Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medizinische Forscher der LMU suchen neue Angriffspunkte zur Behandlung der Leukämie

23.09.2013
Die Heilungschancen der akuten myeloischen Leukämie, einer aggressiven Form von Blutkrebs, sind nach wie vor gering.

Insbesondere das erneute Auftreten eines Rezidivs nach anfangs erfolgreicher Behandlung verschlechtert die Prognose deutlich. Zum Rezidiv kommt es, wenn Leukämiezellen im Knochenmark die Chemotherapie überleben.


40-fache Vergrößerung von Knochenmark mit Leukämie (links) und gesundem Knochenmark (rechts). Braun angefärbt sind Stromazellen. Quelle: Michael Fiegl

Die Arbeitsgruppe um Dr. Michael Fiegl am Klinikum der Universität München erforscht Wechselwirkungen zwischen Leukämie und gesundem Knochenmark. Leukämiezellen werden einerseits durch Knochenmarkzellen geschützt und können andererseits diese beeinflussen. Die Kenntnis der Ursachen könnte neue therapeutisch nutzbare Angriffspunkte ermöglichen.

Leukämiezellen haben ihren natürlichen Lebensraum im Knochenmark, in dem sonst die normale Blutbildung stattfindet. Das Knochenmark ist ein komplexes Gewebe, in dem neben dem blutbildenden Gewebe zahlreiche unterschiedliche Zelltypen vorliegen. Für die normale Blutbildung sind sogenannte Stromazellen bedeutsam, da sie Nischen bilden, in denen die Blutstammzellen leben.

Darüber hinaus schützen diese Stromazellen aber auch Leukämiezellen vor Chemotherapie oder anderweitigem extremen Stress. Dr. Fiegl wies bereits nach, dass nicht nur gesunde Stromazellen Leukämiezellen beschützen, sondern dass auch im Knochenmark von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie die Anzahl von Stromazellen erhöht ist (siehe Abbildung).

Offensichtlich vermögen Leukämiezellen die für sie wichtigen Stromazellen anzulocken oder ihr Wachstum anzuregen. Das tun sie scheinbar mit Hilfe von Wachstumsfaktoren und Botenstoffen, die ähnlich wie Hormone andere Zellen beeinflussen können. Ein weiterer Bestandteil des Lebensraums von Leukämiezellen im Knochenmark, der bislang nur wenig untersucht wurde, ist der erniedrigte Sauerstoffgehalt. Insbesondere für die Nischen, in denen sich Blutstamm- und Leukämiezellen aufhalten, werden sehr sauerstoffarme Bereiche angenommen.

Das Zusammenspiel dieser verschiedenen Bestandteile des Knochenmarkumfeldes besser zu verstehen, ist Gegenstand dieses Projektes. Das Forschungsvorhaben wird erstmals Wechselwirkungen von Leukämie- und Stromazellen unter Berücksichtigung des im Knochenmark herrschenden Sauerstoffmangels untersuchen und damit im Labor ein Umfeld erschaffen, das demjenigen, welches im menschlichen Knochenmark vorkommt, mehr ähnelt als bisherige Versuchsanordnungen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 200.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Michael Fiegl, Medizinische Klinik und Poliklinik III,
Klinikum der Universität München – Campus Großhadern
Telefon: +49 (0)89 7095-3151, E-Mail: Michael.Fiegl@med.uni-muenchen.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise