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Medikamente bei ADHS im Erwachsenenalter?

07.09.2010
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken. Medikamente, die die Symptome verringern können, sind aktuell nur für Kinder und Jugendliche zugelassen und erstattungspflichtig.

ADHS ist eine psychische Störung. Die Erkrankung beginnt immer im Kindesalter, kann aber bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Betroffene sind unaufmerksam, impulsiv, hyperaktiv und schlecht organisiert. Sie leiden häufig unter weiteren psychischen Störungen und sind in Stresssituationen schnell überfordert.

> Ergebnisse des Berichts
Die für den Bericht bewerteten klinischen Studien zeigen, dass bei Erwachsenen gegenüber Placebo vor allem Arzneimittel mit zentral-nervös stimulierender Wirkung (Methylphenidat und Amphetamine) und Atomoxetin die ADHS-Symptome verringern. Dabei muss die Dosis für einzelne Betroffene individuell angepasst werden, damit die Medikamente optimal wirken.

Aus Studien aus dem Ausland schließen die Autoren auf hohe jährliche direkte (z.B. für Medikamente) und indirekte Kosten (z.B. Zeit) für die Behandlung der ADHS. Die durchschnittlichen Kosten für die medikamentöse Behandlung eines Erwachsenen betrugen demnach im Jahr 2009 zwischen 1.270 und 1.619 Euro.

> Empfehlung der Autoren
Die Autoren empfehlen, Voraussetzungen für eine angemessene Versorgung mit ADHS-Medikamenten auch für Erwachsene zu schaffen. Weitere klinische Studien sollten durchgeführt werden, um die Substanzen direkt miteinander zu vergleichen und Langzeiteffekte zu erfassen. Auch für genauere Aussagen zur Kosten-Effektivität der medikamentösen Behandlung speziell für Deutschland sind Studien erforderlich.
> Diagnose ADHS
ADHS wird nach den internationalen Klassifikationssystemen psychischer Störungen diagnostiziert. Für eine Diagnose im Erwachsenenalter muss die Kernsymptomatik bereits im Kindesalter vorgelegen haben. Dazu gehören unter anderem gestörte Aufmerksamkeit, impulsives Handeln oder ständiger Bewegungsdrang. Von Erwachsenen sind etwa 2 bis 4 % betroffen, wobei statistisch mehr Männer als Frauen an ADHS leiden. Die Störung wirkt sich für Betroffene in nahezu allen Lebensbereichen aus. Unter anderem steigt das Risiko, schwere Verkehrsunfälle zu verursachen oder straffällig zu werden. Zudem werden zahlreiche andere psychische Beeinträchtigungen gefördert, etwa Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.
> Therapie heute
Ob eine Therapie erforderlich ist, hängt vom Ausprägungsgrad der Krankheit sowie von den psychischen und sozialen Beeinträchtigungen der Betroffenen ab. Wissenschaftliche Leitlinien, z.B. der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), zur Diagnostik und Therapie der ADHS im Erwachsenenalter empfehlen im Rahmen eines multimodalen Konzeptes neben psychotherapeutischen Interventionen und Schulungen auch - mit unterschiedlicher Evidenzlage - die Behandlung mit speziellen, verschreibungspflichtigen Medikamenten:
* Stimulanzien: Methylphenidat, Amphetaminsulfat
* Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer: Atomoxetin
* spezielle Antidepressiva: z. B. Bupropion
Als Therapie erster Wahl bei ADHS im Erwachsenenalter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde den Wirkstoff Methylphenidat. Allerdings sind ADHS-Medikamente in Deutschland zurzeit nur für Kinder und Jugendliche zugelassen und durch gesetzliche Krankenversicherungen erstattungspflichtig, bei Erwachsenen werden die Arzneimittel im Einzelfall erstattet.
>> HTA-Bericht:
Medikamentöse Behandlung der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter in Deutschland

Autoren: Diana Benkert, Klaus-Henning Krause, Jürgen Wasem, Pamela Aidelsburger

Der vorliegende HTA-Bericht wurde von der Janssen-Cilag GmbH beauftragt und finanziert. Wie alle durch die DAHTA beauftragten Berichte wurde er in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

> HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte, die das DIMDI herausgibt, sind die genannten Autoren verantwortlich.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Susanne Breuer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de

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