Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medikamente gegen Epilepsie können Entzündungen fördern

19.12.2013
Mediziner der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben untersucht, ob etablierte Medikamente gegen Epilepsie entzündungshemmend oder -fördernd wirken – ein Effekt, auf den die Arzneistoffe klassischerweise nicht getestet werden.

Eine Substanz verstärkte Entzündungen, während eine andere sie hemmte. Da entzündliche Reaktionen des Gehirns der Grund für Epilepsien sein können, sei es wichtig, den Auslöser bei der Wahl des Medikaments zu beachten, schlussfolgern die Forscher. Sie berichten in der Zeitschrift „Epilepsia“.


Zwei Arten von Gliazellen: Astroglia sind grün gefärbt, Mikroglia rot. Die Zellkerne sind in Blau dargestellt. © RUB, Bild: Dambach

Gliazellen spielen eine wichtige Rolle im Nervensystem

Hannes Dambach aus der Abteilung für Neuroanatomie und molekulare Hirnforschung testete mit seinen Kollegen den Einfluss antiepileptischer Medikamente auf das Überleben von Gliazellen in Kultur. Gliazellen sind die größte Zellgruppe im Gehirn; sie sind entscheidend für die Nährstoffversorgung der Nervenzellen und spielen eine Rolle bei Immunantworten und Entzündungsreaktionen. Wie antiepileptische Medikamente auf Gliazellen wirken, ist bislang wenig untersucht. Das RUB-Team der Arbeitsgruppe Klinische Neuroanatomie von Prof. Dr. Pedro Faustmann analysierte vier Substanzen: Valproinsäure, Gabapentin, Phenytoin und Carbamazepin.

Vier antiepileptische Medikamente wirken unterschiedlich auf Gliazellen

Gliazellen, die die Forscher mit Valproinsäure und Gabapentin behandelten, überlebten besser als solche, die sie mit Phenytoin und Carbamazepin behandelten. Carbamazepin hatte jedoch auch einen positiven Effekt: Es milderte Entzündungsreaktionen. Entzündungsfördernd hingegen wirkte Valproinsäure. Wie genau die Antiepileptika Entzündungen beeinflussten, war auch von ihrer Dosis abhängig. Verschiedene Medikamente wirken also unterschiedlich auf Gliazellen und somit indirekt auch auf Nervenzellen.

Entzündliche Reaktionen sollten in klinischen Studien beachtet werden

„Klinische Studien sollten nicht nur darauf fokussiert sein, wie Antiepileptika die Schwere und Häufigkeit von epileptischen Anfällen beeinflussen“, sagt Pedro Faustmann. „Man sollte auch testen, welche Rolle sie für entzündliche Reaktionen im Zentralen Nervensystem spielen.“ Dann könnten sich Ärzte bei der Auswahl eines Antiepileptikums auch an der zugrunde liegenden entzündlichen Erkrankung orientieren.

Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben

In Deutschland leiden 0,5 bis 1 Prozent der Menschen an einer Epilepsie, die mit Medikamenten behandelt werden muss. Die Ursachen für die Krankheit können vielfältig sein: genetische Anlagen, Erkrankungen des Zentralen Nervensystems in Folge einer Hirnentzündung, Schädel-Hirn-Trauma sowie Schlaganfall. Hirnschädigungen können auch Entzündungsreaktionen auslösen.

Titelaufnahme

H. Dambach, D. Hinkerohe, N. Prochnow, M.N. Stienen, Z. Moinfar, C.G. Haase, A. Hufnagel, P.M. Faustmann (2013): Glia and epilepsy: Experimental investigation of antiepileptic drugs in an astroglia/microglia co-culture model of inflammation, Epilepsia, DOI: 10.1111/epi.12473

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Pedro Faustmann, Abteilung für Neuroanatomie und molekulare Hirnforschung, Institut für Anatomie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24405, E-Mail: Pedro.M.Faustmann@rub.de

Dr. Julia Weiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie