Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf die Markierung kommt es an

12.10.2012
Wissenschaftler des Exzellenzclusters Mikroskopie im Nanometerbereich etablieren biologische Marker für die Darstellung kleinster molekularer Prozesse in lebenden Zellen. Veröffentlichung der Studie in NATURE METHODS.

Modernste optische Technologien wie die Stimulated Emission Depletion (STED) Mikroskopie erlauben einen faszinierenden Blick in das Innere le-bender Zellen.


STED-mikroskopische Aufnahmen zeigen eine deutlich bessere Auflösung endosomaler Strukturen nach Markierung mit einem Tfn Rezeptor-spezifischen Aptamer (rechts) im Vergleich zur Verwendung eines entsprechenden Antikörpers (links). Abb.: cmpb

Kleinste Strukturen und molekulare Abläufe lassen sich mit Hilfe dieser Technologie exakt darstellen. Sogar einzelne Moleküle in Zellen werden sichtbar und ihre Bewegungen lassen sich unter dem STED-Mikroskop in Echtzeit verfolgen. Und doch waren bisher auch der hochauflösenden STED-Mikroskopie Grenzen gesetzt.

Der Grund: Wirklich erkennbar werden einzelne Moleküle erst dann, wenn sie sich vorher erfolgreich mit geeigneten Farbstoffen markieren lassen. Konventionelle Antikörper, die in der Regel für die spezifische Markierung von Molekülen genutzt werden, sind jedoch oft zu groß, um an schwer zugängliche Moleküle andocken zu können.

Den Forschern Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli und Dr. Felipe Opazo vom European Neuroscience Institut (ENI) und dem Exzellenzcluster „Mikroskopie im Nanometerbereich“ am DFG-Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) der Universitätsmedizin Göttingen ist es nun gelungen, geeignete Marker zu identifizieren, die kleiner sind als Antikörper. In ihrer jüngsten Publikation beschreiben sie den Ein-satz von sogenannten Aptameren.

Ihre geringe Größe erlaubt es, an deutlich mehr Strukturen zu binden, die in lebenden Zellen für Antikörper nicht oder nur schwer zugänglich sind. In Kombination mit der STED-Mikroskopie kann durch Verwendung solcher Aptamere eine noch exaktere Auflösung zellulärer Strukturen erreicht werden als bisher. Die Forschungsergebnisse sind im Oktober 2012 in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift NATURE METHODS veröffentlicht worden.

„Molekulare Marker müssen eine sehr effiziente Bindung sowie eine hohe Stabilität aufweisen, um einzelne Zielmoleküle exakt darstellen zu können. Diese Kriterien erfül-len die Aptamere perfekt“, sagt Dr. Opazo, Erst-Autor der Publikation. Bei Aptameren handelt es sich um kleine einzelsträngige Nukleinsäuremoleküle. Ähnlich dem Schlüssel-Schloss-Prinzip erkennen und binden sie passgenau an zelluläre Zielstrukturen. Eine ähnlich hohe Effektivität konnte bisher nur mit Antikörpern erreicht werden.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Max-Planck Instituts für Biophysikalische Chemie und des Laser Laboratoriums in Göttingen sowie der Universität Erlangen, des Albert Einstein College of Medicine in New York und der University of Texas konnten die Göttinger Forscher belegen: Die Markierung durch Aptamere verbessert die optische Auflösung von Zielmolekülen mittels STED-Mikroskopie gegenüber konventionellen Antikörpern erheblich. Zudem können Aptamere deutlich kostengünstiger, in beliebiger Größe und ohne den Einsatz von Tierversuchen mit Standard-Laborequipment chemisch synthetisiert werden.

„Dies und ihre Fähigkeit, Zielstrukturen direkt zu binden, hebt sie auch von den erst kürzlich im Zusammenhang mit hochauflösender Mikroskopie beschriebenen Nanobodies ab“, sagt Prof. Dr. Silvio Rizzoli, Senior-Autor der Publikation. Besonders kleine Aptamere binden dabei besser an schwer zugängliche Strukturen und zeigen eine erhöhte Spezifität. Als Zielstrukturen dienten Moleküle, die bei der Bewegung von Endosomen eine Rolle spielen, die für die Zell-Zell-Kommunikation wichtig sind. Spektakuläre Abbildungen aus der Arbeit von Dr. Opazo zeigen, dass nun sogar kleinste endosomale Strukturen in hoher Auflösung visualisiert und deren Bewegungen in lebenden Zellen verfolgt werden können.

Der erfolgreiche Einsatz von Aptameren für die spezifische Markierung kleinster Ziel-moleküle in unterschiedlichen Zellsystemen bedeutet einen weiteren Fortschritt für die Anwendung hoch-auflösender bildgebender Verfahren. Aptamere wurden zudem bereits im Vorfeld erfolgreich für das gezielte Ausschalten von Genen und in der Krebstherapie angewandt.

Originalpublikation:
Felipe Opazo, Matthew Levy, Michelle Byrom, Christina Schäfer, Claudia Geisler, Teja W. Groemer, Andrew D. Ellington and Silvio O. Rizzoli. Aptamers as potential tools for super-resolution microscopy. NATURE METHODS (2012) Oct, 9(10):938-9 WEITERE ANGABEN Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23018995.

Das Exzellenzcluster „Mikroskopie im Nanometerbereich“ (EXC 171) wurde 2006 als Erweiterung des DFG-Forschungszentrums Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) an der Universitätsmedizin Göttingen eingerichtet. Aufgrund der äußerst erfolgreichen Allianz von EXC 171 und CMPB in den vergangenen Jahren wurde eine gemeinsame Fortsetzung der Förderung im Rahmen der 2. Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder bewilligt. Unter dem Titel Exzellenzcluster „Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns“ (CNMPB) wird die hochkarätige Forschung im Bereich der Neurowissenschaften und Mikroskopie auch in den nächsten fünf Jahren fortgeführt.

INFORMATIONEN
zum ENI: http://www.eni.gwdg.de
zum Exzellenzcluster/CMPB: http://www.cmpb.de
zur Arbeitsgruppe von Dr. Rizzoli: http://www.eni.gwdg.de/index.php?id=199&L=0
WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen
AG STED Microscopy of Synpatic Function, European Neuroscience Institut (ENI)
Dr. Felipe Opazo, Mail: fopazo@gwdg.de
Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, Mail: srizzol@gwdg.de
Telefon 0551 / 39-3630
Grisebachstr. 5, 37077 Göttingen

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie