Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mechanismen der Hirnödementstehung nach Schädel-Hirn-Trauma

02.07.2009
Hirnödeme treten bei vielen neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Hirntumoren oder Schlaganfällen auf.

Insbesondere jedoch nach Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bildet sich oft ein ausgeprägtes Hirnödem aus, was durch die nachfolgende Schwellung des Gehirns zur hohen Sterblichkeit dieser Erkrankung beiträgt.


Unbehandelte Mäuse (links) entwickeln nach Schädel-Hirn-Trauma ein rel. ausgeprägtes Hirnödem (blaue Färbung, weißer Pfeil). Durch Behandlung mit dem Bradykinin-1-Rezeptor Blocker R715 kann die Hirnödementstehung massiv unterdrückt werden (rechts).
Quelle: AG PD Dr. Christoph Kleinschnitz

Die molekularen Grundlagen der Hirnödementstehung sind jedoch noch weitgehend unverstanden und wirksame Therapien fehlen bisher. Diese Situation ist unbefriedigend, da in Deutschland jährlich ca. 250.000 überwiegend junge Patienten z. B. durch Berufs- und Verkehrsunfälle ein SHT erleiden, wovon ein nicht unerheblicher Anteil verstirbt bzw. dauerhaft behindert bleibt.

Die Arbeitsgruppen von Christoph Kleinschnitz und Anna-Lena Sirén am Universitätsklinikum Würzburg untersuchen die Entstehungsmechanismen des Hirnödems mit dem Ziel, die Behandlung von SHT-Patienten zu verbessern.

Man weiß, dass das sog. Kallikrein/Kinin-System (KKS) an der Ödementstehung und Entzündungsreaktion in verschiedenen Organsystemen beteiligt ist. Dabei spielen insbesondere die sog. Kinine, z. B. der Entzündungsstoff Bradykinin, eine wichtige Rolle. Die molekularen Effekte der Kinine wiederum werden durch zwei verschiedene Kinin-Rezeptoren (B1R und B2R) vermittelt. In Vorarbeiten am Schlaganfallmodell konnten wir bereits zeigen, dass die Blockade des B1R mit bestimmten Hemmstoffen die Hirnödembildung und Entzündungsreaktion drastisch reduziert und die Mäuse daher weniger neurologische Ausfälle entwickeln (Austinat et al., Stroke, 2009).

Unsere Arbeitsgruppen wollen nun im Rahmen einer gemeinsamen Kooperation der Neurologischen und Neurochirurgischen Klinik der Frage nachgehen, ob bestimmte Komponenten des KKS auch nach experimentellem SHT für die Schwellung des Gehirns verantwortlich sind. Dazu werden verschiedene Mausstämme verwendet, denen einzelne Gene des KKS fehlen. Zudem kommen pharmakologische Inhibitoren zum Einsatz, die gezielt in das KKS eingreifen. In der Tat zeigen erste Vorversuche, dass Mäuse ohne B1R analog zum Schlaganfall auch nach SHT deutlich weniger Hirnödem ausbilden (Abb.). Welche molekularen Mechanismen dabei von Bedeutung sind und ob diese Beobachtung auch für andere Bestandteile des KKS gilt, wird nun weiter untersucht werden.

Dieses Projekt bietet die Möglichkeit, zentrale Ursachen der Ödembildung nach Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) aufzuklären. Durch eine selektive Blockade des KKS könnten sich zukünftig Hirnödemen bei verschiedenen ZNS-Erkrankungen inkl. der Hirntumoren u. U. besser behandeln lassen.

Der Projektleiter ist Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg. Für weitere Informationen wenden Sie Sich bitte an PD Dr. Christoph Kleinschnitz (christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de).

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 150.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Sei Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt 170 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie