Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Ärzte sollten Rheuma-Patienten mit Gelenkersatz Sport empfehlen

26.08.2014

Gezielter Muskelaufbau stabilisiert Prothese

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 209 000 künstliche Hüftgelenke und 147 000 Knieendoprothesen implantiert, die meisten aufgrund von Arthrose, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder nach einem Unfall.

Nach Einsatz eines künstlichen Gelenks meiden immer noch zu viele Patienten sportliche Aktivitäten, weil sie einen vorzeitigen Verschleiß oder eine Lockerung des Kunstgelenks befürchten. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im Vorfeld des Kongresses hin.

Auf einer Vorab-Pressekonferenz am 10. September 2014 in Berlin erklären sie, wie Rheuma-Patienten mit Gelenkersatz oder nach rheumachirurgischen Operationen weiterhin Sport treiben oder sich neue Sportarten erschließen können.

Von 15,7 Millionen Operationen im Jahr 2012 wurden alleine mehr als ein Viertel (4,4 Millionen) Operationen an den Bewegungsorganen durchgeführt (DRG-Statistik 2012, Statistisches Bundesamt). Hierin sind die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (RA) eingeschlossen.

Viele Rheuma-Patienten benötigen innerhalb von 20 Jahren ein künstliches Gelenk. „Vielen ermöglicht das künstliche Gelenk wieder, Sport zu treiben. Dies verbessert sogar den Erfolg der Operation”, sagt Dr. med. Christine Seyfert, Kongresspräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) von den Zeisigwaldkliniken Bethanien Chemnitz.

Denn ein gezielter Muskelaufbau stützt die schmerzenden Gelenke und entlastet die Endoprothese. „Leider nutzen viel zu wenige Patienten diese Chance”, so die Fachärztin für Rheumatologie, Orthopädie und Unfallchirurgie.

„Sportliche Ambitionen sollten wir als Ärzte fördern, von Hochleistungsansprüchen rate ich jedoch den meisten Patienten ab”, sagt Seyfert. Eine amerikanische Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Leistungssport und häufige Trainingseinheiten die Lebensdauer von Implantaten verkürzen können.

Zudem gehen geschädigte Gelenke meist mit schwachen Muskeln einher. Diese müssen die Patienten zunächst wieder aufbauen. Die DGORh empfiehlt drei- bis viermal pro Woche spezielle Übungen von insgesamt 2,5 Stunden mit speziellem Training für die kurze Muskulatur.

Dazu zählen zum Beispiel die kleinen Muskeln im Rücken, welche die Wirbelkörper miteinander verbinden. Gut trainiert stabilisieren diese Muskeln die Gelenke und bieten den optimalen Schutz, indem sie Scherkräfte reduzieren, die den Gelenkverschleiß begünstigen.

Für alle Patienten gelten folgende Sportarten als geeignet: „Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking können bedenkenlos empfohlen werden”, sagt Seyfert. Reiten, Tennis und Skifahren bei entsprechender technischer Expertise, von Fußball, Basketball und Joggen raten Experten der DGRh und DGORh in der Regel ab. „Die Gelenkbelastung kann bei Sprüngen, schnellen Stopps oder bei Kontaktsportarten zu hoch sein”, erläutert die DGORh-Kongresspräsidentin.

Prinzipiell seien bei gutem Trainingszustand, professioneller Technik und vermindertem Leistungsanspruch viele Sportarten möglich. Zu guter Letzt weist Professor Dr. med. Matthias Schneider auf den sozialen Aspekt von Bewegung hin: „Wer nicht mehr aktiv am Alltag teilnimmt, läuft Gefahr, sich dadurch zu isolieren und erhöht sein Risiko für depressive Verstimmungen”, so der DGRh-Kongresspräsident und Rheumatologe von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Auf der Vorab-Pressekonferenz in Berlin stellen Experten der DGRh und DGORh den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Sport mit Endoprothesen vor.

Quellen:

Keren A, Berkovitch Y, Soudry M. Harefuah, Sport activity after hip and knee arthroplasty. 2013 Nov; 152 (11): 649–653, 688. Review. Hebrew.

Bloomfield MR et al. Total Hip and Knee Replacement in the Mature Athlete. Sports Health: A Multidisciplinary Approach. 2013 Nov 20, 1941738113512760

Weiter Informationen:

http://www.dgrh-kongress.de
http://www.dgrh-kongress.de/wissenschaftlprogramm.html
http://www.rheuma-liga.de/mediencenter/presseinformationen/detailansicht/news/patiententag-des-42-dgrh-kongress

Terminhinweis:

Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 42. Kongresses der DGRh
Termin: Mittwoch, 10. September 2014, 10 bis 11 Uhr
Ort: Raum 1, Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm, Berlin

Themen und Referenten:

Mitten im Leben – Wie Menschen mit Rheuma Job und Alltag meistern
Professor Dr. med. Matthias Schneider, Düsseldorf

Sport trotz, nein, weil Rheuma:
Menschen mit Rheuma und Endoprothesen können und sollen sich bewegen
Dr. med. Christine Seyfert, Chemnitz

Zu spät beim Facharzt: Kinder mit Rheuma tragen schon früh ein Risiko für gefährliche Augenentzündungen
Dr. med. Kirsten Minden, Berlin

Heraus aus der Opferrolle:
Erste Erfahrungen mit Selbstmanagementkursen in der Deutschen Rheuma-Liga
Professor Dr. med. Erika Gromnica-Ihle, Berlin

Gicht – ein altes Leiden neu erkannt
Dr. med. Rieke H.E. Alten, Berlin

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kongress-Pressestelle
Kathrin Gießelmann/Stefanie Schweigert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981/-649
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org
schweigert@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dgrh-kongress.de
http://www.dgrh-kongress.de/wissenschaftlprogramm.html
http://www.rheuma-liga.de/mediencenter/presseinformationen/detailansicht/news/pa...

Kathrin Gießelmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: DGRh Endoprothesen Gelenke Gelenkersatz Muskeln Rheuma Rheumatologie Schiffbauerdamm Sport Sportarten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE