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Mammographie-Screening: Überdiagnosen sind keine „falschen“ Diagnosen

24.04.2012
„Wir können einer Frau leider nicht vorhersagen, wie sich ihr Tumor verhalten wird. Und wir können ihr auch nicht sagen, ob und wann sie an anderen Ursachen verstirbt“, betont Dr. Wolfgang Aubke, stellvertretender Beiratsvorsitzender der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. „Aber wir können Brustkrebs in einem sehr frühen Stadium entdecken, dadurch schonender behandeln und Leben retten.“

Bislang gibt es keine Möglichkeit, sicher zu bestimmen, wie aggressiv sich ein Tumor entwickeln wird. Daher wird bei der Diagnose Brustkrebs den Frauen in der Regel eine entsprechende Behandlung empfohlen.

„Überdiagnosen als falsche oder irrtümliche Diagnosen zu bezeichnen ist irreführend. Letztlich gibt es zu Überdiagnosen so lange keine Alternative, bis uns die Forschung zur Tumorbiologie Werkzeuge in die Hand gibt, mit denen wir von Anfang an das Verhalten eines Tumors bestimmen können“, sagt Dr. Aubke.

Zu „Überdiagnosen“ zählen diagnostizierte Tumore, die zu Lebzeiten nie auffällig geworden und daher auch nicht behandelt worden wären. Die betreffende Person verstirbt also an einer anderen Ursache. Auch bei anderen Früherkennungen für Gebärmutterhalskrebs oder Prostatakrebs treten Überdiagnosen als unerwünschter Nebeneffekt auf.
Welche Größenordnung die Überdiagnosen im Mammographie-Screening einnehmen, schätzen Wissenschaftler unterschiedlich ab. Beruhend auf verschiedenen Datengrundlagen und Modellen zur Berechnung reichen die Schätzungen von drei bis 33 Prozent („Phasenmodell zur Mortalitätsevaluation“ des wissenschaftlichen Gremiums, www.mammo-programm.de). Für das deutsche Mammographie-Screening existieren noch keine Auswertungen zu Überdiagnosen. Dafür ist das seit 2009 flächendeckend angebotene Programm noch zu jung.

Fakt bleibt: Jedes Jahr erkranken rund 71.700 Frauen neu an Brustkrebs, etwa 17.200 sterben in Folge der Erkrankung (Robert Koch-Institut 2012, Krebs in Deutschland 2007/2008). Um die Überlebenschancen der Frauen zu erhöhen, soll Brustkrebs schon in einem frühen Stadium gefunden werden. Deshalb wurde 2005 die regelmäßige Untersuchung der Brust im Mammographie-Screening-Programm auf Beschluss des Bundestages in Deutschland eingeführt.

Dr. Aubke: „Unsere besondere Verantwortung liegt darin, Brustkrebs rechtzeitig diagnostizieren zu können und gleichzeitig die Belastung für die Frau so gering wie möglich zu halten. Deshalb ist die Qualitätssicherung im Mammographie-Screening-Programm einzigartig.“ Dazu gehören die hohen Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Ärztinnen und Ärzte sowie des medizin-technischen Personals, die täglichen Kontrollen der Geräte, verpflichtende Fortbildungen und Prüfungen, Doppelbefundung, interdisziplinäre Fallkonferenzen und die systematische Datenauswertung.

Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie ist in gemeinsamer Trägerschaft von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im August 2003 gegründet worden. Ihre Aufgabe ist die Koordination, Qualitätssicherung und Evaluation des Mammographie-Screening-Programms.

Corinna Heinrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.mammo-programm.de/

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