zur Behandlung bei ALS gezielt angesteuert und erfolgreich herunterreguliert (doi:10.3109/21678421.2014.951940). Bei ca. 30% der ALS-Patienten wird ein statistisch signifikanter Stopp des Fortschreitens der Krankheit beobachtet (doi: 10.1517/13543784.2014.933807).

Eine weitere klinische Phase III ist geplant. Diese Studie belegt die hohe Vorhersagegenauigkeit der von Schubert entwickelten und seiner Arbeitsgruppe angewandten hypothesenfreien Messmethode (Schubert W (1997) Automated device and method for measuring and identifying molecules or fragments thereof. European patent EP 0810428 B1 [see also Schubert W. US patent 6,150,173 (2000); Japanese patent 3739528 (1998)].).

Der Vorteil dieser Methode - ein zyklisches mikroskopisches Verfahren (heute unter dem Begriff der Imaging Cylcer Mikroskopie zusammengefasst (doi: 10.1073/pnas.1319017111) - erlaubte es erstmals, genaue „Landkarten“ (sogenannte Toponome) normaler sowie gestörter Wechselwirkungen zwischen zellulären Proteinen direkt in gesunden sowie kranken Zellen und Geweben zu erstellen.

Die bei ALS gefundenen Toponomkarten zeigten das Molekül CD16 (FCgammaRIII) als sogenanntes Leitprotein. Da Leitproteine solche Toponome kontrollieren, wird deren therapeutische Intervention zu einem Zusammenbruch der krankmachenden Toponome führen, so sagen es die oben benannten Patente aus (Schubert W (1999) Method of blocking cytotoxic activity in patients with amyotrophic lateral sclerosis using antibodies to FcγRIII.

United States patent US 6,638,506; Schubert W (2001a) Method of blocking cytotoxic activity in patients with amyotrophic lateral sclerosis using protein V. United States patent US 6,638,515; Schubert W (2001b) Method of blocking cytotoxic activity in patients with amyotrophic lateral sclerosis using soluble FcγRIII receptors”. United States patent US 6,649,165).

Die vorliegende klinische Studie bestätigt diesen Zusammenhang nun auch klinisch, da die Progredienz der Krankheit so gestoppt werden kann. Ähnliche Forschungen der Arbeitsgruppe Schubert und Kooperationspartner haben auch in anderen Zelltypen, wie beispielsweise in Tumorzellen, die Rolle von Leitproteinen gezeigt: wenn sie blockiert werden, fällt das tumor-spezifische Toponom zusammen, und die Tumorzelle verliert die Fähigkeit, sich räumlich zu orientieren und zu wandern (doi:10.1038/nbt1250).

Dies und die jetzigen Belege bei ALS zeigen, dass hochdimensionale Toponomkarten in intakten Geweben des Menschen eine notwendige und hinreichende Bedingung für die Entwicklung zielgenauer Therapien und diagnostischer Verfahren sind.

Schubert schlägt daher ein Zentrum für Toponomforschung vor, in dem beispielsweise die gesamten ALS spezifischen Proteinnetzwerke im Vergleich zu anderen chronischen Krankheiten entschlüsselt werden sollen. Technisch sei das grundsätzlich möglich. Die Früherkennung bei ALS und anderen chronischen Krankheitsprozessen sowie die Entwicklung wirksamerer Medikamente könnte so erheblich vorangetrieben werden.

Ansprechpartner:
HD Dr. med. Walter Schubert, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Mustererkennung, Zentrum für zelluläre Bildgebung und innovative Krankheitsmodelle (ZEBIK), Medizinische Fakultät der OVGU Magdeburg, Tel.: 0391-6117-175, E-Mail: walter.schubert@med.ovgu.de

Weitere Pressemitteilungen zur Toponomtechnologie:

http://www.idw-online.de/pages/de/news?print=1&id=454456
http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/root,did=45502.html
http://www.idw-online.de/pages/de/news?print=1&id=226662
http://www.idw-online.de/pages/de/news?print=1&id=274282
http://www.idw-online.de/pages/de/news?print=1&id=454401
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/prst/pmi2008/90.shtml 

Kornelia Suske | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten