Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Manager sind echte Pragmatiker – auch auf neuronaler Ebene

05.09.2012
Ob Aktienhandel, Einkaufskonditionen oder Lagerlogistik: Manager haben täglich eine Vielzahl von Entscheidungen zu treffen. Dazu nutzen sie andere neuronale Netzwerke im Gehirn als Nicht-Manager.
Dies belegten Dr. Svenja Caspers und ihr Team vom Forschungszentrum Jülich gemeinsam mit Wirtschaftspsychologen und -soziologen der Universität Köln. Führungskräfte aktivieren vor allem ein Gehirnareal, das eine zweck- und zeitoptimierte Lösung auf Basis von Erfahrungswerten unterstützt. Bei Nicht-Führungskräften dagegen erarbeiten andere neuronale Netzwerke stufenartig die Problem- bzw. Aufgabenlösung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht.

Im Rahmen einer Forschungsstudie ließ die Jülicher Neurowissenschaftlerin vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin 35 Managerinnen und Manager aus unterschiedlichen Branchen und eine vom Alter, der Intelligenz und dem Geschlecht passende Vergleichsgruppe aus Arbeitnehmern ohne Führungsposition im Magnetresonanztomographen (fMRT) Entscheidungen treffen. "Die Probanden mussten innerhalb von zwei Sekunden einen Begriff aus einem Wortpaar wie 'Teamwork' oder 'Erfolg' beziehungsweise 'Macht' oder 'Loyalität' wählen", erläutert Svenja Caspers. Insgesamt gab es 540 Entscheidungen innerhalb von 22 Minuten zu treffen. "Mit dieser Fülle an Entscheidungen und Zeitknappheit wollten wir auf experimenteller Ebene die Entscheidungsdichte von Führungskräften nachbilden", so die Neurowissenschaftlerin.

Während des Entscheidungsprozesses aktivieren Manager im Vergleich zu Nicht-Managern vermehrt im Kopf den Nucleus caudatus („Schweifkern“, grün skizziert).
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Die funktionellen MRT-Aufnahmen zeigten, dass beide Gruppen unterschiedliche neuronale Entscheidungssysteme aktivierten. Innerhalb eines allen Menschen gemeinsamen Netzwerks, das bei Entscheidungen aktiv ist, zeigten die Manager im Vergleich zu den Nicht-Managern eine vermehrte Aktivität im Kopf des Nucleus caudatus ("Schweifkern"). Diese Hirnregion ist bekannt dafür, dass sie innerhalb des Entscheidungsnetzwerks dabei hilft, kategorisiertes Wissen aufzubauen, welches das Gehirn in ähnlichen Situationen automatisiert abruft. Bei den Arbeitnehmern ohne Personalverantwortung dagegen waren am zeitlich etwas länger dauernden Entscheidungsprozess andere Regionen des gemeinsamen Entscheidungsnetzwerks - beispielsweise der Scheitellappen und Teile des Stirnlappens wie etwa der präfrontale Kortex - stärker involviert. Diese Netzwerke sind für das systematische Bearbeiten einer Aufgabe beziehungsweise eines Problems zuständig, das stufenartig über die primäre Verarbeitung der Sinneswahrnehmung – in dieser Studie des Sehens der Wortpaare – und dem kognitiven Verarbeiten, also Abwägen von rationalen Argumenten, bis hin zur Entscheidungsfindung reicht.

Ob das ressourceneffiziente Entscheiden im Gehirn von Managern durch ihre Berufstätigkeit antrainiert wurde oder sozialisationsbedingt zur Persönlichkeit gehört, ist allerdings noch nicht erforscht. "Menschen werden in ihrer Persönlichkeit von Geburt an geprägt. Diese Fragestellung könnte also lediglich im Rahmen einer Langzeitstudie geklärt werden", erläutert Svenja Caspers.

Während des Entscheidungsprozesses aktivieren Manager im Vergleich zu Nicht-Managern vermehrt im Kopf den Nucleus caudatus („Schweifkern“) (grün skizziert).
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Originalveröffentlichung:
Svenja Caspers, Stefan Heim, Marc G. Lucas, Egon Stephan, Lorenz Fischer, Katrin Amunts, Karl Zilles: Dissociated Neural Processing for Decisions in Managers and Non-Managers
http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0043537

Weitere Informationen:
Forschungszentrum Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Medizin:
Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1)
http://www.fz-juelich.de/inm/inm-1/DE/Home/home_node.html;jsessionid=BFE01F3862392E9A304BDD2DF44F8BAF
Molekulare Organisation des Gehirns (INM-2)
http://www.fz-juelich.de/inm/inm-2/DE/Home/home_node.html
Ansprechpartner:
Dr. med. Dr. rer. pol. Svenja Caspers
Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-2)
Tel. 0246161-1742
E-Mail: s.caspers@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Dr. Barbara Schunk, Tel. 02461 61-8031, b.schunk@fz-juelich.de

Dr. Barbara Schunk | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie