Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie man Alzheimer erkennt

30.09.2010
Nahestehende sehen die Krankheit früher als Ärzte

Angehörige und Freunde bemerken erste Demenzanzeichen viel früher als der Arzt. Das berichten Mediziner der Washington University in der Zeitschrift "Brain".

"Nichts ist für Menschen mit Demenz so schlimm wie nicht um ihre Krankheit zu wissen. Wenngleich die Diagnose selbst erst der Arzt stellt, können Angehörige Verdachtssymptome schon durch wenige Schlüsselfragen erkennen", erklärt Birgitta Martensson von der Schweizerischen Alzheimervereinigung im pressetext-Interview.

Fragen enttarnen Symptome

Acht Fragen stellten die US-Forscher den Nahestehenden von Patienten über diese. Dabei ging es um Veränderungen bei Finanzentscheidungen, um nachlassendes Interesse an Hobbys, um ständig wiederholte Fragen oder Aussagen, um Probleme in der Bedienung von Geräten und um das Vergessen des laufenden Monats oder Jahres. Auch nach dem Verlust des Überblicks über die eigenen Ausgaben wurde gefragt, nach dem plötzlichen Vergessen von Vereinbarungen und Terminen sowie nach dem Neuauftreten ständiger Erinnerungslücken.

Demenzverdacht gibt es bei den Patienten, deren Angehörige zwei oder mehr Fragen mit "Ja" beantworteten. "In wenigen Minuten kann man so kostengünstig erheben, wer weitere Untersuchungen zur Abklärung braucht", so Studienleiter James Galvin. Die Methode ist zudem äußerst verlässlich. In einem Versuch mit 250 Personen war die Fragemethode weit treffsicherer als ein Demenz-Screening beim Arzt, bei dem sich Patienten etwa Wörter oder Objekte merken sollen. Das zeigte eine Biomarker-Untersuchung im Anschluss an die Tests.

Nahestehende wissen mehr als Betroffene

Alzheimer-Screening durch Befragung der Angehörigen wird auch in Europa immer wichtiger. Forscher um Michael Ehrensperger und Andreas Monsch von der Memory Clinic, Akutgeriatrie des Universitätsspitals Basel http://www.memoryclinic.ch stellen heuer in der Zeitschrift "International Psychogeriatrics" eine Methode vor, die auf der Beurteilung von sieben Feststellungen durch Angehörige basiert. Dazu gehören die Erinnerung an Dinge wie Geburtstage oder Adressen der Familie und Freunde, an jüngst vergangene Ereignisse und Gespräche oder an den Ort, an den man Dinge abgelegt hat, sowie das Neulernen von Dingen im Allgemeinen. "Es geht hier um ein Screening, nicht um die Diagnose selbst", stellt Monsch gegenüber pressetext klar.

Fremdanamnese hat hohen Wert für den Demenz-Erstverdacht, betont Martensson. "Menschen mit Demenz verhalten sich mit fremden Personen – etwa mit dem Arzt – oft anders als im Alltag. Angehörige und nahe Freunde durchschauen viel eher, wenn Betroffene ihre auftretenden Probleme ignorieren oder verheimlichen." Dass Patienten ihre Symptome verbergen, ist verständlich. "Das gleiche machen manche Menschen, die mit dem Alter Sehprobleme bekommen: Sie suchen Entschuldigungen und Erklärungen statt einen Optiker aufzusuchen," so die Sprecherin der Alzheimervereinigung.

Je früher, desto besser

Obwohl es für Demenz noch keine Heilung gibt, hat ihre möglichst frühe Diagnose große Bedeutung. Martensson berichtet, dass Demenzpatienten im Rückblick die Phase vor der Diagnose als ihre schlimmste Zeit bezeichnen. "Erst wer über seine Diagnose Bescheid weiß, kann Information und Hilfe holen und etwa medikamentöse oder nicht-medikamentöse Therapien in Anspruch nehmen, die den Verlauf verzögern", so Martensson. Ausschließen könne man durch die Abklärung zudem Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie etwa Altersdepression oder Hirntumor.

Was viele Menschen vor einer Demenz-Diagnose zurückschrecken lässt, sind die vielen Missverständnisse rund um die Krankheit. "In den Köpfen schwirren die Symptome im Spätstadium, etwa dass Bekannte zu Unbekannten werden oder Verhaltensstörungen massiv werden. Zwischen Ausbruch und Endstadium liegen jedoch meist viele Jahre, in denen Patienten noch entscheidungs- und handlungsfähig sind, ohne fremde Hilfe leben und oft sogar neue Aktivitäten aufnehmen. Zudem erleben viele das Endstadium der Demenzkrankheit gar nicht, weil sie vorher an einer anderen Alterskrankheit sterben", betont Martensson.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://medschool.wustl.edu
http://www.alz.ch

Weitere Berichte zu: Abklärung Alzheimer Alzheimervereinigung Demenz Endstadium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie