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Mehr Behandlungsoptionen für Myome

14.11.2012
Myome der Gebärmutter sind die häufigsten gutartigen Tumore bei Frauen im gebärfähigen Alter. Nicht immer machen sie Beschwerden, aber bis zu 25 Prozent der betroffenen Frauen haben Symptome, wie eine verstärkte oder verlängerte Periodenblutung, ein Druckgefühl im Bauch oder dauernden Harndrang, wenn die Geschwulst auf die Blase drückt.

Am 17. November 2012 dreht sich beim Symposium „Interdisziplinäre Myom-Therapie“ im Münchner City Hilton Hotel alles um die Behandlung von Myomen, die Beschwerden machen. Die wissenschaftliche Organisation haben dabei die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie und die Deutsche Gesellschaft für Gynä-kologie und Geburtshilfe inne.

Das wissenschaftliche Komitee bilden vom Klinikum der Universität München Prof. Dr. Maximilian Reiser (Direktor des Instituts für Klinische Radiologie) und Oberarzt Dr. Christoph Trumm, Prof. Dr. Klaus Friese (Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauen- und Geburtshilfe) und Dr. Alexander Burges (Oberarzt und Leiter der Myom-Sprechstunde am Klinikum) sowie vom Klinikum Bogenhausen Prof. Dr. Thomas Helmberger, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin.

„Bei der Veranstaltung geht es darum, aktuelle Standards zur klinisch-bildgebenden Diagnostik und Therapie sowie neue Optionen der Myombehandlung zu zeigen“, erklärt Radiologe Dr. Christoph Trumm. Von radiologischer Seite gibt es zwei Möglichkeiten, Myome unblutig zu entfernen. Einmal die sogenannte Myomembolisation, bei der die Myom-versorgenden Gefäße verschlossen werden. Dies geschieht im Regelfall durch das Einschwemmen kleiner Kügelchen, die die Myomgefäße verstopfen und so die Blutversorgung der gutartigen Geschwulst unterbinden.

„Dies bewirkt eine Schrumpfung des Myoms, die Beschwerden bessern sich nach einigen Wochen“, erklärt Dr. Trumm. Erreicht wird der Verschluss der Blutgefäße durch einen Katheter, der unter Röntgenkontrolle von der Leiste aus bis zum Myom geführt wird. „Das Verfahren ist gutetabliert, weltweit wurde es etwa 800.000 Mal durchgeführt“.

Relativ neu ist dagegen die Behandlung mit hochintensiven fokussierten Ultraschallwellen (High Intensity Focused Ultrasound, HIFU). Bisher kannten Patientinnen Ultraschall nur als Instrument zur Diagnose. „Beim hochfokussierten Ultraschall sind die Wellen 10.000 Mal stärker als beim diagnostischen“, so Trumm. „Dadurch kann in einem sehr kleinen Areal Hitze zwischen 55 und 90 Grad erzeugt werden. Das Myomgewebe wird Schritt für Schritt erwärmt und dadurch so weit geschädigt, dass es abstirbt.

Im Anschluss an die Behandlung transportiert das körpereigene Immunsystem das behandelte Gewebe ab und das Myom schrumpft“, sagt Trumm. Die Ultraschallenergie wird durch die intakte Bauchhaut hindurch in den Körper eingebracht. Damit die Haut und umliegendes Gewebe keinen Schaden nehmen, erfolgt die gezielte Zufuhr von Ultraschallenergie unter ständiger Sichtkontrolle von Myom und benachbartem Gewebe durch MRT-Aufnahmen.

Mittels MRT (Magnet Resonanz Tomographie) kann aber nicht nur die Anatomie exakt überwacht werden, sondern es können auch Temperaturunterschiede innerhalb von Geweben gemessen werden – ganz ohne Thermometer. „Dadurch stellen wir sicher, dass die hohe Temperatur wirklich nur im Myom erreicht wird und nicht etwa umliegendes Gewebe miterwärmt und geschädigt wird“, sagt Trumm. Mit dem hochfokussierten Ultraschall können Myome bis zu einem Durchmesser von 10 Zentimetern zerstört werden. Nach der Behandlung kann die Patientin noch am selben Tag nach Hause gehen, eine Narkose ist nicht erforderlich. Noch stellt dieser Eingriff, der ca. 4000€ kostet, keine Standardleistung der meisten Krankenkassen dar. Im Einzelfall kann aber eine Kostenübernahme beantragt werden.

Ob für eine Patientin radiologisch-minimalinvasive Methoden oder gynäkologische Therapieverfahren in Frage kommen, wird individuell in der Myom-Sprechstunde besprochen. „Wir möchten jeder Patienten das für sie beste Verfahren anbieten“, sagt Gynäkologin Dr. Sophie Fürst. Relativ neu ist die Gabe des Wirkstoffs Ulipristalacetat, der eigentlich bisher als „Pille danach“ eingesetzt wurde. Ulipristalacetat wirkt wie ein Antihormon, die Blutungen gehen zurück. „Zugelassen ist das Präparat vor einer Operation für drei Monate“, erklärt Dr. Fürst. „Dadurch verkleinern sich die Tumore, wir können leichter operieren“. Wie wirksam das Medikament wirklich ist, wird gerade noch einmal in einer klinischen Studie überprüft. Auch über eine Langzeitbehandlung gibt es noch keine wissenschaftlichen Daten.

Myome, die Beschwerden verursachen, werden immer noch in der Mehrzahl der Fälle operativ entfernt. Welche Methode dafür infrage kommt, hängt davon ab, wo die Geschwulste liegen, etwa in der Außenwand der Gebärmutter, in der Höhle oder an einem Stiel gewachsen. „Man kann ein Myom durch die Scheide schichtweise abtragen, mittels Schlüssellochtechnik entfernen, oder aber die Gebärmutterschleimhaut veröden“, sagt Dr. Fürst. „Neben der Lage der Tumore ist entscheidend, ob noch ein Kinderwunsch besteht oder ob etwa bald die Wechseljahre anstehen“. Ist die Familienplanung bereits abgeschlossen, besteht auch die Möglichkeit einer Gebärmutterentfernung; diese kann per Schlüssellochtechnik, per Bauchschnitt oder auch über die Scheide und somit ohne sichtbare Narben erfolgen. Dass mit einem großen Bauchschnitt operiert wird, ist heute relativ selten. Im Vordergrund stehen schonende Verfahren, die den Frauen eine schnelle Genesung garantieren.
Ansprechpartner:
Dr. Sophie Fürst
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Campus Großhadern
Sophie.Fuerst@med.uni-muenchen.de
Telefon 089/ 7095-0

Rita Schaupp/Dr. Christoph Trumm
Institut für klinische Radiologie, Campus Großhadern
Rita.Schaupp@ med.uni-muenchen.de
Christoph.Trumm@med.uni-muenchen.de
Telefon 089/ 7095-3620

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2011 an den Standorten Großha-dern und Innenstadt 466.909 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen sowie 35 interdisziplinäre Zentren verfügen über mehr als 2.200 Betten. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2011 rund 75 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öf-fentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Mu-nich (QBM)“.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.imt2012.org/
http://www.uni-muenchen.de

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