Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malignes Lymphom mit vielen Gesichtern

08.10.2014

UKJ ist Teil eines europaweiten Studienverbunds

Lymphdrüsenkrebs: Über 100 Neudiagnosen pro Jahr am Thüringer Universitätsklinikum


Prof. Dr. Paul La Rosée leitet das Konsultationszentrum für maligne Lymphome am Universitätsklinikum Jena.

Foto: UKJ/Szabo

Schlappheit, Gewichtsverlust und Nachtschweiß gepaart mit einer auffallenden Infektionsneigung, Fieber und anhaltend geschwollenen Lymphknoten – so beginnt häufig eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems.

Die Diagnose Lymphdrüsenkrebs trifft in Deutschland pro Jahr etwa 15 von 100.000 Menschen, wobei Männer häufiger als Frauen erkranken. Allein am Universitätsklinikum Jena wird jährlich bei rund 110 Menschen ein sogenanntes malignes Lymphom diagnostiziert.

Das UKJ gehört zu den auf Diagnostik und Behandlung dieser Krebsart spezialisierten Kliniken. Anlaufstelle für Erkrankte ist die Klinik für Innere Medizin II mit ihrem Konsultationszentrum für maligne (bösartige) Lymphome.

Bei Lymphdrüsenkrebs entarten unterschiedliche Zellreihen der Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), welche das Immunsystem in Lymphknoten, Knochenmark und Blut sowie in allen Organen unseres Körpers regulieren.

Wegen der engen Beziehung zwischen blutbildendem System und Knochenmark verlaufen manche Lymphome auch als Leukämien, z.B. die chronische lymphatische Leukämie. Außer nach Zellreihen werden Lymphome zudem nach ihrem Aggressivitätsgrad unterschieden.

„Besonders aggressive Formen nehmen innerhalb weniger Wochen einen akuten, lebensbedrohlichen Verlauf“, erläutert Prof. Dr. Paul La Rosée, der das Konsultationszentrum am UKJ leitet. „Sie lassen sich jedoch oft gut behandeln, zumal es in letzter Zeit Fortschritte vor allem in der Antikörpertherapie gegeben hat.“ Weniger aggressive Erkrankungsformen – Mediziner sprechen von indolenten Lymphomen – verlaufen hingegen oft chronisch. Sie sind in der Regel nicht heil-, aber kontrollierbar.

So vielfältig wie die Gesichter des Lymphdrüsenkrebses sind, so unspezifisch sind oft die ersten Krankheitsanzeichen wie Fieber oder ein allgemeines Schwächegefühl. Zwar sind bleibende und zunehmende Schwellung der Lymphknoten ein wichtiges Alarmsignal, doch nicht bei allen Erkrankungsformen.

Denn Lymphdrüsenkrebs kann auch in den inneren Organen seinen Ausgang nehmen – wie beim seltenen Hodgkin-Lymphom. So bestehen etwa Lunge, Darm und Gehirn auch aus lymphatischem Gewebe, das befallen sein kann. Von einer exakten Diagnostik hängt also alles ab. Nicht zu verwechseln sind Lymphome übrigens mit den sich häufig in den Lymphknoten findenden Tochtergeschwülsten (Metastasen) anderer Krebsarten.

Zur Lymphom-Diagnostik gehören gründliche Blutuntersuchungen, die Computertomografie des verdächtigen Körperareals, eine Knochenmarkuntersuchung sowie eine Gewebeuntersuchung mittels Biopsie. Dabei wird der Lymphknoten operativ komplett entfernt und feingeweblich untersucht. „Und zwar immer von spezialisierten Pathologen“, so der Mediziner. Das UKJ nutzt dafür das bundesweite „Kompetenznetz Maligne Lymphome (KNL)“, in dem besonders erfahrene Pathologen dieses Spezialgutachten übernehmen. „Diese Zweitmeinung ist deshalb so wichtig, weil die so unterschiedlichen Lymphom-Subtypen auch eine unterschiedliche Behandlung erfordern.“

Wöchentliche Spezialsprechstunde

So kann etwa bei Patienten mit follikulärem Lymphom, einer weniger aggressiven Erkrankungsform, der befallene Lymphknoten bestrahlt werden, wenn keine weitere Lymphknotenstation betroffen ist. Hingegen ist bei anderen aggressiven Lymphomen eine Bestrahlung in dieser Situation nicht sinnvoll, hier ist immer eine Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie die Standardbehandlung: Per Infusion erhalten die Patienten Antikörper verabreicht, welche sich an die Tumoroberfläche heften.

Die Antikörper aktivieren das körpereigene Immunsystem zur Zerstörung der Tumorzellen. Bei den sehr seltenen, aber aggressiven Lymphomen des zentralen Nervensystems erhalten die Erkrankten dagegen eine Hochdosis-Chemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation, da gewöhnlich dosierte Chemotherapie im Gehirn zu wenig erreichen kann.

Gerade Patienten mit seltenen Krebserkrankungen wie eben Lymphdrüsenkrebs können von der Erfahrung und wissenschaftlichen Vernetzung einer Uniklinik profitieren. Dazu gehört auch die Behandlung im Rahmen klinischer Studien. So ist das UKJ etwa Teil eines europaweiten Studienverbunds zu ZNS-Lymphomen.

„Diese Kooperation auf internationaler Ebene ist unser Alleinstellungsmerkmal“, betont Prof. La Rosée. Insgesamt ist das UKJ derzeit an 17 Lymphom-Studien beteiligt – entweder über Netzwerke mit anderen Universitätskliniken in Deutschland und Europa oder in Kooperation anderen Partnern. „So kommen wir an innovative Medikamente“, sagt der Onkologe, in dessen wöchentlicher Lymphom-Spezialsprechstunde auch die Möglichkeit von Studienteilnahmen ein häufiges Thema ist.

Kontakt

Lymphom-Sprechstunde am Universitätsklinikum Jena
Klinik für Innere Medizin II
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Freitag 9.30 – 12.30 Uhr
Terminvereinbarung:
Tel. 03641 / 9-324201

Hotline für akute Anfragen:
Tel. 03641 / 9-324280

Stefan Dreising | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten