Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medikation bei Migräne und Depression – Gefahr von ungünstigen Wechselwirkungen?

21.06.2012
DMKG schätzt Risiko eines „Serotonin-Syndroms“ bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva als sehr gering ein

Sowohl Migräne als auch eine Depression sind sehr häufige Erkrankungen. In Deutschland leiden nach Expertenmeinung rund acht Millionen Menschen an einer Migräne.

An Depressionen leiden innerhalb eines Jahres etwa acht Prozent der Bevölkerung – das sind etwa 6,8 Millionen Menschen. Außerdem besteht bei Migräne ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, gleichzeitig mit einer Depression oder einer generalisierten Angsterkrankung einherzugehen.

„Für diese Patienten ist es von besonderer Bedeutung, dass keine ungünstigen Wechselwirkungen zwischen den bei diesen Erkrankungen üblicherweise verordneten oder eingenommenen Medikamenten auftreten“, sagt Prof. Gunther Haag von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Zur Behandlung einer akuten Migräneattacke werden häufig Triptane eingesetzt, sogenannte Serotonin-Agonisten.

Zur Behandlung der Depression oder der Angsterkrankung wurden in den letzten Jahren zunehmend häufiger sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt. Theoretisch kann die Kombination dieser beiden Medikamentengruppen zu einem „Serotonin-Syndrom“ führen.

Grundsätzlich sollte sich daher die Auswahl eines Triptans auch nach der Begleitmedikation und der Verstoffwechslung richten. Wegen der unterschiedlichen Verstoffwechslung der Triptane dürfte das Risiko der Entwicklung eines Serotonins-Syndroms unter Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan bei gleichzeitiger Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) am geringsten sein.

Grundsätzlich sollten Patienten, die gleichzeitig Triptane und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI oder SNRI einnehmen, besonders sorgfältig ärztlich begleitet werden. Die Gefahr, dass bei gleichzeitiger Einnahmen von Triptanen und bestimmten Antidepressiva ein „Serotonin-Syndrom“ auftritt ist jedoch so gering, dass nicht generell von einer Kombination dieser Präparate abgeraten werden muss.

Liegt ein „Serotonin-Syndrom“ vor, so äußert sich dieses zum Beispiel in autonom-vegetativen Symptomen wie Puls- und Blutdruckanstieg, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung oder durch zentralnervöse Symptomen wie Unruhe, Koordinationsstörungen, Halluzinationen. Auch neuromuskuläre Störungen wie zum Beipsiel Tremor und gesteigerte Reflexe bis hin zu Muskelkrämpfen können auftreten. Ist auch die Atemmuskulatur betroffen, so kann das Serotonin-Syndrom lebensbedrohlich sein.

In der Literatur werden nur einige wenige Einzelfälle beschrieben, bei denen ein Serotonin-Syndrom auftrat, bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRIs, der SNRIs oder auch unter einer Monotherapie mit Triptanen. Das Risiko ist aber offensichtlich sehr gering, da die gemeinsame Einnahme von Triptanen und den genannten Psychopharmaka sehr häufig ist.

Generalsekretärin und Pressesprecherin DMKG
PD Dr. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1, 80336 München
Tel. 089/5160 2307
E-Mail Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Gunther Haag
Michael-Balint-Klinik
Hermann-Voland-Str. 10
78126 Königsfeld
Telefon: 07725 / 932-0

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie der Stoffwechsel im Zellkern (Krebs-)Gene kontrolliert
28.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik