Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medizin der Zukunft sagt Therapieerfolg vorher

16.11.2011
Umsetzung personalisierter Medizin braucht Grundlagenforschung

Mit den Methoden der Biotechnologie kann man künftig jeden Patienten derart genau beschreiben, dass Ärzte auf dieser Basis schon im Voraus die jeweils beste Behandlung finden und unwirksame Therapien ausschließen können.

Diese Idee der sogenannten "personalisierten Medizin" skizziert Tom Lille, Krebsforscher beim Biotech-Riesen Amgen, bei einer Presseveranstaltung am gestrigen Dienstagabend in Wien. Eine verstärkte Grundlagenforschung sieht der Experte allerdings als nötige "Wegbereiter" dieser Vision.

Gentest bald Standard

Behandlung des bisher Unheilbaren, Kostensenkung und gesteigerte Sicherheit, indem die teils enormen bis lebensgefährlichen Nebenwirkungen mancher Therapien ausgeschaltet werden: Vertreter der personalisierten Medizin versprechen scheinbar das Blaue vom Himmel. Dennoch scheint dies für den Amgen-Experten möglich, sofern es Fortschritte bei Schlüsselaspekten wie etwa der Identifikation von Biomarkern gibt. Mit ihnen soll die Wirksamkeit einzelner therapeutische Agenten beim jeweiligen Patienten ermittelt werden.

Die Suche nach diesen "prädiktiven Biomarkern" ist in der Okologie am weitesten fortgeschritten, da hier die Grundlagenforschung bereits etliche Gene und Proteine für das Entstehen, Fortschreiten und Ausbreiten der Krebszellen finden konnte. Schon heute darf hier eine Behandlung des EGF-Rezeptors, der die Bildung von Antikörpern gegen Tumorzellen verhindert, nicht ohne einen vorhergehenden Gentest erfolgen. "Die Mutation in einem einzigen Gen entscheidet darüber, ob die EGFR-Therapie wirkt oder nicht", erklärt Lille.

Mit RNA Mutationen verhindern
Ein weiteres, noch unzureichend erforschtes Element in der Entwicklung personalisierter Therapien könnte die Ribonukleinsäure (RNA) sein, die in der Zelle genetische Informationen in Proteine umsetzt. "Zunehmend erkennt man die Chance, mit Hilfe von RNA-Molekülen gezielt in Krankheitsprozesse einzugreifen", schildert die Genetikerin Renee Schoeder von den Max F. Perutz Laboratories http://mfpl.ac.at . So könnte man eines Tages mittels RNA-Interferenz die Expression mutierter Ziel-Gene ausschalten, bevor sie schädliche Proteine bilden.

Dass die Personalisierung nicht nur die Behandlung, sondern auch das Verständnis von Medizin völlig umwälzen könnte, haben Biotech-Forscher auch unlängst am European Health Forum dargelegt. "Der Arzt legt die Macht seines weißen Kittels ab und schlägt nur noch vor, welche Maßnahme aufgrund von Gendaten-Auswertung am besten in Frage kommt. Darüber hinaus ist er technischer Reparateur, etwa in der Chirurgie", bringt es etwa Angela Brand, Leiterin des European Centre for Public Health Genomics, auf den Punkt (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20111007004 ).

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://amgen.com

Weitere Berichte zu: Grundlagenforschung Mutation Protein RNA Therapieerfolg health services

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie