Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MDS: Warum ist der Verlust des Y-Chromosoms günstig für die Prognose?

25.03.2013
José Carreras Stiftung Leukämie-Stiftung fördert Forschungsprojekt zu Myelodysplastischen Syndrom (MDS) an der Universitätsmedizin Göttingen über zwei Jahre.

Y-Chromosom verloren – das ist eine gute Nachricht für Menschen, die an dem sogenannten Myelodysplastischen Syndrom (MDS) erkrankt sind. Es handelt sich dabei um eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, die in eine akute Leukämie übergehen kann. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt:

Der Verlust des Y-Chromosoms wirkt sich offenbar günstig auf die Prognose und den Verlauf der Erkrankung aus. Was aber steckt auf der Ebene der Gene hinter dem Verlust des ganzen Chromosoms? Das will jetzt ein Forschungsprojekt der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der Universitätsmedizin Göttingen klären. Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung für zwei Jahre mit einem Betrag von 122.800 Euro gefördert. Prof. Dr. Detlef Haase, Leiter des Labors für Hämatologische Zytogenetik der Abteilung Hämatologie und Onkologie der UMG, und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dr. Christina Ganster, untersuchen darin die molekularen Mechanismen, die der genetischen Veränderung zugrunde liegen.

Ein Verlust des Y-Chromosoms ist eine genetische Veränderung, die bei verschiedenen Leukämieformen in einem Teil der Blutzellen auftritt. Etwa 10 Prozent der von MDS-Betroffenen haben solche klonalen Chromosomenveränderungen in ihren Knochenmarkstammzellen. Diese Veränderung wird aber auch in den Blutzellen gesunder älterer Männer beobachtet. Noch ist umstritten, ob die genetische Veränderung, die bei MDS-Patienten zum Verlust des Y-Chromosoms führt, alters- oder krankheitsbedingt auftritt. Vorarbeiten der Arbeitsgruppe an der Universitätsmedizin Göttingen ergaben, dass der Y-Verlust bei MDS-Patienten nicht nur altersbedingt auftritt, sondern auch einen Marker für einen veränderten Klon darstellen kann. Auch liegen Ergebnisse vor, dass MDS-Patienten mit isoliertem Verlust des Y-Chromosoms eine gute Prognose und ein geringes Risiko für einen Übergang in eine akute myeloische Leukämie (AML) haben.

„Wir wollen nun die bereits vorliegenden chromosomalen Daten weiter ergründen, weiter in die Tiefe vordringen und die molekulargenetischen Faktoren identifizieren, die bei diesen Patienten mit Y-Verlust zum MDS beitragen. Unser Ziel ist es, MDS besser zu verstehen und letztendlich die Entwicklung von zielgerichteten Therapien zu unterstützen“, sagt Dr. Christina Ganster, Leiterin des Forschungsprojektes.

Wie führt ein Verlust des Y-Chromosoms zur Entstehung eines MDS? Um die dafür verantwortlichen molekularen Mechanismen aufzuklären, konzentrieren die Forscher ihre Untersuchungen auf sogenannte pseudoautosomale Regionen des X- und Y-Chromosoms. Dabei handelt es sich um Bereiche, die auf dem X- und Y-Chromosom gleich sind. Es soll überprüft werden, ob bei einem MDS bei dem eine Genkopie durch den Y-Verlust fehlt, die zweite Kopie durch eine molekulargenetische Veränderung (Aberration) in den pseudoautosomalen Regionen des X-Chromosoms verloren geht und damit ein MDS ausgelöst oder begünstigt und der Verlauf beeinflusst wird.

„Mittels Mutationsanalysen und Expressionsanalysen wollen wir Kandidatengene identifizieren, bei denen es durch den Verlust des Y-Chromosoms und eine Aberration am X-Chromosom zu einem Verlust der kompletten Genfunktion kommt“, sagt Prof. Dr. Detlef Haase. „Möglicherweise kann damit eine Aberration identifiziert werden, die ursächlich mit der Entstehung eines MDS in Zusammenhang steht und die ein Ziel für zukünftige Therapien sein könnte.“

Myelodysplastische Syndrome (MDS)
Die Erkrankungsformen von MDS sind sehr unterschiedlich und reichen von relativ harmlosen bis hin zu sehr bösartigen Verläufen. Die Krankheit tritt vor allem bei Patienten über 60 Jahren auf. Patienten mit MDS bilden aus ihren Stammzellen keine vollständig reifen und funktionstüchtigen Blutzellen mehr, da ihre Stammzellen genetisch verändert sind. Der Körper produziert nicht mehr ausreichend Blut und unreife Knochenmarkzellen können sich vermehren. Eine Leukämie ist die mögliche Folge. Da sich der Verlauf der Krankheit jederzeit von gut- zu bösartig verändern kann, ist es sehr wichtig, bei Diagnosestellung und dann regelmäßig im Verlauf zu kontrollieren, ob und welche genetischen Veränderungen in den Stammzellen vorliegen. Die Behandlung reicht von einer rein unterstützenden Therapie bis zur Knochenmarktransplantation.

José Carreras Leukämie-Stiftung
1987 erfuhr José Carreras von seiner Diagnose "Leukämie". Aus Dankbarkeit über die eigene Heilung gründete er 1995 die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V.. Die Stiftung hat seitdem über 900 Projekte finanziert, die den Bau von Forschungs- und Behandlungseinrichtungen, die Erforschung von Leukämie und ihrer Heilung sowie die Arbeit von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben.
Weitere Informationen zur Stiftung: www.carreras-stiftung.de

Spendenkonto:
Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V.
Konto: 319 96 66 01
BLZ: 700 800 00
Commerzbank AG München
SWIFT-BIC: COBADEFFXXX
IBAN: DE96 7008 0000 0319 9666 01

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Hämatologie und Onkologie
Prof. Dr. Detlef Haase, Telefon 0551 / 39-6313
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
haase.onkologie@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-goettingen.de
http://www.carreras-stiftung.de

Weitere Berichte zu: MDS-Patienten Universitätsmedizin Y-Verlust

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Weltweit erstes Mehrkomponenten 3D Food Printing System für personalisierte Kost
10.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Aus dem Labor auf die Schiene: Forscher des HI-ERN planen Wasserstoffzüge mit LOHC-Technologie

19.04.2018 | Verkehr Logistik

Neuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

19.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics